Wer sein Unternehmen als GmbH führt, sollte diese Entscheidung neu überdenken

Weil Einzelunternehmen steuerlich attraktiver wurden, könnten vor allem Inhaber kleinerer GmbHs von einem Rechtsformwechsel profitieren. Auch Gründer haben als Einzelkämpfer mehr Vorteile.

Als Rechtsform scheint die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) auf den ersten Blick ziemlich attraktiv: Gewinne sind unabhängig von ihrer Höhe mit 25 Prozent Körperschaftssteuer (KöSt) zu versteuern, und für die Schulden der Gesellschaft haftet nur das Firmenvermögen, nicht aber jenes ihrer Anteilseigner. Einzelunternehmer und Gesellschafter von Personengesellschaften zahlen dagegen den normalen Einkommenssteuertarif und haften auch mit ihrem Privatvermögen in unbegrenzter Höhe für Verbindlichkeiten des Unternehmens.

Das ist allerdings eine höchst oberflächliche Betrachtung. „Bei Krediten verlangen Banken von GmbH-Gesellschaftern zusätzlich eine persönliche Haftung“, weiß die Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin Margit Widinski, Partnerin bei der BDO Austria. Und auch der vermeintliche Steuervorteil verkehrt sich leicht ins Gegenteil, wenn die Gewinne nicht in der Gesellschaft belassen, sondern ausgeschüttet werden. Und das ist – weil man das Geld schließlich braucht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten – bei kleinen Einmann- und Einfrau-GmbHs wohl meist der Fall. Dann muss der Empfänger des im Unternehmen bereits mit 25 Prozent KöSt versteuerten Gewinns vom verbleibenden Betrag nochmals 25 Prozent Kapitalertragssteuer (KESt) berappen. Der Effekt: Vom Gewinn, den eine GmbH ausschüttet, holt sich der Fiskus insgesamt 43,75 Prozent, ehe das Geld am Konto des Gesellschafters landet. Es handelt sich de facto um eine Flat Tax, die unabhängig von der Höhe der Ausschüttung anfällt.

Gewinnfreibetrag winkt

Einzelunternehmer, die ihre Gewinne – ob sie diese im Unternehmen belassen oder privat entnehmen – auf jeden Fall gemäß Einkommenssteuertarif zu versteuern haben, genießen seit heuer ein Zuckerl, das diese Rechtsform im Vergleich zur GmbH deutlich attraktiver macht: einen Gewinnfreibetrag von 13 Prozent.

Bei 30.000 Euro Jahresgewinn verbleiben dem Unternehmer etwa als Einzelunternehmer 24.415 Euro verfügbares Einkommen. Als GmbH-Gesellschafter wären es nach Ausschüttung lediglich 16.875 Euro. Obwohl die Unterschiede durch die Einkommenssteuerprogression verflachen, bleibt der Einzelkämpfer gegenüber dem GmbH-Gesellschafter bis 100.000 Euro Jahresgewinn jedenfalls im Vorteil. „Wer sein Unternehmen als GmbH führt, sollte daher jetzt überlegen, ob das noch die richtige Rechtsform ist“, ruft Expertin Widinski Unternehmer zum Überdenken ihrer Rechtsformwahl auf.

Rasch entschlossene GmbH-Eigner können sich den Vorteil durch schnelles Handeln sogar noch für das bereits laufende Geschäftsjahr sichern. „Das Umgründungssteuerrecht lässt Umgründungen bis zu neun Monate rückwirkend zu“, so Widinski. Wer bis zum 30. 9. auf ein Einzelunternehmen umsteigt, kann den Gewinnfreibetrag daher schon 2010 lukrieren.

Aus für „Professoren-GmbHs“

Besonders geboten ist aus Widinskis Sicht eine Umgründung, wenn gut verdienende Personen nebenberufliche Einkünfte etwa aus Vorträgen oder Beratungen über eine GmbH laufen und dort – vorläufig günstig versteuert – liegen lassen: „Solche auch als ‚Professoren-GmbHs‘ bekannten Konstruktionen akzeptiert die Finanzverwaltung nicht mehr.“ Diese „höchstpersönlichen Leistungen“ sind laut den neuen Einkommenssteuerrichtlinien nicht mehr in der GmbH, sondern beim Gesellschafter zu versteuern. Widinski: „Mit einer Umgründung ist das elegant zu lösen, und die Finanzverwaltung lässt dabei auch die Vergangenheit ruhen.“ Damit zahlen Gutverdiener für Nebeneinkünfte zwar den durch das Haupteinkommen gegebenen Grenzsteuersatz. Dafür steht ihnen das Geld sofort zur Verfügung – und sie tragen auch nicht das Risiko einer eventuellen künftigen Erhöhung der KESt, was die Entnahme aus der GmbH verteuern würde.

Steuerschonende Optionen bei hohen Gewinnen eröffnet der Gewinnfreibetrag schließlich auch Einzelunternehmen: Der kann durch Investitionen nämlich auf bis zu 100.000 Euro erhöht werden. Als „Investition“ gilt dabei auch der Kauf von Wertpapieren, wenn diese vier Jahre gehalten werden. Somit ist die GmbH nur attraktiv, wenn hohe Gewinne im Unternehmen verbleiben sollen. Der typische Gründer erspart sich als Einzelunternehmer hingegen nicht nur die doppelte Buchhaltung (Gewinnfreibetrag gibt es auch für Einnahmen-Ausgaben-Rechner), sondern auch die selbst bei Anlaufverlusten zu zahlende Mindest-KöSt von 1.750 Euro.

– Michael Schmid

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