Ana-Barbara Kunčič ist Chefin der 650 Mitarbeiter starken OMV-IT-Abteilung

Barbara Kunčič ist die neue IT -Strategin der OMV. Ihre Agenda: den Informationsaustausch im Konzern verbessern, die Flexibilität erhöhen und „Mehrwert“ für das Kerngeschäft generieren.

Seit 1. Jänner ist Ana-Barbara Kunčič Chief Information Officer (CIO) der OMV AG. Die Bestellung der 37-jährigen Finanzexpertin ohne IT-Vergangenheit war selbst für Kenner der heimischen IT-Szene eine Überraschung. Kunčič gilt als Talent aus dem konzerninternen Management-Programm, die in ihren bisherigen Positionen – zuletzt als Finanzchefin der OMV Deutschland – gute Figur gemacht hat.

Dass sie aus dem Business und nicht aus der IT-Ecke kommt, wird in Fachkreisen aufgrund der immer stärkeren geschäftsstrategischen Bedeutung der CIO-Rolle durchaus positiv gesehen. Laut Insidern war die Bestellung von Kunčič auch das Ergebnis eines Machtpokers im OMV-Vorstand. Der neue OMV-General Gerhard Roiss betreibt eine „Reorganisation“, die auf eine stärkere Machtbündelung in der Konzernzentrale hinausläuft. Auch die Verantwortlichkeiten zwischen Holding und der internen Serviceeinheit OMV Solutions GmbH, wo das 650-köpfige IT-Department angesiedelt ist, wurden neu geregelt.

Als Geschäftsführer der Konzerntochter fungieren OMV-Finanzvorstand David Davies und IT-Chef Johann Kandelsdorfer, der bisher in Personalunion auch die CIO-Rolle ausfüllte.

Die Trennung dieser Funktionen macht für Experten durchaus Sinn. Denn bisher kontrollierte Kandelsdorfer als Chef des „CIO Office“ seine Arbeit als IT-Chef de facto selbst. Machtpolitisch noch heikler war das Ansinnen von Roiss, das CIO Office aus der Solutions zu lösen und direkt unter der Generaldirektion anzusiedeln. Denn vorher fiel das Gremium in die Verantwortlichkeit des Finanzvorstands. Letztlich kam folgender Deal zustande: Davies stimmt dem Machtverlust zu, darf dafür aber für die CIO-Position einen Kandidaten aus der Finanzsphäre nominieren.

FORMAT: Frau Kunčič, wie wird man Chief Information Officer eines Mineralölkonzerns? Haben Sie einen Karrieretipp für alle, die es Ihnen gleichtun wollen?

Kunčič: Ich bin seit 1997 im Konzern und habe in Controlling, Investor Relations und zuletzt als CFO in Deutschland das OMV-Geschäft aus allen Blickwinkeln kennen und verstehen gelernt. Die Sprache des Business zu verstehen ist die beste Voraussetzung für einen CIO. Ich sehe mich als Bindeglied zwischen Business und IT, die kein Selbstzweck ist, sondern Wert im Konzern generieren muss.

FORMAT: Ihre Beziehung zur IT?

Kunčič: Ich habe zwar keinen IT-Background, aber einen Hang zur Technik hatte ich schon immer.

FORMAT: Wie kam es zu Ihrer Bestellung? Haben Sie sich in einer internen Ausschreibung beworben? Waren Sie jemandes Wunschkandidat?

Kunčič: Es sind natürlich mehrere Kandidaten zur Auswahl gestanden.

FORMAT: Haben Sie diese Position angestrebt – sich aktiv beworben?

Kunčič: Es sind mehrere Kandidaten evaluiert worden. Ich habe mich durchgesetzt, weil ich diesen starken Business-Background mitbringe. Die Position ist eine große neue Herausforderung, die ich auch gesucht habe.

FORMAT: Sie gehören jetzt zu den wenigen Frauen, die in der generell männerdominierten IT-Welt eine Führungsposition innehaben. Hatten Sie Bedenken in puncto Akzeptanz?

Kunčič: Nein, für mich macht das keinen Unterschied. Wenn man eine neue Position übernimmt, ist die Erwartungshaltung von allen Seiten groß. Die Mitarbeiter sind neugierig, wie es der oder die Neue angeht. Die Herausforderungen sind aber für Frauen und Männer dieselben. In der Mineralölwirtschaft ist der Frauenanteil traditionell sehr gering, das gilt auch für unsere 650 IT-Mitarbeiter in Wien und Bukarest. Das beginnt sich aber zu ändern. Im CIO Office ist der Frauenanteil mit einem Drittel schon relativ hoch.

FORMAT: Ihr Vorgänger Johann Kandelsdorfer hat das CIO Office als Stabsstelle für die strategische Steuerung der IT eingerichtet. Ändert sich daran etwas?

