Couchpotatoe mit Brille: 3-D-Fernsehen ist der Hoffnungsträger der Elektronikbranche

Fernsehen in der dritten Dimension war das große Thema auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas. FORMAT riskiert den Blick in eine durchaus ungewisse Zukunft.

Die überdurchschnittliche Brillenträgerdichte auf der Elektronik-Leitmesse CES in Las Vegas hatte profane Gründe. Das große Messethema 3-D war ohne Shutterbrille nicht wirklich erfassbar. Hollywood-Regisseur James Cameron trägt „Mitschuld“ am Brillenboom. Sein 3-D-Blockbuster „Avatar“ sorgt seit ein paar Wochen für Freudentränen bei Kinobetreibern. Gerade rechtzeitig… Denn in der Elektronikbranche sucht man nach dem nächsten Umsatz-Schrittmacher nach HD-TV und Flat-TV. Das weltweite Umrüsten in den Wohnzimmern wird einmal zu Ende gehen. Nicht heute, aber in 10 bis 15 Jahren. 3-D-Fernsehen ist dabei – neben Internet-TV – einer der großen Hoffnungsträger der Industrie. Waren bei der Berliner Funkausstellung im Herbst erst Prototypen zu sehen, räumte man in Las Vegas bereits marktreife Geräte, die bald auch bei uns in Geschäften stehen werden, auf die Pulte.

Der Trick mit der Brille
Versuche mit 3-D-Kino und 3-D-Fernsehen gibt es eigentlich seit Jahrzehnten. Ältere Semester erinnern sich noch an die ersten 3-D-Kinomovies in den 50er-Jahren oder das Experiment mit 3-D-Fernsehen in den 80er-Jahren mit rot-grünen 3-D-Pappbrillen. Um das Publikum wieder vom Fernseher in die Kinos zu locken, hat das 3-D-Kino zuletzt eine kleine Renaissance erlebt (Cinemagnum 3D). Ob Furcht erregende Flugsaurier oder 3-D-Ballonfahrten in Animationsfilmen wie Pixars „Oben“: Eine Brille benötigt man auch im digitalen 3-D-Kino des 21. Jahrhunderts zur Erzielung des räumlichen Effekts. Warum? Weil unser rechtes Auge die Dinge aus einem leicht anderen Blickwinkel als das linke Auge sieht, kann unser Gehirn die räumliche Position von Dingen relativ genau „berechnen“. Dieses stereoskopische Sehen bewirkt eine Tiefenwahrnehmung und die räumliche Modellierung von Bildern.

Zwei Filme für zwei Augen
Dieses Prinzip machte man sich bereits in den frühen Tagen der Fotografie zunutze: Bereits 1849 schoss man die ersten stereoskopischen Doppelbilder, die – durch ein Stereoskop betrachtet – einen 3-D-Effekt erzeugten. Die Gebrüder Lumière experimentierten bereits 1895 mit einem einminütigen 3-D-Film. Film und Foto haben ein Verfahren: Man dreht nicht einen, sondern zwei Filme. Zwei im Augenabstand platzierte Kameras (oder eine Kamera mit Doppellinse) schießen simultan einen Film für das rechte und das linke Auge. Der „Doppelfilm“ wird schließlich im Kino an die Leinwand geworfen. Eine 3-D-Brille sorgt dafür, dass das rechte Auge nur den rechten Film und das linke nur den linken Film zu sehen bekommt. Betrachtet man einen 3-D-Film ohne 3-D-Brille, nimmt man für gewöhnlich eher ein verschwommenes Doppelbild wahr.

Erste Fernseher mit 3-D-Kinotechnologie
Die „Kanaltrennung“ in rechten und linken Film erfolgt heute über 3-D-Brillen mit Polarisationsfilter oder sogenannte Shutterbrillen. Beim 3-D-Verfahren mit einer Shutterbrille wird abwechselnd der rechte und der linke Film projiziert. Ein synchron arbeitender „Verschlussmechanismus“ in der 3-D-Shutterbrille macht das Brillenglas für das Auge, zu dem das jeweilige Filmbild „gehört“, lichtdurchlässig und für das andere lichtundurchlässig. Prinzipiell nützt auch das neue 3-D-Fernsehen die bereits im Kino erprobten 3-D-Technologien. Alle Hersteller, die in Las Vegas marktreife 3-D-Lösungen präsentieren konnten, nutzen 3-D-Brillen mit Shutter- oder Polarisations-Technologie. Ob 3-D-Fernsehen „mit Brille“ wirklich schon massentauglich ist, wird von Heimkino-Experten wie CNETs John P. Falcone indes offen bezweifelt. Er prophezeit 3-D-TV eine technologische Nischenexistenz à la SACD, DVD Audio oder Surround – zumindest solange man die 3-D-Brille nicht loswerden kann.

