Unternehmerpreis: Chinesischer Autoglas-Produzent "World Entrepreneur Of The Year"

Unternehmer aus aller Welt konkurrierten in Monte Carlo um den von Ernst & Young vergebenen „World Entrepreneur Of The Year Award“. FORMAT sprach mit ihnen über Erfolg und Krise.

Der mondäne Rahmen der Glitzerwelt von Monte Carlo­ mit den sündteuren Hotels und Restaurants, der höchsten Privatyachten- und Bentley-Dichte Europas ist einerseits natürlich angemessen, wenn sich wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmer zur Kür ihres „Weltmeisters“ versammeln – der Vergabe der vom Beratungs- und Prüfungsunternehmen Ernst & Young ausgeschriebenen Auszeichnung „World Entrepreneur Of The Year“.
Andererseits passen Glamour und dekadent angehauchte Atmosphäre eigentlich so gar nicht zu den Werten, die von den dort vertretenen Unternehmerpersönlichkeiten aus 43 Ländern repräsentiert werden. Mit einem Casino-Kapitalismus, der es an kurzfris­tiger Maximierung ihrer Erfolgsboni orientierten Managern und Investment­bankern erlaubte, auf Kosten von Anteils­eignern, Anlegern und Mitarbeitern Mil­lionengewinne im Wirtschaftsroulette zu lukrieren, haben diese Unternehmer nämlich größtenteils gar nichts am Hut.

Verantwortung und Strategie
Der Hauptgrund dafür liegt auf der Hand: Um sich überhaupt für die Teilnahme am „Entrepreneur Of The Year“ zu qualifizieren, müssen die Teilnehmer persönliche wirtschaftliche Verantwortung für die von ihnen geführten Unternehmen tragen. Der weltweit auf regionaler und lokaler Ebene in mehr als 135 Städten und 50 Ländern ausgetragene Wettbewerb soll nämlich den Unternehmergeist fördern und unternehmerische Tugenden wie Weitblick und Führungsstärke honorieren. Die Auslese der Landessieger ist daher alles andere als eine Ansammlung von ­abgehobenen Highflyern und Sternschnuppen, sondern zeichnet sich durch Bodenständigkeit und einen langen Atem bei der Verfolgung der Unternehmensstrategien aus. „In wirtschaftlich herausfordernden Zeiten braucht es Unternehmer mit Weitblick“, unterstreicht Helmut Maukner, Country Managing Partner von Ernst & Young in Österreich.

Chinesischer Sieger
Der Mann, der aus Sicht einer vor Ort tagenden, hochkarätigen internationalen Jury diese Charakteristik am überzeugendsten erfüllte, heißt Cao Dewang ( im Bild ). Er holte den Titel „World Entrepreneur Of The Year“ erstmals nach China – in das wichtigste jener Schwellenländer, auf die zurzeit alle Hoffnungen auf eine baldige Wiederbelebung der Weltkonjunktur gesetzt werden. Zielstrebigkeit und Zähigkeit besitzt Cao Dewang im Übermaß. Aus selbst für chinesische Maßstäbe einfachsten Verhältnissen stammend, arbeitete er als Obstverkäufer, Bauer und Koch. Doch sein wacher Unternehmergeist ließ ihn eine Marktchance wittern: Im zart beginnenden Automobilisierungsboom Chinas erkannte er, dass Windschutzscheiben aus inländischer Erzeugung ein Produkt mit großer Zukunft sein würden.

Understatement statt Starkult
China importiert heute so gut wie keine Autoverglasungen – und das hauptsächlich wegen Cao Dewangs Unternehmen Fuyao Glass Industry, das einen Marktanteil von 70 Prozent im Inland und immerhin 10 Prozent am Weltmarkt hält sowie alle wichtigen Autobauer von VW bis Toyota beliefert. Dem Weltunternehmer des Jahres 2009, bezeichnenderweise zum „Black-tie-dinner“ vor der Bekanntgabe seines Sieges im schlichten dunklen Anzug mit Krawatte erschienen, ist Starkult um seine Person wesensfremd. „Wir werden weiter hart arbeiten, um dieses globalen Awards würdig zu sein“, so Cao Dewang. Und sein Rat an die nächste Unternehmer­generation: „Erfolgreich ist man nicht als Individuum, dazu braucht man ein Kol­lektiv, ein Team.“

