Abzocke bei Gratis-Apps:

Alter Schmäh, neue Plattform: Die Klingelton-Mafia keilt ihre Kunden jetzt über beliebte Gratis-Apps auf den Smartphones. Geprellte Kunden wehren sich leider viel zu selten.

Ihre Verlegenheit kann Annemarie V. kaum verbergen. Die 58-jährige Wienerin las auf ihrem Handydisplay, dass man seine Liebsten über den „mobilen Spion“ jederzeit und überall orten könne. „Ich wollte wissen, ob das wirklich funktioniert“, gesteht sie. Funktioniert hat es nicht, dafür hat sich Annemarie V. mit ihrer Zustimmungs-SMS ein Mehrwertdienste-Abo „eingefangen“, das sich allein in der ersten Woche mit 75 Euro auf ihrer Handyrechnung zu Buche schlug.

Tausende Geschädigte

So wie Annemarie V. geht es Tausenden Österreichern, vor allem Teenagern. Es gibt sie leider noch immer, die halbseidenen Haustürgeschäfte des Mobilfunks. Die Klingelton-Keilereien der Firma Jamba (heute Fox Mobile) muten dagegen richtig altmodisch an. Die Abzocker der Stunde legen ihre Netze jetzt über die AppStores von Google und Apple aus und haben ihre Nase dabei ständig im Wind.

Achtung Werbebanner

Es ist WM in Südafrika, und die Vuvuzela-Lärmprogramme gehören zu den Top-Downloads. Wer sich die als Gratis-App auf das Smartphone holt, bekommt oft Werbebanner mitgeschickt, die für das ungeschulte Auge so aussehen, als wären sie integraler Bestandteil der App. Sie ­locken mit Gratisspielen und erwähnten Spion-Diensten. Ein Vertipper reicht, um drin zu sein, und wer aus Neugier eine Bestätigungs-SMS absetzt, „hat das Abo auch schon am Hals“, machen sich geschädigte Nutzer in Internetforen Luft.
In Österreich derzeit offensichtlich besonders aktiv ist die deutsche Firma Bobmobile. Sie führt auf ihrer Website gar einen Datenschutzbeauftragten und auch eine Pressesprecherin. Die Sprecherin weigert sich am Telefon, die Fragen von FORMAT zu beantworten, auf die Mailanfragen antwortet sie dann auch nicht.

Kategorie 'Mehrwert-SMS'

Für die Regulierungsbehörde fällt diese App-Zocke unter den Titel Mehrwert-SMS bzw. -Dienste. Regulator Georg ­Serentschy: „Die diesbezüglichen Beschwerden gingen im Jahresverlauf zwar leicht zurück. Ein Grund mag sein, dass es sich zumeist um kleinere Beträge handelt und die Mühe eines Rechnungseinspruchs dafür oft gescheut wird.“
Aber: „Schon jeder zehnte Anruf bei unserer Hotline betrifft dieses Thema. Wir beobachten die Entwicklungen genau und werden die rechtlichen Vorgaben gegebenenfalls verschärfen“, sagt er.

Bedauerlich, dass sich so viele Kunden ausnehmen lassen, rein juristisch haben sie nicht ­einmal so schlechte Karten. „Der Kläger muss beweisen, dass es den Vertrag gibt“, sagt Alexander Koukal von der Kanzlei Höhne, In der Maur & Partner. Kläger wäre in diesem Falle Bobmobile, die ihren Umsatz einklagen müsste. Bei einem FORMAT-Check mit dem Produkt „SMS-Spion“ stellte sich zudem heraus, dass schon in der Antwort-SMS von Bobmo­bile von diesem Produkt keine Rede mehr war. „Eine Anfechtung wegen Irreführung oder Täuschung wäre hier durchaus denkbar“, sagt Koukal.

Heißes Thema Werbung am Handy

Die Mobilfunker fühlen sich hier nicht verpflichtet. Sie sehen sich eher in der Rolle einer Asfinag, die sich ja auch nicht für die Fracht der Lkws verantwortlich fühlen muss. Die Mehrwert-Abzocke beginnt zwar bei den AppStores von Google und Apple – auf die die Mobilfunker tatsächlich keinen Zugriff haben –, abgerechnet wird aber über die Handy­rechnung, wobei die Netzbetreiber 25 bis 35 Prozent des Betrags kassieren.
Welche Anbieter Google bzw. Apple in seine mobilen Werbenetzwerke hineinlässt, entscheiden allein diese beiden Konzerne.

Werbesystem made by Apple

Apple ist gerade im Begriff, sein hauseigenes mobiles Werbesystem iAd aufzubauen. Google hat 2009 den Dienstleister AdMob um 750 Millionen Dollar zugekauft, und der bereitet Kampagnen für alle Handyplattformen auf. Schon laufen Gerüchte, dass Apple andere Werber aussperrt, wenn das eigene System fertig ist. Das Konzept der mobilen Werbedienstleister ist mit dem klassischer Online-Werber vergleichbar.

Wo viel Traffic passiert und viele Besucher vorbeisurfen – also bei den beliebtesten Apps –, wird die Werbung platziert. Der Entwickler der App hat keinen Einfluss darauf, welche Werbung bei ihm zu sehen ist. Anders als bei den nach Aufmerksamkeit förmlich schreienden Onlinekampagnen am PC sind die Werbebanner am kleinen Handydisplay so an die App angepasst, dass sie von ihr praktisch nicht zu unterscheiden sind und der Hinweis „Werbung“ entweder winzig ist oder komplett fehlt.

Schwarze Schafe schädigen Branche

Andy Stoll, Geschäftsführer des österreichischen App-Entwicklers Mobilizy, findet das bedauerlich. „Für uns als seriösen App-Entwickler sind solche Abzocker-Abos natürlich unangenehm.“ Die österreichische Firma hat Bestseller-Apps wie den Reiseführer Wikitude gebaut. Übrigens: Den SMS-Spion von Annemarie V. gibt es so nicht. „Wir nehmen den Datenschutz sehr ernst. Wir ermitteln ­keine Positionsdaten unserer Kunden bzw. geben sie schon gar nicht an Dritte weiter“, sagt Alma Mautner von A1. Idente Stellungnahmen kommen von den anderen Netzbetreibern. „Viele dieser Apps/Dienste sind an der Grenze zwischen Scherz und Betrug“, sagt Axel Anderl von der Kanzlei Dorda Brugger Jordis. Für viele Kunden ein teurer Scherz.

Barbara Mayerl

Was tun gegen die „Abzocke“?

Telefonrechnung beim Netzbetreiber beeinspruchen (Frist beachten!), bei bereits erfolgter Abbuchung Gutschrift verlangen. Mehrwertdienste sperren lassen (ist 1x pro Jahr kostenlos). Die Schlichtungsstelle der RTR (rtr.at) berät kostenlos am Telefon: 0800 300 300

Das Gros der Kunden bucht seinen Sommerurlaub in den Monaten Jänner bis März. Der Rest bucht in letzter Minute.
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