Wie Manager und Dirigenten ihre Teams zu Höchstleistungen führen

Am Rande der Salzburger Festspiele lud Nestlé führende Köpfe aus Wirtschaft, Kultur und Politik zum internationalen interdisziplinären Gedankenaustausch über „Leadership & Creativity“.

Wenn kunstsinnige Manager und Politiker im sommerlichen Salzburg und auf Einladung des Festspiel-Großsponsors Nestlé mit Künstlern und Kulturmanagern über Leadership und Kreativität sprechen, dann liegt es mehr als nahe, dass sich eine Analogie durch die gesamte Veranstaltung zieht: die Gemeinsamkeiten in der Arbeit von Topmanagern und Dirigenten. Zwei herausragende Vertreter ihrer jeweiligen Zunft, Yannick Nézet-Séguin, aufstrebender Jungstar an den Dirigentenpulten zwischen Montreal und London, Philadelphia und Salzburg, und Peter Brabeck-Letmathe, der aus Kärnten stammende langjährige Nestlé-Konzernlenker, stimmten dabei in einem Punkt völlig überein: Auf sich allein gestellt, könnten sie in Ausübung ihrer Profession überhaupt nichts bewirken.

Führungskunst ist somit in beiden Berufen gefragt, denn bei so sensiblen Gebilden wie Klangkörpern und globalen Konzernen auf hierarchische Überordnung zu pochen brächte allenfalls Ruhe durch Angst hervor, aber kaum musikalische Qualitäten oder Marktanteilsgewinne. Um Musiker oder Manager zu einem gemeinsam angestrebten Ziel zu führen, braucht es also Leadership.

Lernen vom Orchester

Wie wichtig Brabeck-Letmathe die Vermittlung dieser Erkenntnis an seine Führungsriege ist, zeigte sich, unmittelbar nachdem er 1997 zum CEO des Nahrungsmittelmultis bestellt worden war: Da marschierte ein Symphonieorchester in der Firmenzentrale im schweizerischen Vevey auf – und Brabeck-Letmathe setzte seine Managerkollegen direkt neben die Stimmführer der einzelnen Instrumentengruppen. Die sind so etwas wie die Abteilungsleiter des Orchesters, die während eines Konzertes durch Blickkontakt untereinander das Spiel der Instrumentengruppen aufeinander abstimmen sowie Anweisungen des Dirigenten an die gesamte Gruppe umsetzen. Gebannt beobachteten die Manager diese Interaktionen und hörten, wie unterschiedlich musikalische Erlebnisse je nach den Interventionen des Dirigenten ausfielen.

„Mich hat immer fasziniert, wie ein Dirigent Einzelereignisse in Einklang bringt. Und ich habe mich gefragt, wie es mir als CEO gelingen kann, auch den Ereignissen in der Firma einen Klang zu geben“, erinnert sich Brabeck-Letmathe, der – das erstaunt jetzt wohl nicht mehr – in jungen Jahren selbst eine Dirigentenlaufbahn in Erwägung gezogen hatte.

Seine Karriere führte letztlich in eine andere Richtung, und so sorgte er für den strategischen Umbau des Lebensmittelherstellers in Richtung Nutrition-, Health- und Wellness-Anbieter. „Das war ein neuer, kreativer Ansatz, mit dem wir höhere Margen erzielen und neue Werte schaffen“, sagt der Konzernchef heute.

Leadership auf allen Ebenen

„Die Kombination aus laufender Erneuerung und perfekter Ausführung des Tagesgeschäfts ist die Kunst der Unternehmensführung. Dazu benötigt man Manager und Leader – und zwar auf allen Ebenen“, erklärt Brabeck-Letmathe. Die Unterscheidung zwischen Leadern – inspirierendmotivierend-visionären Vordenkern – und Managern – effizienten, aber biederen Organisatoren und Kontrolloren von Abläufen – ist ein Klassiker der modernen Management-Literatur. Management sorgt für funktionierendes business as usual. Um in Zeiten von Umbrüchen zu bestehen oder aber um zu gemeinsamen kreativen Höchstleistungen zu gelangen, ist jedoch Leadership unabdingbar.

So sehr Wirtschaft und Kultur bei der Dirigenten-Metapher übereinstimmen, im Hinblick auf den Faktor Charisma sind feine Unterschiede nicht zu überhören. So warnt Walter B. Kielholz, Chef des Rückversicherers Swiss Re, Manager davor, mediale Überhöhungen ihrer Person zu ernst zu nehmen: „Wenn man morgens vor dem Spiegel steht und von sich selbst beeindruckt ist, wird’s gefährlich.“

Charisma und Führungsqualität

Für Markus Hinterhäuser, Konzertchef der Salzburger Festspiele, ist Charisma dagegen Kennzeichen der großen Dirigenten. Harvard-Professor John Kotter, der den Leadership-Begriff prägte, konnte einer auf Charisma oder speziellen Charaktereigenschaften beruhenden Theorie wiederum nichts abgewinnen. Die Entwicklung einer Vision war für ihn Ergebnis nüchterner Strategiearbeit.

Hatte Brabeck-Letmathe einst Musiker in die Firmenzentrale geholt, um Managern seine Auffassung von Leadership zu demonstrieren, erlebte er dieses Jahr, wie ein junger Dirigent – David Afkham, Preisträger des von Nestlé gestifteten Young Conductors Award – auf der Bühne der Felsenreitschule ein Musterbeispiel dafür lieferte: Noch bevor Franz Welser-Möst und Brabeck-Letmathe nach dem Konzert mit dem Gustav Mahler Jugendorchester Afkham den Preis überreichen konnten, machte der sich auf den Weg zu seinen „Abteilungsleitern“ und Leistungsträgern – und bedankte sich bei ihnen für den gemeinsam errungenen Erfolg.

– Michael Schmid

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