Constantinus: Die Bühne gehörte 2009 den kleinen Unternehmen und den "Solisten"

Die „Oscars“ der heimischen Berater-Branche wurden diese Woche vergeben. FORMAT stellt die besten Ideen und die Macher vor. Wie kreative Kleinfirmen ihren Kunden mit intelligenten Strategien weiterhelfen.

An geballter Aufmerksamkeit mangelte es Dienstagabend nicht. 500 Gäste verfolgten im brechend vollen Festsaal des Schlosses Grafenegg gespannt die Verleihung der österreichischen Consulting-„Oscars“. Schließlich wurden die besten IT- und Beratungsprojekte des Landes ausgezeichnet. Dass sich fast 200 Firmen die kostenpflichtige und aufwendige Ein­reichprozedur antaten, spricht für die Strahlkraft, die der Preis „als Kompetenz-Nachweis“ genießt, freute sich der Obmann des Fachverbandes Unternehmensberatung und Informationstechnologie (UBIT) Alfred Harl. „Die Einreichungen werden jedes Jahr qualifizierter, und die Sieger beweisen, dass gerade die Kleinbetriebe in der Lage sind, beeindruckend professionelle Projekte abzuwickeln.“

Die Stunde der Kleinen
So gehörte die Bühne beim Constantinus 2009 vornehmlich den Kleinfirmen oder „Solisten“, wie sie die NÖ-WKO-Präsidentin Sonja Zwazl in ihrer Laudatio nannte. Und die Geschichten dahinter sind spannend (siehe Die Siegerideen und ihre Macher ) . Wie jene vom Ehepaar Künzel, das das Rennen in der Kategorie Jungunternehmer machte: Robert und Caroline Künzel haben sich ein Haus ­gebaut und sortierten die Handwerker-Rechnungen, wie Häuslbauer das eben tun. Dabei stellten sie fest, dass sie für etliche Dienstleistungen nie eine erhalten hatten. Ein erstaunliches Phänomen, das – wer öfter mit Handwerkern zu tun hat – nicht verwundert. Künzel war es jedenfalls neu, und er stellte fest: „Vielen Handwerkern ist der Papierkram ein echter Graus. Oft werden noch Bürorituale vom Vater und Großvater übernommen.“ Es stapeln sich Papierberge, die nicht in die Rechnungslegung einfließen, und erklären so ein anderes Phänomen: dass mitunter die gefragtesten Handwerker am Rande des Ruins stehen. Die Künzels entwickelten ein mobiles Zeit­erfassungssystem, das eben nicht nur – wie viele Produkte am Markt – die Arbeitsstunden erfasst, ­sondern auch die Leistungen von Drittanbietern, wie das verbrauchte Material, einfließen lässt.

Zirben-Liege und Schneekugel
Dass das traditionelle Handwerk zunehmend empfänglicher für intelligente Beratung ist, demonstrierte auch der Sieger in der Kategorie Management Consulting, die Grazer Innovation Service Network mit dem „Zirbenliebe“-Projekt für die 8-Mann-Tischlerei Zitz. Aus dem lokal wichtigsten Rohstoff Zirbenholz – Kärnten und Steiermark ist die größte Zirbenregion Mitteleuropas – wurde ein Möbelkonzept und ein neues Markenprodukt entworfen, das als sogenannte Zirben-Liege bereits erfolgreich an Wellness-Hotels verkauft wird. Wie findig eine 109 Jahre alte Schneekugel-Manufaktor in die neuen Zeiten geholt werden kann, zeigte Berater Thomas Berger von der Firma Checkpoint. Mit einem Mix aus Coaching, Projektmanagement und Fachberatung half Berger der Wiener Schneekugel-Dynastie Perzy, den Exportanteil auf 80 Prozent zu heben und neue Produkte, etwa den „Sylvestergruߓ, zu kreieren.

Zimmervermieter-Plattform
Eine One-Woman-Show punktete in der Kategorie Kommunikation & Netzwerke: die Tirolerin Brigitte Hainzer mit dem Projekt „Alpine Gastlichkeit“. Sie spulte Tausende Autokilometer zwischen Salzburg, Tirol und Oberbayern ab für ihre Qualitäts- und Marketingoffensive für kleine Hotelleriebetriebe. Ziel der Übung war es, den Vermietern von Privatzimmern und Ferienwohnungen sowie Besitzern kleinerer Gewerbebetriebe die Möglichkeit zu geben, sich über eine Plattform international vermarkten zu können. „Die Zusammenarbeit mit den Tourismusverbänden der drei Regionen war eine sehr gute und von allen Seiten sehr positive. Aufseiten der Vermieter war viel Bewusstseinsbildung nötig, um sie für das Projekt zu gewinnen“, sagt sie. Neben Überzeugungs- war hier Basis­arbeit zu leisten: Ein Teil des Konzepts war die Unterweisung in so profanen Dingen wie Angebots- und Produktgestaltung, Kalkulation und Preispolitik.

