Anders als die Anderen: Sony Tablet S im FORMAT-Test

Mut zum eigenständigen Design beweist Sony bei seinem ersten Tablet Computer namens „S“. Statt des üblichen „iPad-Looks“ setzt Sony auf eine avantgardistische Keilform, die ergonomische Vorteile bringt. Auch sonst hat der Sony Tablet einige ungewöhnliche Features in petto. Als eines der ersten Medien im deutschsprachigen Raum hat FORMAT Sonys „S“ einem ausführlichen Praxistest unterzogen.

iPod, iPhone, iPad – wann immer Trendsetter Apple einen Hit am Weltmarkt landet, mühen sich die Mitbewerber ab, möglichst nahe ans „Original“ heranzukommen und es im besten Fall sogar zu übertreffen. Das gelingt so manchem – wie der etwas bizarre Rechtsstreit um Geschmacksmuster & Patente zwischen Apple und Samsung zeigt – über alle Maßen gut.

Sony beschreitet bei seinem ersten Tablet Computer mit der schlichten Bezeichnung „ S “ einen radikal anderen Weg. Kein noch dünnerer iPad-Klon aus edlen Materialien wie Glas, Chrom & Alu, sondern ein eher dickes Ding in asymetrischer Keilform aus „ehrlichem“ Kunststoff. Sonys erster Android 3.1-Tablet hat die Form eines umgeklappten Magazins, Buchs oder Notizhefts, was ergonomische Vorteile bei der mobilen „Einhandbedienung“ bringen soll.

Der „Keil“ liegt beim Schreiben besser in der Hand

Letzteres stimmt tatsächlich. Beim Tippen abseits von Schreibtischen und sonstigen Unterlagen liegt das S durch den dicken Wulst am Ende besser in der Hand. Der Sony Tablet lässt sich im Hochformat wie ein großes Notizheft oder Buch halten. Weil sich die Bildschirm-Oberfläche je nach Lage mitdreht, ist das S übrigens auch für Linkshänder geeignet. Weniger gut ist allerdings, dass Sony seinem Tablet keine echte Textverarbeitungssoftware, sondern nur eine Notiz-App (Evernote) mit auf den Weg gibt. Der S-Käufer muss sich punkto Schreibprogramm selbst im Android-Market umsehen.

Anders als die Anderen: USB und SD -Kartenleser an Bord

Das „dicke Ende“ des S hat neben der Ergonomie auch noch einen anderen Vorteil: Es bietet Platz für Standard-Schnittstellen wie USB 2.0 micro und einen Full Size SD -Kartenleser. Beides ist übrigens hinter einer simplen Kunststoffabdeckung versteckt. Der große Vorteil: Die Datenübertragung erfolgt mit Standard-Kabeln ohne proprietäre Adapter, Fotos und Videos können via Speicherkarte im Handumdrehen vom Fotoapparat oder Camcorder auf den Tablet übertragen werden.

Auf glühende Sony-Evangelisten wartet hier allerdings ein veritabler Schock: Der Speicherkarten-Slot des Sony Tablets ist nur noch für SD -Cards geeignet und liest den „hauseigenen“ Memory Stick nicht mehr. Der Sony-eigene Speicherstreifen wird damit endgültig zum „Auslaufmodell“. Ein weiterer kleiner Schönheitsfehler des an sich superpraktischen Speicherkarten-Slots: Die Datenübertragung zwischen SD -Card und Tablet funktioniert nicht einfach per Fingerwisch und Drag & Drop. Sony verwendet dazu eine Transfer-Software mit Checkboxen, die an längst vergangene Computer-Zeiten erinnert.

Ziemlich „Old School“ ist auch der Ladeanschluss des S. Der selbstentwickelte „Hörnerstecker“ erinnert frappant an Sony Ericsson. Warum man den Tablet nicht einfach über USB laden kann (wenn man schon einen USB-Anschluss eingebaut hat!) ist ein wenig strange.

Coole Features – PlayStation-Gaming

Abgesehen von USB und SD -Slot haben die Sony-Ingenieure ihrem Tablet noch ein paar Extras mitgegeben, die der Mitbewerb nicht hat. Echtes Zukunftspotential hat etwa die PlayStation-Zertifizierung der S. Sony hat damit ein gewaltiges Ass im Ärmel, zumal der S-Besitzer über die neue „PS Store“ App Zugriff auf eine wachsende Zahl von emulierten PS1-Games und PSP-Spielen erhalten soll. Ein virtueller PlayStation-Controller am Touchscreen erlaubt PlayStation-ähnliches Gaming und macht die S zu einer Art PlayStation Vita im XXL-Format. Zwei PlayStation-Klassiker, Pinball Heroes und Crash Bandicoot, sind als „Appetizer“ vorinstalliert, wobei das PS1-Game Crash Bandicoot in Sachen Spielegrafik wohl eher etwas für Nostalgiker ist.

TV-Fernbedienung

Mehr als ein Gag ist die Nutzung der S als Universalfernbedienung. Dank integriertem Infrarotsender und etwas Software kann der Sony Tablet Fernseher, Blu-ray-Player und Heimkinoanlagen fernbedienen. Das funktioniert nicht nur bei Sony-Geräten: Nach dem Muster „lernfähige Fernbedienung“ ließen sich im Handumdrehen auch ein LG-Fernseher und ein LG Blu-ray-Player problemlos fernsteuern.

