Unter Druck: Jeder fünfte Konzernlenker musste im Krisenjahr Sessel räumen

Manager auf dem Schleudersitz: Im deutschsprachigen Raum erreicht die CEO-Fluktuation neue Rekordwerte und liegt sogar höher als in den USA.

Geht es nach den offiziellen Begründungen und Presseaussendungen, sind Wechsel in den Chefetagen von Großkonzernen immer strategisch wohlüberlegt und erfolgen im besten Einvernehmen. Doch wer macht schon wirklich gerne seinen Chefsessel für einen Nachfolger frei, wenn er es einmal an die Spitze eines Konzerns gebracht hat? Der weltweit tätige Strategieberater Booz & Company blickt alljährlich hinter die Kulissen der offiziellen Sprachregelungen bei Veränderungen in den Top-Positionen der 2.500 weltweit größten börsennotierten Unternehmen. Das Ergebnis dieser „CEO-Succession-Studie“ zeigt daher nicht nur die Fluktuationsraten im Spitzenmanagement, sondern auch die Gründe für die Ablösen.

Eine Überraschung

Am gefährlichsten war das Managerleben 2009 nicht im für Hire-and-Fire berüchtigten Amerika, sondern ausgerechnet im deutschsprachigen Raum. Mehr als jeder fünfte Konzernlenker in Österreich, Deutschland und der Schweiz musste im Krisenjahr seinen Sessel räumen. Bei etwas mehr als der Hälfte der Abgänge konstatiert Berater Booz einen geplanten Wechsel. Fast gleich viele CEOs wurden aber vorzeitig abserviert. Dieses Schicksal traf 2009 jeden zehnten Spitzenmann – sieben Prozent aller Chefs mussten dabei wegen mangelnder Performance vorzeitig den Hut nehmen, drei Prozent traf es im Zuge von Übernahmen und Fusionen. Das Risiko, vorzeitig in die Wüste geschickt zu werden, lag im deutschsprachigen Raum damit fast doppelt so hoch wie im internationalen Schnitt.

Himmelfahrtskommando Finanz und Telekom

Global betrachtet liegen die Wechselraten bei CEOs seit sechs Jahren – Krise hin oder her – relativ stabil. Der deutschsprachige Raum nimmt mit seiner Rekordfluktuation somit auch innerhalb Europas eine Sonderstellung ein. „Hier wurden in den letzten Jahren in der Telekommunikations-, Energie- und Konsumgüterindustrie besonders viele neue CEOs installiert“, liefert Klaus Hölbling, Geschäftsführer von Booz & Company in Österreich, einen Erklärungsansatz.

Abgang vor Ende der Vertragslaufzeit

Schon deutlich weniger verwunderlich ist, dass die Manager in der Finanzbranche 2009 das höchste Risiko trugen, vorzeitig abgelöst zu werden. Jeder Dritte der weltweit ausgeschiedenen Bank- und Versicherungsvorstände musste vor Ende der Vertragslaufzeit gehen. Im Langfristvergleich entpuppt sich hingegen nicht der Finanzsektor, sondern die Telekommunikationsbranche als das gefährlichste Pflaster für Manager. Dort lag die Wechselquote in den letzten zehn Jahren im Schnitt bei fast 17 Prozent. Mehr als die Hälfte dieser Abgänge erfolgte unfreiwillig – ebenfalls die mit Abstand höchste Rate in allen Branchen.

Interne Kandidaten bevorzugt

Die Booz-Studie bietet Aufsichtsräten und Headhuntern darüber hinaus aber auch noch weitere aufschlussreiche Aspekte. So erhalten konzerninterne Kandidaten bei der Besetzung der Top-Position immer häufiger den Vorzug gegenüber „Outsidern“. Acht von zehn neuen CEOs werden demnach aus dem eigenen Konzern rekrutiert. Eine Strategie, mit der die Unternehmen – oder zumindest ihre Aktionäre – laut der Booz-Analyse zuletzt sehr gut gefahren sind: Gemessen am regional bereinigten Total Shareholder Return, erzielten die „Insider“ im Schnitt ein um 3,3 Prozentpunkte besseres Ergebnis als von außen geholte Konzernlenker.

Früher rauf, schneller raus

Gesunken ist in den letzten Jahren das Durchschnittsalter der neu bestellten Bosse. So sind CEO-Novizen im deutschsprachigen Raum bei ihrer Berufung 48,9 Jahre alt und damit beim Amtsantritt um 1,6 Jahre jünger, als ihre Vorgänger waren. Allerdings bleibt den jungen neuen Besen heutzutage auch immer weniger Zeit, um zu demonstrieren, wie gut sie doch kehren. „Neue CEOs müssen heute innerhalb kürzester Zeit eine richtungsweisende Strategie entwickeln, die kurzfristig den Gewinnerwartungen der Aktionäre gerecht wird sowie langfristig Marktanteile und Wachstum sichert“, beschreibt Hölbling den Umstand, dass die Firmenlenker kurzfristige und nachhaltige Aspekte unter einen Hut bringen müssen, um sich in der dünnen Luft an der Unternehmensspitze zu behaupten. Gerade einmal fünfeinhalb Jahre üben heimische CEOs nämlich ihr Amt aus. Beim Ausstieg sind sie im Schnitt knapp 56 Jahre alt.

Herausforderungen für CEOs

Als Ergänzung zu den vielen statistischen Zahlen und Fakten hat sich Booz & Company auch mit der inhaltlichen Entwicklung der Rolle von CEOs beschäftigt. Aus der Sicht von Klaus Hölbling haben sich die Spielregeln für die Bosse in den letzten Jahren durchaus gravierend verändert. Um sich nicht zu verzetteln, sollten sich die Firmenchefs auf jene Aufgaben konzentrieren, die nur sie lösen können – etwa die Definition vorgeben, was der Unternehmenserfolg bedeutet. Auch im Umgang mit dem Aufsichtsrat hat eine neue Ära begonnen. Hölbling dazu: „Früher galt, dass eine Aufsichtsratssitzung gut gelaufen ist, wenn keine Fragen gekommen sind. Heute sollte der Aufsichtsrat ermutigt werden, die Führung und Richtung zu hinterfragen.“

Das Resümee des Beraters zu den aktuellen Herausforderungen: „Schönwetterkapitäne sind in den letzten Jahren von Bord gegangen. Nun heißt es für die krisengestählte CEO-Generation, die Balance zwischen Kostenoptimierung und Wachstumsstrategie zu finden.“

Michael Schmid

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