Erfolg im Team
„Teamspirit ist die Philosophie, nach der wir alle leben, das ist unser Wertekonsens. Neben allen ehrgeizigen individuellen Zielen muss es Empathie und Zusammenarbeit geben. Egoismus, überzogenes Leistungsdenken und Ellbogentechnik gegenüber Kollegen sind nämlich die Wurzel vieler Übel“, betont auch Österreichs amtierender „Entrepreneur Of The Year“, Wolfgang Kristinus, geschäftsführender Gesellschafter der Baustoff + Metall GmbH (B+M). Er machte nach einem BWL-Studium an der WU aus dem väterlichen Dämmstoffhandel den in ganz Europa expandierenden Marktführer im Trockenbau-Fachhandel mit 315 Mil­lionen Euro Jahresumsatz und 800 Mit­arbeitern. Zudem baute Kristinus die industrielle Produktion von innovativen Klima­decken (diese ersetzen konventionelle Klimaanlagen) und Sonderzargen sowie eine Beratungsabteilung auf, was ihm ermöglicht, diese technologisch hochwertigen Produkte nun direkt Architekten und Bau-Ausschreibern anzubieten.

Mitarbeiter als Unternehmer
„Mitarbeiter zu Unternehmern machen“ ist Kristinus’ Ziel. Dieser Satz steht so auch in vielen Leitbildleichen und ungelebten Mission Statements anderer Unternehmen. Bei B+M ist er insofern Realität, als rund 50 Mitarbeiter mit Kapitalbeteiligungen von 100.000 Euro aufwärts tatsächlich Mitunternehmer ihrer jeweiligen Tochtergesellschaft sind. Allein aufgrund dieser Mitarbeiter­beteiligung verbieten sich in manchen eigentümergeführten Familienunternehmen immer noch anzutreffende patriarchale Anwandlungen. „Voraussetzung dafür ist eine gläserne Buchhaltung und Einkaufspolitik“, erklärt Kristinus.

Konservative Finanzierung
So offen und fortschrittlich der Führungsstil mit höchster Eigenverantwortung der Mitarbeiter ist, so konservativ agiert der Unternehmer in Sachen Finanzierung: „Unsere Grundsätze sind, einen vernünftigen Gewinn zu er­zielen, diesen in der Firma zu belassen und jährlich nicht mehr zu investieren, als wir im Vorjahr verdient haben.“ Das Ergebnis: 60 Prozent Eigenkapitalquote. Während einst coole „Leverage“-Finanzierungsstrategen jetzt aus dem letzten Loch pfeifen, werden Banken bei B+M vorstellig, ob sie Kreditlinien einräumen dürfen. Die Krise macht Kristinus das Expandieren sogar leichter: „Unser gutes Betriebsklima ist branchenbekannt. Europaweit kommen jetzt gute Leute von der Konkurrenz, die von den Controllern in ihren Konzernen genervt sind, um mit uns zu arbeiten – auch für weniger Geld als bisher.“

Paradigmenwechsel
Die konsequente Weiterführung dieses Gedankens, dass Menschen in ihrer Arbeit nicht primär finanzielle Anreize, sondern sinnvoll erlebte Tätigkeit in einem positiven sozialen Umfeld suchen, ist ein Mantra des deutschen „Entrepreneur Of The Year“ Götz W. Werner, Gründer der dm-Drogerie­märkte. Demgemäß steht er für ­einen antiautoritären Führungsstil und delegiert so viel Verantwortung wie möglich in die einzelnen Filialen. „Kunden sind wichtiger als Vorgesetzte“, schreibt er kontrollwütigen Managern ins Stammbuch. Selbst von der Krise nicht betroffen, sieht er diese als Anlass für einen überfälligen gesamtwirtschaftlichen Paradigmenwechsel – etwa in Form eines Grundeinkommens für alle. „Es ist an der Zeit, endlich Arbeit und Einkommen zu entkoppeln.“ Werner erklärt das am Beispiel Opel: „Die Arbeiter brauchen weiter ein Einkommen. Aber niemand braucht Produktionskapazitäten, für die es keine Nachfrage gibt.“

Die Folgen der Krisen
Mit den Auswirkungen der Krise auf ihr Geschäft müssen sich andere erfolgsverwöhnte Unternehmer aus aller Welt jetzt sehr wohl in eigener Sache befassen: von Klaus-Michael Kühne, der das Management seines Logistikkonzerns Kühne + Nagel frühzeitig zu Restrukturierungen „anregte“, bis Nurlan Smagulov, Gründer der kasachischen Astana-Gruppe (hierzulande bekannt als Radsport-Sponsor), der sein Zentralasien-Expansionsprogramm zurückstellt. Selbst Winzer Aurelio Montes, der chilenischen Weinen zur Weltgeltung verhalf, muss feststellen: „Weine um zehn Dollar gehen ganz gut, die um 100 Dollar weniger.“ Ein Problem, das es am Weltmarkt geben mag – aber eher nicht in Monte Carlo.

Von Michael Schmid, Monte Carlo

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