Stress lass nach: Wer sich rechtzeitig Auszeiten nimmt, brennt nicht so leicht aus

FORMAT-Report für die Zeit nach dem Urlaub: 20 Tipps, wie man mit beruflichem Druck umgeht, Burnout-Symptome erkennt beziehungsweise vermeidet und die Work-Life-Balance findet.

Sommerzeit auf Krankenschein würde den ­Österreichern viele Sorgen nehmen und die Geldnöte der Krankenkassen mildern. Denn im Sommer erwachen müde Geister zum Leben, wie aus einer aktuellen Umfrage des Fonds Gesundes Österreich hervorgeht. „Die Menschen haben mehr Zeit für die Familie, der Stress nimmt deutlich ab, und körperliche Aktivitäten stehen öfter auf dem Programm“, zieht Christoph Hörhan, Leiter der Kompetenzstelle für Gesundheitsförderung, erfreuliche Bilanz.

Stress im Anstieg
Im Urlaub rasselt das Stressniveau dann endgültig in den Keller: Sonne und schönes Wetter, Spaß und Vergnügen sowie Ruhe von der Arbeit sind die besten Energiespender für ausgelaugte Gemüter. „Obst und Gemüse sind besonders frisch und vitaminreich und sorgen dafür, dass es neben der ­Seele auch dem Körper gut geht“, so Hörhan. Doch der Sommer währt nicht ewig, und Stress­erkrankungen sind in Österreich auf dem Vormarsch. Mittlerweile fühlt sich jeder zweite Österreicher unter permanentem Leistungsdruck. Gesundheitsstudien bestätigen den Trend: Die Kosten für die verordneten Psycho­pharmaka stiegen innerhalb von zehn Jahren von 4,8 Millionen auf 10,5 Millionen Euro (2007). Ebenso erhöhte sich die Zahl der Krankenstandstage aufgrund von psychischen Erkrankungen. Von Burnout betroffene Mitarbeiter fallen im Schnitt 35 Tage aus.

Auszeiten nehmen, bevor der Hut brennt
Lisa Tomaschek-Habrina, Leiterin des Wiener Instituts IBOS für Burnout und Stressmanagement, verzeichnet besonders in den letzten Jahren eine Zunahme von Erschöpfungserkrankungen. „Führungskräfte, Arbeitnehmer und Selbständige fühlen sich wie in einer Tretmühle und beschreiben eine Stress-Spirale, unter der sie mehr oder weniger stark leiden“, sagt die Psychotherapeutin. Auslöser sei die Tatsache, dass die Kluft zwischen den steigenden Anforderungen im Berufsalltag und den persönlichen Bedürfnissen immer weiter auseinanderklaffe und der Konkurrenzdruck steige. „Realistisch betrachtet wird es in unserem Wirtschaftssystem immer­ Ballungszeiten von hohem Arbeitsaufkommen geben“, erklärt Tomaschek-Habrina weiter, daher sei es unerlässlich, zur langfristigen Stressbewältigung ­bewusste Auszeiten zu wählen. Ob in Form einer ­Regenerations­woche, wie etwa vom IBOS-Institut auf der griechischen Insel Limnos angeboten, oder kür­zerer Ruhe­pausen zwischendurch, ist vom persönlichen ­Er­schöp­fungsgrad abhängig.

Spontane Auszeiten bei Überbelastung
Gabriele Zuna-Kratky, Direktorin des Technischen Museums in Wien, wählt präventiv beide Varianten. „Geplante Urlaube sind genauso wichtig wie kurze, spontane Auszeiten bei Überbelastung“, verrät sie. Ihr genüge oft ein Tag, um die „Batterien wieder aufzu­laden“. Zwischendurch schöpft sie Energie bei Gesprächen mit Freunden, bei Aufenthalten in der Natur oder künstlerischen Aktivitäten. Im Job sorgt sie mit Prioritätenlisten, exakter Planung und Zeitmanagement dafür, so gut wie möglich Stress zu vermeiden. Zuna-Kratky räumt aber ein: „Durch plötzlich auftretende Ereignisse ist Stress aber nicht immer zu vermeiden.“ Wolfgang Hötschl, Kelly-Boss, läuft seinem Stress einfach davon. „Ich laufe mit einem Problem im Kopf weg und komme mit vier Lösungen zurück“, sagt Hötschl. Ein Ritt auf seinem Motorrad bläst dann die letzten Sorgenfalten weg.

