Vöslauer-Controllingchef Thomas Lenz über das neue Rollenbild für Top-Controller

Das moderne Berufsbild des Controllers bringt neue Aufgaben und steigende Anforderungen. FORMAT zeigt am Beispiel von Vöslauer-Controllingleiter Thomas Lenz, was das in der Praxis bedeutet.

Controller zählen für Rita Niedermayr-Kruse, Geschäftsführerin des Österreichischen Controller-Instituts (ÖCI), zu den Krisengewinnern: „Finanzchefs und Controller haben in der Zeit der Krise und auch danach eine verstärkte Taktgeber-Rolle übernommen.“ Dass sich die vormals als Erbsenzähler verrufenen Finanzfachleute innerhalb der Unternehmen zunehmender Bedeutung und Anerkennung erfreuen, ist freilich nur eine Seite der Medaille. Zugleich steigen auch die Anforderungen an ihre fachlichen und – sogar noch stärker – an ihre persönlichen und sozialen Kompetenzen.

Es ist vor allem die Rolle als Sparrings- und Businesspartner des Top-Managements, die speziell die Führungskräfte im Controlling vor enorme Herausforderungen stellt. „Controlling ist keine geeignete Aufgabe für konfliktscheue Menschen“, stellt Thomas Lenz, Leiter des Controllings bei Vöslauer, unmissverständlich fest. „Controller müssen Veränderungen, und damit Konflikte, nicht nur aushalten, sondern auch herbeiführen. Im strategischen Controlling letztlich auch mit dem eigenen Vorstand“, erklärt der seit 2003 für den heimischen Mineralwasser-Marktführer (271 Millionen Liter Absatz, Umsatz 2009: 84,2 Millionen Euro) tätige praxiserfahrene Experte. Dass diese Konflikte dabei immer strikt auf der fachlichen Ebene auszutragen sind, versteht sich für ihn von selbst.

Neues Rollenbild für Top-Controller

Diese hohen Ansprüche, die Top-Positionen im Controlling mit sich bringen, sind wohl mit ein Grund für die Ergebnisse, die eine aktuelle Erhebung von ÖCI und Schulmeister Management Consulting brachte: Finanzchefs sehen demnach zwar wenig Probleme, qualifizierte Berufseinsteiger für den Controllingbereich zu gewinnen, die Suche nach Führungskräften empfinden sie jedoch aus ihrer Sicht als äußerst schwierig.

Thomas Lenz steht jedenfalls für ein modernes Rollenbild, das Controller zunehmend zu Change Agents macht. Qualität, Objektivität und Neutralität sind für ihn Leitwerte seiner Arbeit. „In unserer Abteilung habe ich für jeden Report das Vier-Augen-Prinzip eingeführt. Das gilt selbstverständlich auch für Berichte, die ich selbst verfasse“, betont Lenz. Absolute Unparteilichkeit ist wiederum die Voraussetzung dafür, im ureigenen Verantwortungsbereich von allen anderen Abteilungen des Unternehmens akzeptiert zu werden: „Ob mir persönlich eine Geschmacksrichtung oder ein Etikett gefällt, ist egal.“

Als das „finanzielle Gewissen“ des Unternehmens ist er „maßgeblicher Mitgestalter, aber in einer kritischen Rolle“. Lenz: „Es ist meine Rolle, das Glas immer als halb leer zu betrachten, auch wenn es aus anderer Perspektive durchaus halb voll sein mag.“ Den Blick auf die Risiken zu richten bedeute jedoch keineswegs, ängstlich Neues abzublocken. Ganz im Gegenteil: „Ich bin nicht Kostenmanager, sondern betriebswirtschaftlicher Begleiter. Es gehört auch zu meinen Aufgaben, dafür zu sorgen, dass genügend Geld in Bereiche hineinfließt, wo es sich lohnt.“

Transparenz schaffen

Voraussetzung dafür ist Transparenz, und für die hat der Controller zu sorgen. Als Praxisbeispiel dafür führt Lenz an, dass die Planung bei Vöslauer statt wie früher auf der Bereichsleiterebene heute von jedem Verkäufer selbst durchgeführt wird – und zwar detailliert für jeden Kunden, jedes Produkt. „Das bedeutet viel mehr Verantwortung, aber auch mehr Zufriedenheit für die Verkäufer. Für die Bereichsleiter wird die Leistung ihres Teams erkennbar. Das führt dazu, Dinge, die wir besser machen können, zu erkennen und damit Erfolge zu verbessern“, erklärt der Finanzexperte.

Hebel für Verbesserungen zu identifizieren und diese Möglichkeiten den Linienführungskräften sowie den Vorständen aufzuzeigen, gehört zu den zentralen Aufgaben eines Controllers von heute. Dafür ist es nötig, dass er sich nicht hinter Computer und Excel-Sheets verkriecht, sondern im Betrieb präsent ist und als Kommunikator und Netzwerker auftritt. „Ich hole mir die Info direkt vor Ort“, sagt Lenz und ist daher auch regelmäßig in Produktion und Lager unterwegs, um mit den Mitarbeitern zu reden. „Wie gut das Geschäft gerade läuft, kann auch der Staplerfahrer aus seiner Perspektive anzeigen. Eine Business-Intelligence-Lösung alleine führt nicht zum Erfolg.“ Dieses „Gefühl für die Sache“, eine Art Gespür fürs Business, ist aus seiner Sicht für erfolgreiches Controlling essenziell.

Zahlen & Werte

Zahlen, Daten und Fakten vergleichen Lenz und sein Team natürlich auch – und zwar mit den Branchenbesten: „Unser Ziel ist, der effizienteste Anbieter in Europa zu sein, daher messen wir uns in den Produktivitätskennzahlen nicht nur mit heimischen Mitbewerbern, sondern auf internationaler Ebene.“ Für die nachhaltige Entwicklung des Unternehmenswertes muss der Blick allerdings über rein betriebswirtschaftliche Kennzahlen hinausgehen.

Zwei Beispiele dafür: Als die Nachfrage im heißen Juli dieses Jahres enorm anstieg, war das nur mit Sonderschichten zu bewältigen. „Unsere Leute waren dazu bereit, und wir konnten alles liefern, was bestellt wurde. Voraussetzung war, dass wir rechzeitig auf den Faktor Mensch und die Mitarbeiterzufriedenheit geschaut haben“, sagt der Controller. Bei der 1,5-Liter-Flasche gelang es, das Gewicht von 39 auf 33 Gramm zu reduzieren. Allerdings musste dafür eine neue Wabenstruktur geschaffen werden, damit die Flasche stabil bleibt. „Durch diese aufwendigere Herstellung bleiben die Kosten für uns gleich. Trotzdem ist das eine Wertsteigerung, weil wir Ressourcen schonen“, so Lenz.

„Als Controller hat man das Privileg, über das gesamte Unternehmen Bescheid zu wissen. Gerade deshalb bedarf es hundertprozentiger Loyalität und Neutralität“, fasst er die Grundbedingung für eine Controlling- Karriere zusammen.

– Michael Schmid

Sparen ist out, Geld ausgeben ist angesagt. Wer schlau ist, investiert auch in die eigene Karriere.
 

Karriere

Investieren statt sparen: 5 Tipps, die persönliche Rendite bringen

Die Angebote für Mietbüros, die alle Stückeln spielen, werden immer größer. Eine FORMAT-Übersicht: Was sie können, was sie kosten, wo sie zu finden sind.
 

Erfolg

"Co-Worken" ist in – Eine Übersicht über die besten Mietbüros

 

Erfolg

Co-Working-Spaces – alle Details