DLNA-Streaming

Ein weiteres Multimedia-Goodie: Sonys Tablet kann via DLNA auch auf Multimediafiles im Heimnetzwerk zugreifen. Besitzer von DLNA -fähigen Homeservern oder Netzwerkfestplatten können Musik, Fotos und Filme drahtlos auf den Tablet streamen. Das funktionierte im Test mit Netgears Netzwerk-Festplatte ReadyNAS Ultra 2 überraschend problemlos. Einzig bei den Videoformaten besteht noch dringender Upgrade-Bedarf. Ab Werk kann der Sony Tablet nämlich nur MPEG4-Movies wiedergeben. AVCHD-, HDV- oder DivX-Files waren im Test leider nicht streambar.

DLNA -Streaming funktioniert bei Sonys Tablet übrigens auch in die umgekehrte Richtung. Über die „Throw“-Funktion lassen Bilder, Musik und Videos vom Tablet auf geeignete DLNA -Geräte „beamen“. Das klappt zumindest bei neuen Sony BRAVIA-Fernsehern mit WLAN tadellos. Leider funktioniert dieses HiTech-Kunststück aber nur bei Smart TVs.

Kein HDMI-Anschluss

Warum Sony seinem Multimedia-Tablet deshalb keinen simplen HDMI-Ausgang für den Anschluss an Flachbildfernseher „aller Art“ spendiert hat, wird ein Geheimnis der dortigen Marktstrategen bleiben.

Outdoor-tauglich mbH

Auch wenn Sony seinem TruBlack-Display in Sachen Outdoor-Eignung vorab Rosen streut („weit besser als Apples iPad“) - „spiegeln“ tut der 9,4 Zoll große Touchscreen des S trotzdem. Schreiben und lesen sind im Schatten mit geringfügigen Abstrichen kein Problem, das Ansehen von Filmen oder Gamen im Freien sind hingegen eher ein Grenzfall. Die integrierten Stereospeaker sind Outdoor übrigens auch kein Ausbund an Soundpower - aber es gibt ja einen 3,5 mm Audio-Ausgang für Kopfhörer & Co.

Erstaunlich gut sind hingegen die beiden eingebauten Kameras. Die 5-Megapixel HD-Cam an der Tablet-Rückseite liefert Bilder in guter Schnappschuss-Qualität, die VGA-Webcam auf der Bildschirmseite überrascht mit einwandfreien Fotos (Originalbilder siehe Slideshow oben).

Ab 2012 Zugang zu Sony Entertainment Network

Ob Sony mit seinem ungewöhnlichen Tablet-Ansatz letztlich Erfolg hat, hängt nicht nur davon ab, wie das Design von der potentiellen Kundschaft angenommen wird. Es ist auch eine Content-Frage: Ab 2012 sollen auch die heimischen Tablet S-Besitzer Zugang zum neuen Sony Entertainment Network (früher Qriocity, derzeit Music und Video Unlimited) bekommen. Sony wandelt hier unverkennbar auf Apples Spuren (iTunes Store) hat aber garantiert einige hauseigene Trümpfe auf Lager.

Gleiche Preise wie Apples iPad 2

Auch preislich orientieren sich die Sony-Mannen am Branchen-Primus. Das ab sofort verfügbare WLAN-Modell des S mit 16 GB Speicher liegt preislich bei €479,-, was auf den Cent genau der 16 GB iPad 2-Version entspricht. Auch die in wenigen Wochen nachfolgende 32 GB-Version liegt preisgleich bei €579,-. Mitte November, also rechtzeitig vor Weihnachten, steht dann das für alle Mobilfunk-Provider besonders interessante 3G-Modell des S am Start. Der ungestützte Preis des Sony Tablets mit „mobilem Breitband“ lässt sich nicht schwer erraten: € 599,-, wie die 3G-Version des iPad 2 …

ZUSAMMEFASSUNG

Plus

• Mut zu eigenständigem Design, keine 27. iPad-Kopie
• Liegt durch seine buchähnliche “Keilform” gut in der Hand.
• Lässt sich als Universalfernbedienung für TV, Blu-ray-Player & Co. nutzen
• Kann Fotos, Videos und Musik aus dem Heimnetzwerk streamen
• Über die „Throw“-Funktion lassen sich Bilder, Musik und Movies auf DLNA-fähige Geräte beamen. Funktioniert in jedem Fall bei neuen Sony BRAVIA-TVs mit WLAN.
• PlayStation-Zertifizierung. Macht aus dem Sony-Tablet eine Art PlayStation Vita im XXL-Format. Gaming könnte Sonys „Geheimwaffe“ am Tablet-Markt werden.
• USB-Anschluss
• „Full Size“ SD-Slot für Foto-Speicherkarten
• TruBlack Schirm (beschränkt) Outdoor-tauglich
• Relativ leicht

Minus

• Kein Aufladen über USB, mäßig eleganter „handgestrickter“ Ladeanschluss
• Leider nur USB micro-Anschluss wie bei Handys.
• Kein Multi-Slot für Sonys hauseigenen Memory Stick. Das Ende der Memory Stick-Ära.
• Kein HDMI
• Veraltete Transfer-Software für die Datenübertragung zwischen internem Speicher und Speicherkarte. Kein Drag & Drop!
• Das vorinstallierte PlayStation-Referenzgame Crash Bandicoot ist grafisch echt was für Nostalgiker …
• Kein echtes Textverarbeitungsprogramm oder Office-Paket vorinstalliert, nur Notizfunktion (Evernote) fix an Bord.
• Beim DLNA-Streaming konnte Sonys S eine Reihe wichtiger Filmformate wie AVCHD und HDV (Camcorder-Aufnahmen) oder AVI, DivX, WMV nicht abspielen.
• Sony beschreitet mit dem S designmäßig völlig neue Tablet-Pfade. Ob das asymetrische Keildesign und der Verzicht auf wertige Materialien wie Alu & Glas gegen den alles beherrschenden „iPad-Look“ reüssieren kann, ist noch offen.

Datenblatt

- Rainer Grünwald

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