Philips: Abwarten trotz brillenloser Lösung
So hat Philips seit geraumer Zeit eine „autostereoskopische“ 3-D-Display-Technologie auf Lager, die ein dreidimensionales Filmerlebnis ohne die wenig geliebten Brillengläser erlaubt. Erreicht wird der Effekt hier durch Mikrolinsen im Display. Jens Christoph Bidlingmaier, Chef von Philips Consumer Lifestyle Österreich, glaubt allerdings, dass die für den Business-Präsentationsbereich entwickelte brillenlose 3-D-Lösung „erst langfristig eine Rolle spielen wird“. Im Gegensatz zu Panasonic, Sony, Samsung und LG, die noch heuer mit 3-D-Fernsehern und 3-D-Blu-ray-Playern auf den Markt drängen, haben sich die Holländer in Sachen 3-D auf eine abwartende Position begeben. Bidlingmaier zu FORMAT: „Einen Termin für eine Markteinführung gibt es noch nicht. Hierfür wird Philips den Markt genau beobachten und analysieren, um den richtigen Zeitpunkt zu wählen.“

Für 3-D gerüstet: Samsung-Fernseher
Auch die Marktforscher von IDC zeichnen in einer ersten Studie zu den Marktchancen von 3-D-TV ein Einerseits/Andererseits-Szenario. Auf der Haben-Seite stehen der aktuelle, durch „Avatar“ ausgelöste 3-D-Hype und der Umstand, dass die befragten US-Consumer 3-D-Heimkino prinzipiell „cool“ finden. Eher weniger gut ist – neben dem Mangel an 3-D-Filmen –, dass 3-D bei der konkreten TV-Kaufentscheidung derzeit noch eine ziemlich untergeordnete Rolle spielt. Panasonic, Sony, Samsung und LG Electronics lassen sich von solcherlei Unkenrufen wenig beeindrucken. Gleich nach der CES in Las Vegas wird zuerst der US-Markt beackert, dann ist Europa dran. 3-D-Hardware gibt es bald auch in Österreich. Samsungs neue LED-Fernsehergeneration – der Modellreihen 7000, 8000 und 9000 –, die voraussichtlich im März nach Europa kommt, ist bereits ab Werk „3D ready“. Dazu passend bieten die Koreaner auch gleich den ersten 3-D-fähigen Blu-ray-Player für 3-D-Filme „auf Scheibe“ an.

Startschuss für dreidimensionale TV-Kanäle
LG Electronics folgt im April mit seinem ersten 3-D-TV für den österreichischen Markt. Sonys erste 3-D-Fernseher aus der BRAVIA-LX905-Reihe kommen zwar erst im Juli 2010 in den Handel, dafür ist hier aber gleich ein Paar 3-D-Shutterbrillen beigepackt. Kostenpunkt von Sonys 3-D-TVs: ab 2.100 Euro aufwärts. Beim 3-D-Pionier Panasonic steht der heimische Verkaufsstart zwar noch nicht genau fest, dafür macht man jetzt jenseits des Großen Teichs Nägel mit Köpfen. Weil 3-D-TV ohne 3-D-Fernsehprogramm zugegebenermaßen nur geringe Chancen hat, sponsert die Matsushita-Company im Zuge einer Kooperation mit dem US-Pay-TV-Anbieter DIRECTV nun den Start von drei Full HD 3D TV-Kanälen für den amerikanischen Markt.

Rainer Grünwald

Das Gros der Kunden bucht seinen Sommerurlaub in den Monaten Jänner bis März. Der Rest bucht in letzter Minute.
#urlaub #internet #reise
 

Internet

Urlaub in letzter Sekunde

Warum Apple 3,2 Milliarden Dollar für Kopfhörer ausgegeben hat, die man nicht braucht - und warum sich der Beats-Deal für den Konzern trotzdem lohnt.
#beats apple
 

Börse International

Warum Apple 3,2 Milliarden für den Beats-Deal zahlt

Das Auto soll mit Elektromotor ausgestattet werden und
#Google #Elektroauto
 

Innovation

Google baut selbstfahrende Autos ohne Lenkrad