Wilde Weisheiten: Was Manager von Löwen lernen können

Ian Thomas, Löwenforscher aus Südafrika, erklärt im FORMAT-Interview die erstaunlichen Parallelen zwischen den Anforderungen in den Rudeln der Großkatzen und im modernen Management.

Ich wünschte, mein Team würde so funktionieren wie dieses Rudel“, sagte ein Geschäftsmann und Wildpark-Besucher zu Ranger Ian Thomas, als er beobachtete, wie eine Gruppe von Löwen ein Zebra erlegte. Das brachte Thomas, der ursprünglich Wirtschaft studiert hatte, auf die Idee, dass die Geschäftswelt von Löwenrudeln einiges lernen könnte. In seinem Buch „The Power of the Pride“ (Die Macht des Rudels, ISBN-10: 0620170255) beschreibt er die wesentlichen Prinzipien.

Thomas, mittlerweile gefragter Keynote-Speaker, wird am 14. September in der Wiener Albertina beim Czipin-Produktivitäts-Forum über „Löwen und ihr Jagdverhalten – Parallelitäten im Management“ referieren. Im FORMAT-Interview erklärt er, was Manager von Löwen wirklich lernen können.

FORMAT: Ihr Buch ist zwei Fährtensuchern und dem Löwen „Big Black“ gewidmet. Womit hat er sich das verdient?

Thomas: Er kontrollierte das Territorium, in dem meine Geschichte spielt. Die beiden Fährtensucher und ich haben seine Spur immer und immer wieder verfolgt. Big Black war überaus aggressiv und insgesamt eine wichtige Figur – auch in meinem Leben und dabei, dass ich mein Buch zu Ende bringe.

FORMAT: Sie studieren Löwen seit über 30 Jahren …

Thomas: Inzwischen sind es fast schon 40 Jahre.

FORMAT: Was hat Sie dabei am meisten überrascht?

Thomas: Dass sie diese unglaubliche Fähigkeit der Zusammenarbeit besitzen. Das ist insbesondere interessant, weil die meisten Katzen alleine jagen. Löwen haben sich bestimmte Tiere als Beute ausgesucht und sind so gezwungen, in Teams zu jagen. Und sie haben es geschafft, über lange Zeiträume hinweg sehr, sehr schlagkräftig zu bleiben. Ich glaube, das ist etwas Besonderes. Menschen tun sich immerhin ziemlich schwer damit, gute Teams aufzustellen.

FORMAT: Manager sollen von der Kommunikation im Rudel lernen. Was ist an der so besonders?

Thomas: Zunächst einmal ist es schwierig zu kommunizieren, wenn das Ziel nicht klar ist. Löwen haben sehr klare Ziele. Sie wissen, was sie jagen, wie die Beute versuchen wird zu fliehen und was sie dem entgegensetzen. Sie sind mit den Fähigkeiten innerhalb des Teams bestens vertraut, wissen instinktiv, wo ihre Position ist. Ebenso kennen sie das Gebiet, in dem sie jagen. Somit ist ein Großteil der Kommunikation gewissermaßen schon im Löwen drinnen. Weil es während der Jagd für Löwen schwierig ist, sich zu verständigen, beobachten sie sich gegenseitig genau. Falls die Verständigung nicht hinhaut, bleibt der Magen leer. Kommunikation innerhalb des Rudels basiert also zur Gänze auf Leistungsanreizen.

FORMAT: Wie geht ein Rudel mit Fehlern um, wenn etwa ein Löwe einen schlechten Tag hat und etwas schiefläuft?

Thomas: Wenn ein Löwe, sagen wir ein guter Jäger, Mist baut, dem Rudel dadurch die Beute entkommt und es hungrig bleibt, dann stehen typischerweise Veränderungen an. Andernfalls verhungern und sterben Löwen ziemlich schnell. Sie ändern entweder ihr Verhalten, oder schwächere Mitglieder des Rudels sterben. Das ist eine brutale, aber auch unmittelbare Realität.

FORMAT: Sie konstatieren bei Löwen auch Change Management.

Thomas: Nehmen wir die Büffeljagd. Manchmal ziehen Büffel weiter, weil es anderswo besseres Gras gibt. Das bedeutet für das Löwenrudel entweder, dass es mit den Büffeln mitzieht. Dabei muss es sein Territorium verlassen, was Kämpfe mit anderen Rudeln zur Folge haben kann. Oder die Löwen bleiben, dezimieren oder splitten das Rudel auf. Löwen machen tatsächlich alle drei Dinge. Wenn sie mitziehen können, tun sie es. Wenn nicht, dann teilen sie ihr Rudel und jagen kleinere Tiere. Falls das auch nicht funktioniert, verkleinern sie das Rudel. Das Wichtigste dabei: Sie verändern sich innerhalb von Tagen. Bei den meisten Unternehmen dauert es ein Quartal, bis sie überhaupt merken, dass etwas schiefläuft. Zu Veränderungen kommt es oft erst nach ein oder zwei Jahren. Löwen hingegen müssen fressen, um zu überleben.

