Business-Intelligence-Software hilft, aus Kennzahlen die richtigen Schlüsse zu ziehen

Aus den Daten die richtigen Schlüsse ziehen ist eine der großen Herausforderungen für Unternehmer. Business-Intelligence-Programme helfen dabei – neuerdings auch mobil und im Echtzeit-Modus.

Bierbrauen und Business Intelligence (BI) haben einiges gemeinsam. Bei beidem müssen Zutaten von möglichst hoher Qualität mit viel Kunstfertigkeit zu einem harmonisch-bekömmlichen Endprodukt vergoren werden. In Murau braut man seit 500 Jahren nach dem Reinheitsgebot. Aber die Geschäftsplanung konnte mit dem hohen Qualitätsstandard der bei Kennern sehr beliebten Biermarke nicht Schritt halten. Eine moderne Reporting- und Analysesoftware sollte Abhilfe schaffen.

Nach einer Evaluierung mehrerer infrage kommender Lösungen entschieden sich die steirischen Brauer für den schwedischen Hersteller QlikTech – nicht zuletzt wegen der kurzen Implementierungszeit. In nur sieben Wochen war die BI-Plattform „QlikView“ produktiv im Einsatz. Hauptziel des Projekts war eine begleitende, tagesaktuelle Kostenrechnung, um der Geschäftsführung schnelle Entscheidungsgrundlagen für Sortimentsgestaltung, Produktion, Vertrieb oder Marketing zu liefern, erklärt Elisabeth Knapp, IT-Managerin der Obermurtaler Brauereigenossenschaft. „Vorher hatten wir diese Möglichkeit überhaupt nicht. Die Daten lagen im Extremfall erst mit bis zu anderthalbjähriger Verzögerung vor.“

Auch die Vertriebsmitarbeiter im Außendienst können über mobile Endgeräte Auswertungen nach Produkten, Regionen und sogar einzelnen Kunden abrufen – mit teils überraschenden Ergebnissen, berichtet Knapp: „Regionen, auf die wir traditionell besonderes Augenmerk gelegt hatten, stellten sich als gar nicht so umsatzstark heraus, während uns andere Gebiete positiv überraschten.“

QlikTech ist der neue Shootingstar am Markt und erfreut sich der stärksten Wachstumsraten unter den großen BI-Anbietern. Grund ist die Flexibilität und Geschwindigkeit der Analysesoftware, die durch eine neue Art der Datenverarbeitung möglich wird.

Die sogenannte In-Memory-Technologie holt die Daten direkt aus operativen Systemen – etwa kaufmännische Anwendungen (ERP), Kundenbeziehungsmanagement – in den Arbeitsspeicher des Servers und analysiert sie dort ohne Umweg über eine große Analysedatenbank auf Festplattenspeichern („Datawarehouse“), wie bei traditionellen BI-Anwendungen üblich. „Business Intelligence nach diesem Selbstbedienungsprinzip liegt im Trend“, bestätigen die Technik-Analysten von Gartner. „Analysewerkzeuge müssen einfach sein, sie müssen mobil sein, und sie müssen Spaß machen.“ Die rasant wachsende Generation iPhone/iPad unter den Firmenkunden diktiert die neuen Ansprüche.

Immer neue Datenquellen werden angezapft, der jüngste Trend ist das systematische Durchforsten sozialer Netzwerke nach firmenrelevanten Informationen und Meinungen. BI erlebt einen Boom, und die Krise hat ihn noch verstärkt, konstatiert SAP-Österreich-Chef Andreas Muther: „Die Firmen haben gesehen, dass sie ihr Business ändern müssen, aber sie wussten nicht wie, weil sie die nötigen Entscheidungsgrundlagen entweder gar nicht oder erst mit monatelanger Verzögerung zur Verfügung hatten.“

Unter diesem Aspekt kommt der schnellen Analyse großer Datenmengen – Stichwort In-Memory-Technik – besonders große Bedeutung zu. Bei SAP hat man in der Rekordzeit von 70 Tagen eine In-Memory-Datenbank („ HANA “) entwickelt, die beim ersten Testkunden, dem Bohrerhersteller Hilti, für Geschwindigkeitsrekorde sorgt.

