CSI-Festplatte: Erfolgreiche Datenrettung ist eine Angelegenheit für Profis

Vorsätzlich oder versehentlich vernichtete Datenträger sind fast zu 100 Prozent rekonstruierbar. Datenrettung ist eine Frage der Expertise und des Aufwands, sagen die Profis ihrer Zunft.

Patienten, die in der Notaufnahme der Datenretter landen, sind klinisch tot. Hier kommen Datenträger an, die vorsätzlich oder versehentlich ins digitale Jenseits befördert wurden. Vom Exitus durch Ertrinken bis hin zu schwerer physischer Gewalt durch einen Sturz aus dem 14. Stock oder Schusswaffen gibt es nichts, was nicht schon auf dem „OP-Tisch“ der Datenretter gelandet wäre.

Im beschaulichen Cottage-Viertel in Wien-Döbling arbeiten Experten, die internationale Reputation genießen, weil sie selbst abgeschriebene Patienten wieder zum Datenleben erwecken. Programmierer Nicolas Ehrschwendner gründete 1996 die Firma Attingo, die heute Ableger in Hamburg und Amsterdam hat und ihre Dienstleistungen auch in London und Paris anbieten kann. „Datenverlust ist wie ein Autounfall“, sagt der Attingo-Gründer, „man versucht es zu verhindern, trotzdem passiert es.“ Ob der Unfall auf dem Asphalt oder der Datenautobahn passiert, die Abläufe im Anschluss gleichen sich: „Erst haben die Leute einen Schock, und dann muss es schnell gehen.“ Die Datenträger kommen mit dem Taxi-Boten oder mit dem Flugzeug.

Klar, dass es schnell gehen muss, wenn das Krankenhaus seine Röntgenbilder nicht mehr sieht oder die Sozialversicherung einen Jahrgang mit Patientenverrechnungen nicht mehr abrufen kann. Wer eine Datenpanne hat, steht nicht gerne in der Zeitung. Die Referenzliste auf der Attingo-Website liest sich aber wie ein kleines Who’s who des heimischen Bildungs-, Verwaltungs- und Wirtschaftssektors.

CSI, aber in echt

Konsultiert wird das Döblinger CSI-Team auch von der Polizei in heiklen Causen, in denen es gilt, vorsätzlich gelöschte Daten wieder sichtbar zu machen. Ehrschwendner: „Da gibt es Dinge, die man eigentlich gar nicht sehen will.“ Der Zuhörer glaubt das gern, wenn er von Rekonstruktionsaufträgen in Sachen Kinderpornografie, Mafia-Umfeld oder Rechtsextremismus erzählt.

Eine Spezialität des zehnköpfigen Attingo-Teams ist unter anderem die Wiederherstellung gelöschter Videoaufzeichnungen. Je schwieriger die Ausgangslage, umso reizvoller wird sie für Ehrschwendners Partner Peter Franck, der vor vier Jahren bei Attingo einstieg.

Der Hacker und ehemalige UN-Waffeninspektor arbeitet natürlich nicht nur mit den Standardwerkzeugen der Datenretter. Er hat einen eigenen Werkzeugkoffer entwickelt, was, laienhaft dargestellt, nichts anderes bedeutet, als dass er für jede auf dem Markt befindliche Festplatte – und das sind mittlerweile Tausende – einen passenden „digitalen Schraubenzieher“ hat. Jeder Hersteller hat seine eigenen Codes, um eine Festplatte anzusprechen. „Wir kennen alle diese Codes und können auch die defekten Sektoren einer Platte auslesen, also in die hinterste Ecke der Platte reinleuchten“, erzählt Peter Franck.

Sind die physikalischen Probleme behoben, wird der Datenträger ein letztes Mal ausgelesen und davon eine Kopie gemacht, die dann für weitere Analysen herangezogen werden kann.

Datenretter wie Attingo arbeiten primär an der physischen Rekonstruktion der Hardware, die digitalen Spurensicherer – die Forensiker – arbeiten softwarebasiert. In einem Kinderporno-Fall sieht die Arbeitsteilung zwischen Datenretter und Forensiker etwa so aus: Der Datenretter macht die Bilder auf der gelöschten Festplatte wieder sichtbar, und der Forensiker analysiert, welchen Weg diese Bilder durch das Netz genommen haben, bevor sie schließlich auf genau dieser Festplatte landeten.

Irgendwas geht immer

Das Gute an der digitalen Wiederbelebung: Wenn es die richtigen Leute machen, ist die Erfolgsquote hoch. Peter Franck sagt: „Bei Hardwaredefekten schaffen wir es in 90 Prozent der Fälle.“ Aufgeben müssen die Datenchirurgen erst dann, wenn die Magnetschicht der Festplatte tatsächlich nicht mehr existent ist, „das ist bei sieben bis acht Prozent der Fall“.

Und selbst bei den restlichen zwei bis drei Prozent besteht oft eine 50 : 50-Chance auf Rekonstruktion. Erst wird eine Diagnose gestellt, und dann entscheidet der Kunde, ob ihm die Restchance das Investment wert ist. Billig ist die Datenrettung nicht. Für das Beheben von Hardwareschäden werden im Schnitt zwischen 500 und 2.000 Euro veranschlagt. Logische Schäden, wie sie bei Flash-Speichern häufig vorkommen, sind auch schon um 500 Euro zu beheben.

Vor Do-it-Yourself-Rettung zu Mc-Preisen warnen Experten jedenfalls eindringlich. Die Versuchung ist groß, und wer sich über Suchmaschinen schlau macht, wird schier überschwemmt mit Angeboten. Mit Vorsicht zu genießen sind auch Fixpreisangebote: Der Preis kann im Verhältnis zum Aufwand zu hoch oder zu niedrig sein, sodass sich der Datenretter den Aufwand nicht antut. In beiden Fällen ist der Kunde der Gelackmeierte. Franck sagt: „Datenrettung ist Vertrauenssache. Der Kunde muss darauf bauen können, dass der Datenretter sein Bestes gibt, egal ob es sich um die Urlaubsbilder oder wichtige Konstruktionspläne handelt.“

Und die Profis kennen auch den umgekehrten Weg. Bei Attingo werden immer öfter Datenträger abgegeben mit der Bitte nach professioneller Löschung bzw. Zerstörung. Der Umkehrschluss ist zulässig und schlüssig: Was von Experten zu über 90 Prozent rekonstruiert werden kann, wurde nie richtig gelöscht. Das digitale Leben währt länger, als manchen lieb ist.

– Barbara Mayerl

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