Ein gesunder Geist braucht Abwechslung
„Stress im Manageralltag erfordert, ab und zu aus dem Alltag auszubrechen“, sagt Erwin Kotányi. Sein Stressbewältigungsrezept besteht aus verschiedensten Zutaten. Dazu zählen das Auspowern am Tennisplatz, Chillout mit der Familie im Garten oder eine stilvolle Landpartie hinter dem Volant seines Oldtimers, einem Triumph Roadster aus Familienbesitz. „Dabei vergisst man schon für ein paar Stunden seine geschäftlichen Verpflichtungen“, verrät der Gewürzboss.
Auch Eduard Schmidhofer, CEO von Gigaset Communications, verfügt gleich über ein ganzes Set stresseliminierender Verfahren. Sein Erfolgsrezept besteht dar­in, Körper und Geist in Einklang zu bringen. „Neben Aktivitäten wie Klettern, Tischlern und Balanceübungen auf der Slackline, wofür beide Gehirnhälften aktiv werden, habe ich auch im Büro verschiedene Methoden parat“, verrät der Unternehmer. Dazu gehören bewusste Atem­übungen, die den Herzschlag senken, einfache Muskelentspannungsübungen oder ein Massageroller unter dem Schreibtisch, der die Fußreflexzonen anregt. Er ist überzeugt, dass körperliches Wohlbefinden den Stress bereits im Keim erstickt.

Jedem sein eigenes Rezept
Erfolgreiche Persönlichkeiten wie Kotányi und Schmidhofer verfügen über viele Strategien, ihre Work-Life-Balance im Lot zu halten. Diese Methoden zu kopieren bringt allerdings nicht viel. „Es gibt kein Allgemeinrezept für Erholung, denn was dem einen guttut, ist noch lange nicht gut für den anderen“, sagt Joachim Burger, Personalchef von T-Mobile. Wichtig sei, sich darüber bewusst zu werden und ein individuelles Antistressprogramm zu haben. Ob dies etwa in Form eines Abenteuer- oder Strandurlaubs umgesetzt werde, sei jedem selbst überlassen. Um den Erholungsfaktor sommerlicher Mußestunden möglichst lange auszudehnen, bedürfe es laut Burger aber zusätzlich zu den Einzelaktivitäten einer gesunden Unternehmenskultur. T-Mobile bietet neben Gesundheitsberatung körperliche Checkups, einen Betriebskindergarten und flexible Arbeitszeitmodelle. „In einem Unternehmen, in dem man sich wohl fühlt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass man nach dem Urlaub sofort wieder gestresst ist, schließlich weitaus geringer“, erklärt Burger.

Unternehmen setzen auf Vorsorge
„Wir haben vor Jahren erkannt, wie wichtig Präventivmaßnahmen gegen Stresserkrankungen sind“, sagt Johann Hainzl, IBM-Personalchef. Mit Home-Office-Lösun­gen, Karenzberatung für Eltern, um die Mehrfachbelastung im Zaum zu halten, Fitness- und Ruheräumen, Gleitzeitmöglichkeiten sowie Stressmessungen versucht das IBM-Gesundheitsteam den Druck, der in den beruflichen und privaten Lebenswelten entsteht, abzufedern. Aufklärungsveranstaltungen machen zudem mit der Burnout-Problematik vertraut.
Aufklärung wird auch bei der Erste Bank großgeschrieben. „Wir sensibilisieren unsere Führungskräfte gerade in Zeiten, in denen die Belastung steigt, mehr auf die Faktoren zu achten, die krank machen können“, sagt Eva Höltl, Leiterin des Work Health Center. Zudem werden beispielsweise Entspannungstechniken zu Randzeiten und in Arbeitsplatznähe angeboten. Höltl unterstreicht, wie überaus wichtig das Verständnis sei, dass Burnout weder peinlich noch schuldhaft ist. Im ­Gegenteil: „Burnout hat nichts mit ‚Minderleistung‘ zu tun, sondern trifft gerade die sehr engagierten Mitarbeiter.“

Von Dina Elmani

Bevor der Motor endgültig streikt -
FORMAT-Webtipps zur Burnout-Prävention:

www.leistungsmanagement.at
www.arbeitspsychologie.org
www.ibos.co.at

Sparen ist out, Geld ausgeben ist angesagt. Wer schlau ist, investiert auch in die eigene Karriere.
 

Karriere

Investieren statt sparen: 5 Tipps, die persönliche Rendite bringen

Die Angebote für Mietbüros, die alle Stückeln spielen, werden immer größer. Eine FORMAT-Übersicht: Was sie können, was sie kosten, wo sie zu finden sind.
 

Erfolg

"Co-Worken" ist in – Eine Übersicht über die besten Mietbüros

 

Erfolg

Co-Working-Spaces – alle Details