Sprechende Körper

Der international renommierte Experte für Körpersprache Stefan Verra analysiert für FORMAT, wie gezielter Körpereinsatz zum Führungserfolg beiträgt.

Steve Jobs: Prinzip Aktivität & Bewegung

"Bewegung ist für unser Hirn relevanter als Stillstand. Unsere Aufmerksamkeit steigt, wenn sich etwas bewegt. Führungskräfte sollten sich daher bewegen, wenn sie präsentieren, ebenso Lehrer beim Erklären“, rät Experte Stefan Verra. Ein Manager, der dieses Prinzip bei Präsentationen perfekt umgesetzt hat, war der verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs. Stellte Jobs eine Innovation vor, hielt er sich nicht hinter dem vorgesehenen Stehpult auf, sondern nahm die gesamte Bühne in Anspruch und machte durch Aktivität und Gestik seinen Körper zum Mittel, mit dem er das Aufmerksamkeitslevel seines Publikums zu steuern verstand. Aktivität zu vermitteln ist aber nicht nur in Präsentationssituationen wichtig, sondern auch in Gesprächen. Dafür sind die Hände von zentraler Bedeutung. Verra: "Je höher und aktiver die Hände, desto mehr wird auch der Gesprächspartner aktiviert.“

René Benko: Prinzip Territorium

Immobilienzampano René Benko zeigt vor, wie man ein Territorium absteckt: Die ausgefahrenen Ellbogen markieren ebenso wie ein ausgestrecktes und ein zur Seite abgewinkeltes Bein, dass hier jemand sitzt, der sich traut, den ihm zustehenden Platz einzunehmen und etwas für sich zu beanspruchen. "Wer das tut, vermittelt Sicherheit“, analysiert Experte Stefan Verra, und diese auszustrahlen sei für Führungskräfte essenziell. Territorialansprüche kann man auch im Stehen geltend machen: Fußspitzen nach außen, vorgeschobenes Becken und abgewinkelte Ellbogen durch in die Hüfte gestemmte Arme markieren Platzansprüche. "Eine solche Haltung wird nicht unbedingt Sympathie wecken“, meint Verra, "weil sie anderen Platz nimmt.“ Das gilt auch für das "Markieren“ von Ansprüchen an Konferenz- und Besprechungstischen durch Handy, Laptop und Kugelschreiber. Der Expertentipp für Damen: In Stöckelschuhen die Fußspitzen bewusst leicht nach außen drehen, um selbstbewusster und sicherer zu wirken.

Er braucht keine Sekunde, um sich vom aggressiven Macho in einen ängstlichen Waschlappen zu verwandeln. Umgekehrt geht es gleich schnell - und zwar ebenfalls nur mittels einiger minimaler Veränderungen der Körperhaltung. Der kleine drahtige Mann, der das so virtuos kann, heißt Stefan Verra, und er bezeichnet sich auf seiner Homepage als "Körpersprecher“.

Als einer der führenden Experten für Körpersprache im deutschsprachigen Raum ist Verra gefragt: Zahlreiche Medien- und Bühnenauftritte bezeugen das ebenso wie seine Tätigkeit als Dozent an der Steinbeis-Hochschule Berlin. Dabei vermittelt Verra das Thema Körpersprache nicht über das simple Deuten von Einzelsignalen oder manipulative Tricks, wie man sich wirksam verstellt. Ihm geht es darum, die Grundprinzipien und Wirkungen zu vermitteln. Das tut er immer auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse, die er begleitend zu seinen Erklärungen und Demonstrationen verständlich zu vermitteln weiß. Auf dieser soliden Basis entwickelt sich die Sensibilität für die eigene Wirkung auf andere fast von selbst und wird zum Ansatzpunkt für positive Veränderungen.

Erfolgsfaktor Körper

Weil Führung vor allem aus Kommunikation besteht, ist die Kenntnis der vom Körper ausgesandten kommunikativen Signale und Wirkungen für Manager von großer Bedeutung. Verra coacht auch Personen, die im öffentlichen Leben stehen, und hält Seminare für Führungskräfte. Für FORMAT analysiert der Experte am Beispiel erfolgreicher Manager, wie diese körpersprachliche Prinzipien einsetzen und welche Effekte sie damit bei ihren Gesprächspartnern bewirken (siehe Diashow oben). So nimmt Immobilien-Investor René Benko auf so gut wie allen von ihm existierenden Bildern eine sehr raumgreifende Haltung ein, er schafft sich optisch Platz. Damit erzielt er eine ambivalente Wirkung: Er signalisiert, dass er sich traut, etwas in Anspruch zu nehmen, und vermittelt so Verhandlungspartnern Selbstsicherheit.

Andere können sich durch seine Platzansprüche aber auch eingeengt fühlen und negativ reagieren. "In Meetings muss man sich selbstsicher darstellen“, sagt Verra, "allerdings ist das nicht die einzig mögliche Haltung. Man sollte das dosieren.“ Siemens-Personalvorstand Brigitte Ederer schafft etwa in ihren Gesprächen Vertrauen, indem sie Augenkontakt hält und mit Gestik wichtige Hirnareale bei ihrem Gegenüber aktivieren kann.

"Körpersprache ist deshalb so wirksam, weil visuelle Information für unser Gehirn hohe Priorität hat. Bei Widersprüchen wird die visuelle Aussage daher vorgereiht“, erklärt Verra, warum Körpersignale in Verhandlungen und bei Präsentationen von so großer Bedeutung sind. Was nicht heißt, dass Fakten und Inhalte dabei unwichtig wären. "Diese werden aber nur wirksam und richtig aufgenommen, wenn die Körpersprache dazu stimmig ist und damit Vertrauen aufgebaut wird“, so Stefan Verra.

Aktivität und Bewegung bei Präsentationen sowie Variabilität, also ein breites Ausdrucksspektrum, zählen zu den weiteren körpersprachlichen Grundprinzipien, die aus seiner Sicht entscheidend für den Erfolg im Geschäftsleben sind. Ein anderer grundlegender Aspekt kann Managern helfen, die Stimmungslage in ihrem Umfeld realistisch einzuschätzen: Wenn Mitarbeiter anfangen, Arme, Beine und Kopf einzuziehen, während man gerade ehrgeizige verbale Change-Visionen entwickelt, ist es Zeit, etwas vom Gas zu steigen - was deren Beugemuskeln da aktiviert, ist nämlich die pure Angst.

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