Selbständigkeit: Die Lust am eigenen Unternehmen steigt bei Frauen an

Neue Initiativen helfen Gründerinnen beim Start in die Selbständigkeit und bei der professionellen Umsetzung ihrer Geschäftsideen. FORMAT zeigt erfolgreiche New-Comerinnen.

Ohne tatkräftige Unterstützung durch die Coaches der Gründerinnenakademie wäre ich bis jetzt nicht selbständig“, sagt Werbeprofi Alexandra Kummer über ihre Unternehmensgründung Anfang des Jahres. Sie spielte bereits nach Studienende mit der Idee einer eigenen Werbeagentur, absolvierte aber dann doch einige Lehrjahre in Marketingabteilungen, bevor sie sich entschloss, dem Angestelltenverhältnis den Rücken zu kehren. „Eine Freundin machte mich auf einen Gründerinnen-Lehrgang aufmerksam, und ich sah meine Chance gekommen“, so Kummer. Gemeinsam mit den Trainerinnen feilte sie an ihrem Businessplan, arbeitete an ihrer Selbstpräsentation und lernte, auf ihre Work-Life-Balance zu achten. Die Anmeldung des Gewerbes war letztlich ein Klacks.

Männliche Entrepreneure dominieren

Obwohl die Gründungslust unter Frauen stetig ansteigt, überwiegen noch die männlichen Entrepreneure. Nur etwa jede dritte Unternehmensleitung ist weiblich. Damit liegt die Frauenquote bei Selbständigen zwar über dem EU-Durchschnitt, ­allerdings sind Frauenbetriebe weitaus kleiner als ihre männlichen Pendants. Die geringe Größe und der hohe Anteil an Ein-Personen-Unternehmen spiegelt sich im Umsatz wider. 96 Prozent der Frauenunternehmen setzen jährlich weniger als eine Million Euro um, so die Studie „Unternehmerinnen in Österreich – Status quo 2009“ der KMU Forschung Austria, die von der Wirtschaftskammer initiiert wurde, um Frauen gezielter zu fördern.

Wenig Selbstbewusstsein

Die Wiener Wirtschaftskammer hat dazu ein Instrumentarium geschaffen. „Die Gründerinnen-Akademie wurde ins Leben gerufen, um Frauen zu Selbständigkeit zu motivieren und den Weg dorthin zu erleichtern“, erklärt Lehrgangsleiterin Beatrix Seum. Sie selbst arbeitet seit 22 Jahren als selbständige Trainerin mit Gründerinnen und Unternehmerinnen und sieht im schwach ausgeprägten Selbstbewusstsein der Frauen immer noch ein großes Manko.

„Frauen sind weniger risikobereit, weil sie sich nicht vorstellen können zu scheitern, gehen dafür aber wesentlich überlegter an die Selbständigkeit heran als Männer“, so Seum. Im Lehrgang ist „Kooperation und Networking“ daher ein wesentliches Modul, um die „eigene Person optimal ins rechte Licht zu rücken“. Auch die Vermarktung von Geschäftsideen ist oft ein Problempunkt, weil ‚Verkaufen‘ offenbar stark mit ‚Keilen‘ konnotiert wird“, sagt Seum.

Workshop für Business-Start

„Idealerweise soll eine Unternehmensgründung ohne Not, bei guter Überlegung gemeinsam mit professioneller Beratung passieren“, empfiehlt auch die auf Führungskräftecoaching spezialisierte Beraterin Regina Jankowitsch. „Beim Businessplan muss der Best Case, aber auch der Worst Case kalkuliert werden“, so Jankowitsch, „am besten mit einem Steuerberater als Profi.“ Zehn Frauen mit guten Geschäftsideen haben Ende Juni Gelegenheit, mit Jan­kowitsch und weiteren Top-Coaches im Rahmen eines zweitägigen Workshops an deren Verfeinerung zu arbeiten. Die Teilnahme an dieser von Bawag PSK und FORMAT ins Leben gerufenen Initiative „Unternehmerinnen mit Format“ ist noch bis 31. Mai möglich.

Finanzierung & Persönlichkeit

Auch Bankerin Andrea Vaz-König setzt sich für Unternehmerinnen ein und gibt beim Workshop Finanzierungstipps. Sie informiert etwa über Produktlösungen wie Rückversicherungen für Außenstände, mit denen man im Vorfeld schon Risiken gut abfedern kann, damit die Unternehmung auf sicheren finanziellen Beinen steht. Aus der Sicht von Persönlichkeitscoach Angela Krippl ist es für selbständige Frauen überaus wichtig, sich auch noch nach der Existenzgründung betreuen zu lassen. „Vor allem Frauen geraten oft in eine unausgeglichene Work-Life-Balance, da sie dazu neigen, sich selbst zu überfordern“, weiß Krippl.

Alles unter einen Hut gebracht

Dies liege einerseits daran, dass Frauen multitaskingfähig sind – an sich ein Vorteil –, aber dann zu vieles tatsächlich gleichzeitig tun. Andererseits sind viele Gründerinnen bereits Mütter und stehen vor der permanenten Herausforderung, Haushalt, Familie und Job unter einen Hut zu bringen.
In Österreich sind etwa 70 Prozent der Unternehmerinnen Mütter – knapp die Hälfte hat Kinder im Alter von unter 15 Jahren und übernimmt die Kinderbetreuung selbst. Kein Wunder also, dass rund zwei Drittel sich mit einer Doppel- beziehungsweise Mehrfachbelastung konfrontiert sehen. Krippl sieht daher ihre Aufgabe auch in der Stärkung des psychischen und mentalen Bereichs, um eine gesunde Lebensführung trotz unternehmerischer Verantwortung meistern zu können. Denn, so die Expertin: „Wenn es dem Unternehmer als Person nicht gutgeht, wird der Erfolg zu wünschen übrig lassen.“

Dina Elmani

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