Schüler als Unternehmer

Schüler als Unternehmer

Wer heute noch Vokabeln paukt, führt morgen eine Weltmarke: FORMAT, die Wirtschaftskammer und JUNIOR fördern "Schule macht Wirtschaft“.

Sie wächst auf Sträuchern, ist so groß wie eine Erbse, so schwarzblau wie Holunder und so süß-sauer wie eine Heidelbeere - die Apfelbeere. Auch "Aronia“ genannt, ist sie so etwas wie der Geheimtipp unter den Beeren. Das liegt an ihrer Seltenheit, klar. Das liegt aber auch an ihrem Geschmack und an den gesundheitsfördernden Wirkungen, die ihr zugeschrieben werden.

In der Kombination aller drei Eigenschaften haben die Schüler der "HLFS Ursprung“ in Salzburg nicht nur eine Beere gesehen, sondern ein Geschäftsmodell: Vom Anbau über die Erforschung der Inhaltsstoffe und das Mixen eines geschmackvollen Getränks bis hin zu seiner Vermarktung haben die Schüler an alles gedacht (siehe Sieger 2011/2012 ). Das überzeugte auch die Jury der Initiative "Schule macht Wirtschaft“ von JUNIOR Enterprise Austria und FORMAT, die dazu beitragen will, dass Schüler schon früh unternehmerische Ideen für sich entdecken. Die Fachjury wählte das Projekt "Viva Aronia“ 2012 auf den ersten Platz.

Der Erfolg gibt Recht

"Das Konzept hat auch im internationalen Wettbewerb gut abgeschnitten“, sagt Stephan Hörandner, der die Aktion bei JUNIOR Österreich mitbetreut. Wie in den vergangenen Jahren durften sich die Landessieger nämlich mit der internationalen Konkurrenz messen. In Bukarest stellten sie ihr Projekt vor - und die Rückmeldungen der Jury waren auch hier sehr positiv.

Die Salzburger Schüler sind dabei nur ein Beispiel unter vielen, die in den vergangenen Jahren über Ideen grübelten, im Rahmen des "JUNIOR Company“-Programms ein virtuelles Unternehmen gründeten und dieses sogar führten. Auch in diesem Schuljahr wird der Wettbewerb in Kooperation mit der Wirtschaftskammer Österreich und der FORMAT-Initiative " Schule macht Wirtschaft “ fortgesetzt. Noch bis zum 30. November 2012 haben Oberstufenklassen aller Schulformen aus ganz Österreich Zeit, sich ihre Geschäftsidee zu überlegen und sich damit online zu bewerben . "Es zeichnet sich ab, dass wir so viele Anmeldungen bekommen wie noch nie“, sagt Hörandner. Aus über 160 Unternehmensideen werden die besten gewählt, die dann gegeneinander antreten.

Dabei werden die Schüler allerdings nicht sich selbst überlassen. Die Wirtschaftskammer und führende österreichische Unternehmen stehen den Finalisten während der Entwicklungsphase mit Rat und Tat zur Seite. "Es kann dabei um den Businessplan gehen, aber auch um Fragen der Motivation oder ein Kommunikationstraining“, sagt etwa Klaus Malle vom Beratungshaus Accenture, das "Schule macht Wirtschaft“ genauso wie die Wien Energie und die Bawag P.S.K. tatkräftig unterstützt.

Der Praxistest

Dazu treffen sich Vertreter der Unternehmen und der Wirtschaftskammer mit den Schülern zu Workshops. Abhängig davon, ob es gerade um ein Marketingkonzept geht oder technische Hilfe notwendig ist, werden die jeweiligen Experten herangezogen. Sie stehen für kleine, drängende Fragen ebenso zur Verfügung wie für die Anleitung zu strategischen Weichenstellungen. "Die Schüler finden es unglaublich faszinierend, Leute aus der Wirtschaft persönlich zu treffen und ihren eigenen Zugang mit dem von erfahreneren Persönlichkeiten abzugleichen“, so Stephan Hörandner. Die Schüler lernen so von den Profis, wie es ihnen gelingen kann, ihre Ideen irgendwann tatsächlich selbständig umzusetzen.

Denn auch darum geht es: "Betriebsgründer werden von Österreichs Wirtschaft dringend gebraucht“, sagt Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl im Interview . Und durch "Learning by Doing“, wenn die Schüler anhand ihrer Projekte einfach einmal "Wirtschaft“ ausprobieren, findet der eine oder andere tatsächlich Gefallen daran. "Das Unternehmertum hat in Österreich nicht den Stellenwert, den es haben müsste“, beobachtet auch Klaus Malle von Accenture. Es gibt eine gewisse Scheu vor Risiken, vielen ist der einfache Weg der liebste. Den Schülern wollen die Berater von Accenture deshalb zeigen, was die Nörgler gerne zu erwähnen vergessen: Es macht Spaß, seine eigenen Ideen realisieren zu können.

Basiswissen Wirtschaft

Der Faktor Spaß ist nicht unbedeutend, aber als zumindest ebenso wichtig wird von den Experten das wirtschaftliche Basiswissen eingeschätzt. "Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass es um das Wirtschafts- und Finanzwissen der Österreicher nicht allzu gut bestellt ist“, sagt Byron Haynes, CEO der Bawag P.S.K. Indem sie die Initiative unterstützt, will die Bank dazu beitragen, dass wirtschaftliche Themen in den Schulen eine größere Rolle spielen. Auch über "Schule macht Wirtschaft“ hinausgehend berät die Bawag P.S.K. Maturanten bei Bewerbungsgesprächen und Ähnlichem. "Über diese Brücke zu den Schülern versuchen wir auch, potenzielle Kandidaten für einen Eintritt in die Bank zu motivieren“, so Haynes. Schon früh über Praktika Erfahrungen zu sammeln kann dabei helfen, die richtige Berufswahl zu treffen, rät der Bankchef den Jugendlichen.

Der direkte Kontakt mit den Schülern ist auch für den Energieversorger Wien Energie einer der Gründe, seine Expertise bei "Schule macht Wirtschaft“ zur Verfügung zu stellen. "Bereits zum vierten Mal ermöglichen wir Schülerinnen und Schülern einen Einblick in die Welt der Energiewirtschaft“, sagt Geschäftsführer Robert Grüneis. Je nach Altersstufe werden die jungen Menschen unterschiedlich an das Thema Energieunternehmen herangeführt. Umgekehrt will das Unternehmen Mut machen, sich darauf einzulassen, ein Unternehmen zu führen. Grüneis: "Wir sind schon sehr gespannt auf die heurigen Projekte.“

Die wirtschaftlichen Probleme beeinflussen die Entscheidung, sich selbständig zu machen, befürchtet WKO-Präsident Leitl. Er fordert daher, dass auch das soziale Sicherheitsnetz für Selbständige ausgebaut wird, um Ängste zu nehmen. Diesen Ängsten wollen übrigens die Gewinner von "Schule macht Wirtschaft“ aus dem Jahr 2011 trotzen. Das BG/BRG Stainach hatte damals recyclingfähige Buchhüllen entwickelt. Zwei Absolventen haben sich nun mit dem "Biobookcover“ selbständig gemacht. Bald geht’s los. Noch sind die Gründer beim Bundesheer.

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