Richtig gut gründen: So steigern junge Unternehmen ihre Überlebenschancen

Eine zündende Business-Idee ist nicht genug. Firmengründer benötigen auch professionelle Analyse und Beratung.

Rund 30.000 Österreicherinnen und Österreicher tun es pro Jahr: Sie realisieren eine – hoffentlich gute – Geschäftsidee und gründen ihr eigenes Unternehmen. Doch nicht für alle gehen die damit verbundenen Hoffnungen und Erwartungen auch in Erfüllung: Schon nach drei Jahren haben mehr als 20 Prozent der hoffnungsvollen Start-ups ihr Leben ausgehaucht, nach sieben Jahren ist sogar für vier von zehn Jungunternehmern der Traum von der Selbständigkeit und vom wirtschaftlichem Erfolg auf eigenen Beinen geplatzt.

Nachhaltige Planung
Zu jenen, die sich hingegen mit ihrer Geschäftsidee nachhaltig durchgesetzt haben, zählt Sonnentor-Gründer Johannes Gutmann. Die Inspiration überkam ihn vor über 20 Jahren ausgerechnet am Zwettler Bauernmarkt. Dort boten zwar viele Landwirte ihre Gewürze und Kräuter feil, gingen aber ob magerer Umsätze und der am Marktstand für die Arbeit am Hof verlorenen Zeit eher frustriert nachhause. Gutmann nahm den Bauern den ungeliebten Verkaufsjob ab, bot die Naturprodukte aus einer Hand an und gab ihnen den entscheidenden Mehrwert. „Ich habe aus der bäuerlichen Leistung eine Marke gemacht“, sagt Gutmann, der sich als intuitiv-genia­ler Markenstratege entpuppte. „Gutmann merkt sich keiner, aber eine lachende Sonne hat ihren Wiedererkennungswert.“ Heute steht die Marke Sonnentor für veredelte, biologische Produkte. Gutmann setzt damit 20 Millionen Euro pro Jahr um und beschäftigt mehr als 200 Mitarbeiter in Österreich und Tschechien.

Beratung im Gründerumfeld immer gefragter
„Für mich war das alles Learning by ­Doing“, erinnert sich der Gründer – und engagiert sich dafür, dass es junge Unternehmerkollegen heutzutage leichter haben. Als einer von zehn etablierten Unter­nehmern lädt er Gründer im Rahmen der Initiative „WiP – Wirtschaftsantrieb am Punkt“ in seinen Betrieb ein, gibt Einblicke in seine Erfolgsrezepte und Tipps.
Beratung und Netzwerke. „In den letzten Jahren zeigte sich, dass Beratung und Teilnahme an Netzwerken im Gründerumfeld immer stärker gefragt sind“, erklärt Dietmar Gombotz, Vorsitzender der Jungen Wirtschaft Wien. Gründern steht dabei heute ein vielfältiges Spektrum an Angeboten offen.

Beratungs- und Förderstellen finden
Die Wirtschaftskammer weist den Weg zu den weiteren Beratungs- und Förderstellen, die den Fahrplan zur Selbständigkeit unterstützen und Coaching sowie Hilfestellungen bei professionellen Erfordernissen wie der Ausarbeitung eines Businessplans anbieten. Sofie Quidenus (siehe Bild) gründete ihr Unternehmen vor fünf Jahren mit Unterstützung von "INiTs" , einem speziellen Service für Gründer aus dem Umfeld von Universitäten. Die WU-Absolventin am Institut für Entrepreneurship und Innovation brachte zunächst eine Umblätterhilfe für Notenständer auf den Markt – daraus entwickelte sich die Idee, den Mechanismus des „bionischen Fingers“ auch bei der Digitalisierung von Buchbeständen zum Einsatz zu bringen. In Archiven und Bibliotheken ist ihr Produkt „QiScan“ bereits erfolgreich im Einsatz.

Erfahrung und Selbstbewusstein
„Gerade in der ersten Phase, in der man rund um die Uhr mit hochgekrempelten Ärmeln arbeitet, ist es wichtig, sich auch immer wieder den Businessplan vor Augen zu halten und wenn notwendig zu adaptieren“, hat sie aus ihrer Erfahrung gelernt. Mittlerweile ist sie „von der Gründerin zur Geschäftsführerin geworden“, nimmt sich Zeit für strategische Planungen und kümmert sich darum, dass die Mitarbeiter ihre Stärken zum Nutzen des Unternehmens am besten zur Geltung bringen: „Ich bin technisch mittelbegabt und froh, dass ich Leute habe, die wirkliche Experten auf diesem Gebiet sind.“ Von hauptberuflichen Bedenkenträgern sollten sich Jungunternehmer ihrer Meinung nach keinesfalls ins Bockshorn jagen lassen: „Es gibt immer Leute, die wissen, warum etwas nicht geht. Man sollte sich professionell vorbereiten und beraten lassen, aber dann nicht mehr von seinem Weg abweichen.“

Im Ring mit professionellen Beratern
Als „Sparringpartner für Unternehmer“ sieht sich Harald Weiss, der selbst seit Anfang März als Firmengründer mit seiner Geschäftsidee am Markt ist. Mit „MeinController.at“ möchte er sich als eine Art „kaufmännischer Hausarzt“ für andere Selbständige profilieren. „Fehlendes Controlling und mangelndes Risikobewusstsein sind die häufigsten Ursachen für das Scheitern“, erklärt Weiss. Er selbst setzt auf Empfehlungen von Banken und Steuerberatern, die um die Bedeutung einer kennzahlenbasierten Unternehmensführung wissen und ihren Klienten den externen Controller ans Herz legen. Der gelernte Mediziner Leonhardt Bauer wiederum hat seine Vision, pflanzliche Wirkstoffe chemisch nachzubauen, bereits in Form eines Präparats gegen Altersdiabetes realisiert, für dessen Testphase er nun weitere Finanzierungen sucht. Bei Marktreife winken Millionenerträge, und Mutter Natur würde sich nicht nur für den Sonnentor-Chef, sondern auch für Mediziner Bauer als gute Geschäftsgrundlage erweisen.

Dina Elmani, Michael Schmid

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