Kunčič: Wir haben im letzten Jahr begonnen, die Konzernfunktionen neu aufzusetzen, und im Zuge dessen auch das CIO Office neu positioniert und zusammengesetzt – mit einem starken Fokus auf strategische Steuerung und Integration der IT im Konzern. Das ganze Demand-Management, also die Verbindung zu den Geschäftsbereichen, haben wir im CIO Office zusammengefasst. Die Rolle des Geschäftsführers der IT-Serviceeinheit und die CIO-Rolle wurden getrennt, um für die Governance-Aufgaben eine unabhängige, neutrale CIO-Funktion zu etablieren. Wir berichten direkt an den Generaldirektor, während die Global Solutions im Finanzbereich angesiedelt ist.

FORMAT: Was verstehen Sie unter Governance-Aufgaben?

Kunčič: Die IT-Strategie muss sich an der Geschäftsstrategie orientieren. Die IT soll die Geschäftsprozesse unterstützen, und die Rolle des CIO Office ist es, zu definieren, mit welchen technischen Lösungen das am besten zu erreichen ist.

FORMAT: Welche sind denn derzeit Ihre größten IT-Projekte?

Kunčič: Wir haben rund 500 IT-Projekte am Laufen. Das größte hängt damit zusammen, dass die OMV zwei Gaskraftwerke in der Türkei und Rumänien errichtet. Der Stromhandel basiert sehr stark auf IT-Systemen. Dafür bauen wir gerade ein Trading-System auf. Stark im Vordergrund steht heuer auch die IT-Integration des Ende 2010 akquirierten türkischen Tankstellenbetreibers Petrol Ofisi.

FORMAT: Mit der Integration von Akquisitionen hat die OMV schon einige Erfahrung. Wie ist das bei der Petrom in Rumänien gelaufen, gab es Widerstände?

Kunčič: Als wir 2004 die Petrom übernommen haben, die mit 40.000 Mitarbeitern deutlich größer war als die OMV, ist die Buchhaltung dort teilweise noch in Büchern gemacht worden. Die SAP-Einführung war unser erster Integrationsschritt – das größte SAP-Projekt, das jemals in Südosteuropa stattgefunden hat. Letztendlich haben es die Mitarbeiter goutiert, dass sie moderne Tools in die Hand bekommen. Bei der Petrol Ofisi wird die Integration wesentlich leichter, weil die schon jetzt sehr schlank aufgestellt ist und eine effiziente IT-Landschaft hat.

FORMAT: Sie sind slowenischstämmige Kärntnerin. Ist das hilfreich im Hinblick auf das starke CEE-Geschäft der OMV?

Kunčič: Ja, natürlich. Meine Muttersprache ist Slowenisch, und ich spreche mehrere slawische Sprachen, unter anderem Russisch. Die OMV ist in 13 CEE-Ländern tätig, das ist unser Kernmarkt, in dem ich auch sehr viel unterwegs bin. Als CIO muss man dort sein, wo das Business stattfindet, und man hat einfach einen besseren Zugang zu den Menschen, wenn man deren Sprache spricht.

FORMAT: Outsourcing war traditionell ein Tabuthema bei der OMV. Wie stehen Sie zum Auslagern der IT?

Kunčič: Ein Großteil unserer IT befindet sich in Bukarest, wo wir gut ausgebildetes Personal vorfinden. Das heißt, wir haben die Kostenpotenziale von Outsourcing bereits mit einem konzerninternen Nearshoring-Konzept realisiert. Grundsätzlich wollen wir alle IT-Felder, mit denen wir Mehrwert schaffen und Wettbewerbsvorteile erzielen können, im Haus behalten. Im Bereich der Commodities (Anm.: Allerweltsservices) lagern wir klarerweise auch aus.

FORMAT: Welche Prozesse sind das, wo man mit IT den entscheidenden Wettbewerbsvorteil erzielen kann?

Kunčič: Wir erarbeiten zum Beispiel eine Lösung, die sich Digital Oilfield nennt und den Lebenszyklus eines Öl- oder Gasfeldes von der Erkundung bis zur Schließung in Echtzeit in den technischen und kaufmännischen IT-Systemen abbildet. Das sind langfristige Projekte, die aber letztendlich viel Wert in der gesamten Wertschöpfungskette generieren.

FORMAT: Welche Schwerpunkte werden Sie sonst noch setzen?

Kunčič: Das Thema Zusammenarbeit hat für mich hohe Priorität. Wir sind ein internationaler Konzern mit vielen Standorten. Nur wenn man alle Informationen und das Wissen unserer Mitarbeiter zusammenführt, kann man die vorhandenen Potenziale ausschöpfen. Auch Nachhaltigkeit ist ein Thema. Wir haben im Mai eine Initiative zur Reduktion des Energieverbrauchs in den Rechenzentren und bei Desktops gestartet, setzen auch stark auf Videokonferenzen, um Geschäftsreisen zu minimieren.

FORMAT: Haben Sie ein strategisches Mantra für Ihre Amtszeit?

Kunčič: Ich will die Gestaltungskraft von Technologie für den Konzern nutzen. IT soll als echter Wertbeitrag wahrgenommen werden. Ich habe das Programm IT Full Potential initiiert, das bis 2014 ein Maßnahmenbündel zur Steigerung von Flexibilität und Effizienz in der IT formuliert – dazu gehören die strategische Zusammenführung von Applikationen, die Verschlankung des internen Verrechnungsprozesses und die Etablierung eines effizienten Projektmanagements.

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