BlackBerry-Krise: Wenig Innovation,
rückläufige Erträge

BlackBerry, die Pioniere der mobilen E-Mail, sind ins Hintertreffen geraten. Die einstigen Stammkunden greifen immer öfter zu Apple- und Google-Geräten.

Ihr Suchtpotenzial war berüchtigt. CrackBerry-Manager nannte man die Spezies Jungmanager, die mit beiden Daumen die Qwertz-Tastatur ihres Handys ohne Unterlass penetrierten. Die BlackBerry-Erfinder – die Kanadier von Research in Motion (RIM) – haben mit ihrer Idee, die E-Mails direkt auf das Handy zu schicken, den eigentlichen Humus für den blühenden Smartphone-Markt aufbereitet.

Die beruflichen Vieltipper gibt es noch, nur fummeln die jetzt öfter auf den Bildschirmen von iPhones und Android-Telefonen herum. Dass die Kanadier in Turbulenzen sind, wurde Ende April deutlich, als das Unternehmen seine Erwartungen für das laufende Quartal um elf Prozent nach unten korrigierte. Im Kernmarkt USA war da schon länger Feuer am Dach: Die Marktanteile schrumpften dort schon im ganzen letzten Jahr.

Mitte Juni legte RIM nach und bestätigte mit seinen Quartalszahlen einen Ertragsrückgang von zwölf Prozent. Der Nettogewinn betrug zwischen März und Mai 695 Millionen Dollar. Im Quartal davor waren es noch 240 Millionen mehr gewesen. Damit einher geht ein konstant sinkender Marktanteil am weltweiten Smartphone-Markt. Das Management reagierte mit leichter Verzögerung. Über den Sommer wird umstrukturiert, Entlassungen stehen auf dem Plan.

Investoren machen Druck

Für die Aktionäre ist das ein Desaster. Knapp 145 Dollar war das Papier zur besten Zeit im Juni 2008 wert, am 29. Juni 2011 ist es nicht einmal mehr 28 kanadische Dollar wert: ein Totalverlust von 80 Prozent. Die Investoren wollen Umstrukturierungen auch im Management sehen.

CEO Mike Lazaridis teilt sich seinen Posten und den Aufsichtsratsvorsitz mit Jim Balsillie. Anleger wollen eine Aufgabenteilung, um dem Management besser auf die Finger schauen zu können. Eine Entscheidung dazu wird für die Jahreshauptversammlung am 12. Juli erwartet.

Kopfschmerzen haben aber auch die Lieferanten von RIM, und hier vor allem die Software-Entwickler, die sich mit einer Vielzahl an Geräten auseinandersetzen müssen. Da gibt es BlackBerrys mit und ohne Tastatur, welche mit Touchscreen oder Scrollrad. Das macht die Anpassungsarbeit aufwendig. „Die Gerätevielfalt macht die Entwicklung schon schwierig“, sagt Florian Gschwandtner, Chef der Internet-Firma runtastic.

Die Österreicher bieten unter anderem eine App an, die sportliche Aktivitäten mittels GPS aufzeichnet. iPhones und Google-Handys werden damit zum mobilen Fitnesstrainer. Mit zwei Millionen Downloads ist runtastic in den App-Stores ein Erfolg, den die Österreicher auch auf die lauffreudige Manager-Klientel mit ihren BlackBerrys ausdehnen wollen. Das klingt einfacher, als es in der Praxis ist.

Warum? RIM räumt den System-Betreuern in den Firmen viele Rechte beim Deaktivieren von bestimmten Funktionen ein. Das ist praktisch für die zentral gesteuerte Verwaltung der kleinen mobilen Firmencomputer, die sie in der Regel sind. Diese „Rechte“ beschneiden dann mitunter den Funktionsumfang zugelieferter Programme. runtastic-Mann Gschwandtner: „Die Nutzer beklagen sich dann bei uns, wenn runtastic schlecht läuft.“

Aus Sicht der sicherheitsbesorgten Großkunden hört sich das freilich anders an. „Der Nutzer hat keine Möglichkeiten, die Vorgaben des Administrators zu umgehen. Das erhöht die Datensicherheit im Unternehmen ungemein“, erklärt A1-Manager Alexander Sperl.

Neben technischen Einschränkungen schreckt Drittanbieter aber auch der kleine Markt ab. „BlackBerry ist spät auf den App-Zug aufgesprungen und hat weniger Reichweite“, sagt Gschwandtner. 25.000 Apps waren in der App World von Black-Berry im Frühjahr verfügbar, das ist ein Zehntel dessen, was Google bietet. In den USA erklärten drei namhafte App-Schmieden zuletzt sogar, künftig auf Versionen für BlackBerry zu verzichten.

Aus Sicht vieler Industrieexperten hängt RIMs Zukunft ganz entscheidend von einer anderen Software ab: QNX. Das ist ein neues Betriebssystem, das die Kanadier auf ihrem ersten Tablet-Computer laufen haben – und das auch die Basis für die BlackBerrys der nächsten Generation sein soll. Das große Versprechen: ein besserer Umgang mit der berührungssensitiven Steuerung, dem Touchscreen. Bis dieses QNX in der mobilen Variante da ist, warten die Entwickler ab.

Imagekorrektur

Die daran geknüpften Hoffnungen sind groß. RIM will damit auch ein Imageproblem beseitigen: dass BlackBerrys E-Mail-Maschinen sind und das iPhone – in der Sakkotasche daneben – für den Spaß zuständig ist. Mehr Spaß soll das PlayBook bringen, das in Nordamerika eine halbe Million Mal verkauft wurde. Im Gegensatz zum iPad spielt der Tablet auch Flash-Videos ab, wirkt aber etwas unausgereift, weil er über keine eigenen E-Mail-, Kalender- und Adressbuch-Apps verfügt.

Wenn sie clever spielen, nutzen die Kanadier ihren guten Draht zu Firmen und Verwaltungen, die gerade auf den Tablet-Geschmack kommen. Mit der Möglichkeit, dass Administratoren auch die Sicherheit der PlayBooks kontrollieren, könnten sich die Kanadier einen Vorteil herausspielen. Den hätten sie nötig. Google verkündete, dass derzeit 500.000 Android-Handys aktiviert werden – täglich. Ein Smartphone ist eben immer nur so gut wie seine App.

– Alexandra Riegler (USA)

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