Die Auswertung der Kundendatenbank mit neun Millionen Einträgen dauert statt drei Stunden nur mehr drei Sekunden. Dazu Muther: „Überall dort, wo man schnell auf neue Situationen reagieren muss, bringt In-Memory große Vorteile. Außerdem reduziert es die Gesamtkosten von BI-Plattformen massiv.“

Beim BI-Spezialisten Microstrategy setzt man schon seit längerem auf eine Hybrid-Methode zwischen In-Memory und klassischer BI. „Vor allem Reports, die häufig gebraucht werden oder eine sehr große Datenbasis benötigen, werden direkt im Arbeitsspeicher berechnet, um die Analysegeschwindigkeit zu erhöhen“, erklärt Microstrategy-Österreich- Chef Wolfgang Mayer. Microstrategy ist einer der letzten großen „unabhängigen“ BI-Spezialanbieter. Den Marktführer Business Objects hat sich SAP einverleibt, und die Nummer zwei, Cognos , wurde von IBM unter ihre Fittiche genommen. BI-Kompetenz ist sehr gefragt.

Mehr Durchblick, weniger Risiko

Bei Versicherungen steht BI derzeit besonders hoch im Kurs. Aufgrund der bevorstehenden Verschärfung der Regeln für Eigenkapitalausstattung und Risikorücklagen (Solvency II, Basel III) sind konzernweite Reporting Plattformen, die Finanz-, Kunden-, und Schadensdaten zusammenführen und so eine 360-Grad-Sicht auf jeden Kunden ermöglichen, für ein transparentes Risikomanagement unerlässlich.

Dass sich die Wiener Städtische, eingefleischter SAP-Kunde, bei der Einführung einer neuen Reporting-Plattform nicht für die Hausmarke, sondern für Microstrategy entschieden hat, freut Mayer natürlich besonders. „SAP, IBM und Microsoft sind in fast allen Firmen stark präsent und machen natürlich politisch Druck für ihre hauseigenen BI-Lösungen.“

Intelligente Postfüchse

Business Intelligence dient immer öfter auch als Basis für Spezialanwendungen: Ein Beispiel dafür ist das von Microsoft realisierte Paket-Verfolgungssystem der Post. Mit „Track & Trace“ werden Versand und Verlauf von jährlich 50 Millionen Paketen koordiniert. Die rund 1.000 Zusteller haben mit ihren mobilen Handheld-Geräten immer Zugriff auf alle nötigen Daten. Und die elektronische Unterschrift des Empfängers direkt am Gerät wird sofort im gesamten System kommuniziert – eine Erfolgsmeldung in Echtzeit. Die Post-Lösung wurde maßgeschneidert aus den Microsoft-Standardprodukten SQL Server und BizTalk Server.

Georg Droschl, BI-Spezialist bei Microsoft, sieht in einer möglichst nahtlosen Systemintegration und den Kosten die größten Herausforderungen bei solchen Projekten: „Unsere Stärken sind die hohe Integrationsfähigkeit der verschiedenen Microsoft-Lösungen und die flexible, prozessorientierte Systemarchitektur auf Basis der Entwicklungsumgebung .NET“, erklärt er.

Ein wesentliches Kriterium für den Erfolg von BI-Projekten ist die Qualität der Datenbasis. Besonders bei Firmen mit reger Akquisitionstätigkeit ist die Zusammenführung der Daten aus verschiedenen Unternehmensbereichen eine immense Herausforderung. Dazu IBM-Cognos-Experte Thomas Kolomaznik: „Wenn es um entscheidungsrelevante Informationen geht, wünscht sich jedes Unternehmen eine einzige Quelle der Wahrheit. Dazu müssen heterogene Datenquellen physisch und logisch konsolidiert werden. Eine Kunst, die erst wenige Firmen beherrschen.“

Aus schlechten Rohstoffen wird kein gutes Bier. Da hilft die größte Braukunst nichts.

– Alexander Hackl

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