Vorarlberger Virtualisierer
Es sind die Kleinen, die in den großen Märkten erfolgreich mitmischen. So auch die Sieger der Open-Source-Kategorie: Proxmox. Die Vorarlberger Brüder Martin und Dietmar Maurer bedienen von ihrem Wiener Kleinbüro eine Entwickler-Community, die sich von Shanghai bis San Francisco erstreckt. Sie haben sich auf die Optimierung vorhandener Rechner­leistungen konzentriert, in der IT-Branche bekannt unter dem Schlagwort Virtualisierung. „Open-Source-Virtualisierungstechnologien setzen sich immer schneller und besser durch, da Tausende Entwickler dar­an arbeiten“, sagt Martin Maurer. „Kommerzielle Anbieter wie VMware müssen das im Haus entwickeln, können nie so schnell und individuell reagieren“, sagt er. Der Preisregen geht nicht das erste Mal auf Proxmox nieder, bereits 2007 und 2008 wurde die Company im Rahmen der Netidee-Wettbewerbe ausgezeichnet.

Visionen für den Arbeitsmarkt
Vor zwei Jahren bereits nominiert, schaffte es die ÖSB Consulting in der Kategorie Personal & Training heuer auf das Siegerpodest. Bei dem im Auftrag des Wirtschaftsminis­teriums erdachten „Productive Ageing in Kleinbetrieben“-Programms wurden in Hotel- und Handwerksbetrieben Maßnahmen angeboten, wie ältere Arbeitnehmer eine gesunde Balance zwischen körperlich schwerer Arbeit und dem generell zunehmenden Leistungsdruck finden. Dabei wur­den für die einzelnen Betriebe wie die Falkensteiner Hotelkette individuelle Pa­ke­te geschnürt. Zuerst wurden die Berei­che tendenzieller Überbelastung lokalisiert und dann mit konkreten Angeboten behoben, mitunter waren das bessere Arbeitsaufteilung oder gesündere Ernährung. „Oft sind es ganz einfache Dinge, die das Erwerbsleben leichter und produktiver machen“, sagt ösb-Projektleiter Arthur Zoglauer, „man muss sie nur finden, ansprechen und umsetzen.“

Aus dem Cola-Automaten
Wer sich den Fitness-Kick mit einem Cola aus dem Büroautomaten geholt hat, ist dabei vermutlich schon auf den Sieger in der Kategorie Informationstechnologie gestoßen. Unter dem Namen „DYNAMIQ Codes & Coins“ entwickelte (kju:) Digitale Medien ein dynamisches und ausbaufähiges Kundenbindungs- und -managementsystem für den Getränkekonzern. Auf Flaschen, Verpackungen, Etiketten, Rubbellosen und in Newslettern wurden Gewinncodes an die Kunden verteilt. Eine Art virtueller Währung, „Coins“, die im Internet gegen echte Preise eingetauscht werden konnten. Auch Gewinnspiele wurden so umgesetzt und über eine intuitive Management-Oberfläche automatisiert veranstaltet und ausgewertet. „Unsere Lösung ist sehr flexibel und wuchs stetig mit den Anforderungen des Kunden mit. Die gewonnenen Daten waren extrem wichtig für die Planung weiterer Services und eine bessere Kundenbindung“, so kju-Chef Albert Gerlach ( im Bild ). Die Auswertungsmöglichkeiten über das Internet lieferten detaillierte Zahlen über den Erfolg von Kampagnen und die Kunden, Promotionspartner und auch Lieferanten. Das Projekt wird von Coca-Cola in neun Ländern eingesetzt, hat die Internationalisierung bereits geschafft.

Große Expansionsziele
Über die Landesgrenzen haben es aber auch andere Berater bereits geschafft, freut sich Ilse Enns­fellner vom NÖ-Fachverband. Dennoch: „Erst 15 Prozent unserer Berater sind im Ausland tätig. Da gibt es noch viel zu tun.“ Ennsfellner treibt die Internationa­lisierung besonders engagiert voran, etwa mit einer Plattform, über die Kleinfirmen Zugriff auf EU-Ausschreibungen bekommen oder sich dort vernetzen, um gemeinsam auf die – oft erforderliche – Mindestfirmengröße zu kommen. Dafür knüpft der Beraterverband UBIT Netzwerke im Ausland, von den USA bis nach Indien. Die Internationalisierung ist auch das erklärte Ziel des Constantinus-Preises, was offensichtlich bereits fruchtet. Denn den Constantinus kennt man jetzt auch in ­Indien. Ravinder Goyal ist der erste Inder mit einer Constantinus-Nominierung. In Indien wurde sein Studentennetzwerk ­bereits vielfach ausgezeichnet. Und wer weiß, vielleicht war ja der nächste Mark Zuckerberg an diesem Dienstag in Nieder-österreich.

Von Gregor Kucera und Barbara Mayerl

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