FORMAT: Sie schreiben, dass Löwenrudel in flachen Hierarchien strukturiert sind. Das bedeutet aber nicht, dass die Beute gleichmäßig verteilt wird.

Thomas: Nein, nicht jeder bekommt gleich viel. Der Löwe, der das Zebra erlegt, hat beim Fressen eine gute Ausgangsposition, ebenso die Löwin, die ihm dabei geholfen hat. Je später Löwen zur Beute kommen, desto weniger bleibt ihnen klarerweise. Wer stets als Letzter zu fressen beginnt, wird bald ein Problem haben.

FORMAT: Trittbrettfahrer machen es im Team also nicht lange?

Thomas: Genau. Löwen müssen in die Jagd involviert sein, um Futter zu bekommen. Das bedeutet, die Beute in Richtung des Rudels zu treiben oder sie zu erlegen.

FORMAT: Selektion beginnt schon bei Löwenjungen, nur die starken überleben. Gibt es im Geschäftsleben auch keinen Platz für schwächere Teammitglieder?

Thomas: Ich sage in meinen Präsentationen immer, dass es nicht darum geht, das System eins zu eins zu kopieren. Vielmehr sollen die Leute einzelne Prinzipien anwenden. Und das Prinzip, das sich aus der frühen Selektion der Löwenjungen ergibt, ist: Wenn Sie ein Unternehmen führen, müssen Sie Ihre Leute so aussuchen, dass diese im höchsten Maß geeignet sind, Ihr Ziel zu erreichen. Ich sage nicht, dass es keinen Platz für Leute gibt, die in bestimmten Bereichen schwächer sind. Aber sie passen vielleicht in ein Team mit anderen Zielsetzungen.

FORMAT: Löwen sind Meister des Hinterhalts. Was lernen Manager davon?

Thomas: Der wahre Grund für den Hinterhalt ist, dass sich Löwen entschlossen haben, große, in Herden organisierte Tiere zu jagen: Zebras, Büffel und Gnus. Wenn eine Herde in der offenen Steppe grast, können Löwen nicht einfach auf sie zugehen – da gibt es zu viele wachsame Augen in der Herde und keine Deckung. Also muss der Hinterhalt her. Das Prinzip, das sich daraus ablesen lässt: Unternehmen müssen ihre Geschäftsjagd präzise planen.

FORMAT: Sie schreiben auch über einen nomadischen Löwen, der alleine jagt und auch schon einmal eine Giraffe erlegt. Auch ein Geschäftsmodell?

Thomas: Löwen machen das nur für eine bestimmte Zeit, wenn sie etwa ihr Rudel vertrieben hat. Sobald sie stark genug sind, versuchen sie, ein Gebiet zu beanspruchen. Das bedeutet, dass Teams von Zeit zu Zeit frisches Blut und neue Ideen brauchen. Wenn Nomaden zu neuen Rudelführern werden, bringen sie diese Kraft mit.

FORMAT: Ihr Buch stammt aus dem Jahr 1992. Inzwischen sind wohl mehrere Hundert Managementbücher erschienen. Ist Ihre Botschaft noch interessant und neu?

Thomas: Ja. Viele Unternehmen fragen wegen meiner Präsentation an. Ich persönlich glaube, dass sich nicht viel verändert hat, abgesehen von der Technologie. Die Leute wissen immer noch nicht, wie sie schlagkräftige Teams zusammenstellen. Es gibt heute genauso wenig gute Teams wie vor 20 Jahren. Und Teams sind für Erfolg nun einmal unerlässlich. Das haben Unternehmen zumindest erkannt.

Interview: Alexandra Riegler

Sparen ist out, Geld ausgeben ist angesagt. Wer schlau ist, investiert auch in die eigene Karriere.
 

Karriere

Investieren statt sparen: 5 Tipps, die persönliche Rendite bringen

Die Angebote für Mietbüros, die alle Stückeln spielen, werden immer größer. Eine FORMAT-Übersicht: Was sie können, was sie kosten, wo sie zu finden sind.
 

Erfolg

"Co-Worken" ist in – Eine Übersicht über die besten Mietbüros

 

Erfolg

Co-Working-Spaces – alle Details