Wirtschaftsprüfer und Steuerberater:
Harte Prüfungen, hübsche Verdienste

Der lange Weg zum Wirtschaftsprüfer und Steuerberater ist steinig, macht sich aber bezahlt. Experten für Finanzen und Bilanzen sind heiß begehrt.

„Die Arbeit bei einer internatio­nalen Accounting-Firma war nach Studienabschluss meine erste Wahl“, erzählt Thomas Strobach, Partner im Bereich Financial Services bei Pricewaterhouse­Coopers in Wien (im Bild) . Ausschlaggebend für seine Bewerbung waren die verschiedenen Aufgaben und internationalen Herausforderungen, die das Unternehmen bietet, das neben Deloitte, Ernst & Young und KPMG zu den Big Four in Österreich zählt. Neben der Kerntätigkeit der Kontrolle der ordnungsgemäßen Buchführung anhand der gesetzlichen Vorschriften sind Prüfer mit vielfältigen Aufgaben konfrontiert: mit dem Prüfen rechtlicher Rahmenbedingungen bei Fusionen, dem Begleiten von Aktiengesellschaften bei Börsengängen und Umgründungen oder der Expertise bei arbeitsrechtlichen Belangen.

Tiefe und Breite als Muss
Für den Einzelnen ist laut Strobach eine „T-Shape-Edu­cation“ das Um und Auf: „Wichtig ist es, in seinem Fachbereich hoch spezialisiert zu sein und trotzdem über den Tellerrand zu blicken, denn vernetztes Denken ist für die Arbeit unbedingt erforderlich.“ Der traditionelle Weg, Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer zu werden, beginnt meistens mit einem Wirtschaftsstudium, wobei auch viele Juristen in die Treuhandbranche drängen. In Strobachs Team sind Absolventen der Betriebswirtschaft, aber auch Juristen. Präferenzen für die eine oder andere Studienrichtung habe er keine, nur über ausreichend „Softskills und EQ“ (Emotionale Intelligenz) müssten die Mitarbeiter verfügen und die­se auch laufend trainieren.

Weiterbildungsangebot wächst ständig
Das interne PwC-Leitmotto „Put yourself in your client’s shoes“ sei für ihn kein leerer Slogan, sondern grundlegender Teil seines Berufsverständnisses, meint Strobach. Mitarbeiter, die die Steuerberaterprüfung in Angriff nehmen wollen, unterstütze er nach besten Kräften. Diese Ausbildung gilt neben der Wirtschaftsprüfer- und Anwaltsprüfung als eine der anspruchsvollsten in Österreich. Nach drei Jahren einschlägiger Berufspraxis kann diese an der Akademie für Wirtschaftstreuhänder begonnen werden. Sie deckt Abgabenrecht, Rechnungslegung, betriebswirtschaftliche und steuerliche Aspekte ab. Das Weiterbildungsangebot steigt in Anbetracht der häufigen Steuerrechts­novellen und internationaler Bestimmungen generell ständig zu. Bildungsanbieter wie die Akademie für Recht, Steuern und Wirtschaft (ARS) verzeichnen derzeit eine große Nachfrage im Bereich Umsatzsteuer und Insolvenzrechtsnovelle. „Großes Interesse wecken Seminare zu den Themen Jahresabschluss, ‚Der geschädigte Anleger‘ oder Stiftungsrichtlinien“, erläutert Kerstin Blauensteiner, ARS-Expertin.

Positiver Beschäftigungstrend
„Der Berufsstand wächst um zirka vier Prozent im Jahr“, sagt Klaus Hübner, Präsident der Kammer der Wirtschaftstreuhänder in Wien. Negative Auswirkungen aufgrund der heurigen Berichterstattung über „schwarze Schafe in der Branche“ könne er keine erkennen, das Berufsbild sei angesehen wie eh und je. Der positive Trend werde sich fortsetzen, obwohl die Anforderungen an die Mitarbeiter immer größer werden. Diese seien enorm, und der Arbeitseinsatz gehe besonders in der Prüfungssaison weit über eine 40-Stunden-Woche hinaus. „Skifahrer sollte man nicht unbedingt sein, sofern man wirklich reüssieren will“, so Hübner. Dafür klingelt es im Börsel. Frischgebackene Uni-Absolventen verdienen bei den Big Four im Schnitt 2.250 Euro monatlich. „Nach fünf Jahren Berufserfahrung sollte man als Berufsanwärter mindestens € 46.000,-- verdienen, mit abgelegten Fachprüfungen beträgt die Obergrenze (nach fünf Jahren Berufserfahrung insgesamt) € 70.000,--“, sagt Matthias Schulmeister, Personalberatungsexperte im Finanz- und Rechnungswesen. Zu den Verdienstmöglichkeiten für Partner und Senior Partner bei den Big-Four-Unternehmen in Österreich hält sich Schulmeister bedeckt: „Da geht die Schere sehr weit auseinander.“

Von Dina Elmani

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