'Unternehmen kümmern sich viel zu wenig um Strategie'

Der erfolgreiche Turnierschachspieler und Unternehmensberater Alexander Goetz, 44, über Krisenbewältigung, Erfolgsstrategien und seine Managementlehre „Schach! Dem Manager“.

Format: „Schach! Dem Manager“, das klingt abstrakt. Was hat das Schachspiel mit Management zu tun?

Goetz: „SDM“ war ein Versuch, den Urgrund beider Denkschulen zu ergründen. Da Schach eine simplifizierte Regelwelt besitzt, sind auch die daraus abgeleiteten allgemein gültigen Grundsätze einfach zu verstehen. Diese Regeln sind dann leicht in gelebte Denkmuster zu übertragen. Es geht also um ­einen sofort verwertbaren Konnex zwischen moderner Unternehmensführung und dem Schachspiel. ­Strategie und Taktik müssen ­erfolgreiche Manager im Daily Business be­herrschen.

Format: Was können Manager und Unternehmen – gerade in Krisenzeiten – vom Schach lernen?

Goetz: Viel, denn Schach ist ja eine permanente Krise.

Format: Weil man dauernd Entscheidungen in einer vorgegebenen Zeit treffen muss?

Goetz: Genau. Deshalb ist zuallererst die Krisenprävention ganz wichtig. Beim Schach ist es nicht nur wichtig, verlorene Partien zu analysieren, sondern auch gewonnene.
Das heißt für Unternehmen: Warum ist unser Produkt gut, warum wird es gekauft, warum war diese und jene Produkt­einführung erfolgreich?
An diesen „gewonnenen Partien“, an diesen erfolgreichen Assets muss man kontinuierlich weiterarbeiten. Bei guter Konjunktur machen ja viele gute Geschäfte – in der Krise nur jene, die erfolgreiche Prävention ­betrieben ­haben, ihre Produkte wei­terent­wickelt und ihre Geschäftsfelder ausgeweitet haben. Ganz wichtig ist die Vorausplanung: Wer kann meine ­Pläne stören, und was kann ich da­gegen tut? So ­denken auch Schachgroßmeister.

Format: Das klingt nach Apple-Erfolgsstory: ständige Weiterentwicklung und die Gegner – wie beispielsweise Samsung – beinhart klagen. Sie sind Unternehmensberater und werden wahrscheinlich meist engagiert, wenn schon der Hut brennt. Also in der Krise?

Goetz: Kurzfristig: keep cool und in Szenarien denken. Pragmatismus statt Perfektionismus. Länger­fristig: Ich vergleiche die Strukturen der Unternehmen, die in die Defensive geraten sind, mit bekann­ten erfolgreichen Mustern. Ich kann nicht alles berechnen – ich versuche, die „Stellung“ zu fühlen und nach versteckten Chancen zu ­suchen. Genau das ist üb­rigens die große Stärke von Magnus Carlsen, der Nummer eins der Schach-Weltrangliste: ­Ressourcen zu finden, wenn andere längst nicht mehr weiterrechnen.

Format: Apropos Magnus Carlsen: Der meinte in einem Gespräch mit dem „Spiegel“, er sei eigentlich faul. Und seinen Intelligenzquotienten wisse er gar nicht …

Goetz: Er kann sich das leisten und deckt natürlich nicht alle Karten auf.
Format: Ein verbreitetes Klischee besagt, dass Schachspieler per se ­intelligent seien. Stimmt das Ihrer ­Erfahrung nach?

Goetz: Sicher nicht! Auf der Welt spielen Millionen Menschen, aber selbst 95 Prozent der Turnierspieler kommen über ein relativ schwa­ches Spiellevel nie hinaus. Ganz wichtig ist natürlich das Handwerk, die Theorie, hohe Konzentrationsfähigkeit und ein gutes Gedächtnis. Es sind die gleichen Eigenschaften gefragt, die auch Manager erfolgreich machen.

-Marko Locatin

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