Rent a CFO: Consulting-Unternehmen vermietet Finanzmanager auf Zeit

Consulter Management Factory ist Spezialist für Problemstellungen im Finanzbereich. Dazu gehen die Berater zuweilen auch selbst in die Geschäftsführung ihrer Klienten – wie etwa gerade beim Skihersteller Fischer.

„Rent a CFO“ – so lautet das ungewöhnliche Angebot, das das Beratungsunternehmen Management Factory am Markt etabliert hat. Zusammen mit seinen Geschäftsführerkollegen Reinhold Pfeifer und Thomas Tschol hat der Consulter Gerhard Wüest ein innovatives Geschäftskonzept in seiner eigenen Firma umgesetzt: Der Chief Financial Officer von außen übernimmt dabei für eine begrenzte Zeit das Ruder im jeweiligen Unternehmen, setzt ganz konkrete Projekte um oder löst die vorhandenen Probleme und übergibt dann einen optimal aufgestellten Betrieb an seinen Nachfolger.

Klar eingegrenzte Projekte
„Als wir mit der Management Factory vor sieben Jahren gestartet sind“, erzählt Finanzexperte Wüest, der zuvor Beratungserfahrung bei Ernst & Young sowie Capgemini gesammelt hatte, „erkannten wir, dass in unserem wichtigsten Kundensegment, dem gehobenen heimischen Mittelstand, neben Beratungsleistungen gerade bei Projekten im Finanzbereich oft auch die Überbrückung von fehlenden Managementkapazitäten gefragt war.“ Die zeitlich begrenzte Perspektive ist dabei ein wesentlicher Faktor. „Der Zeitrahmen liegt zwischen einem halben Jahr und zwei Jahren, das Engagement darf nicht permanent werden“, erklärt Wüest.

Expansion oder Sanierung
Entscheidet sich ein Unternehmen dafür, einen Finanzchef auf Zeit von außen zu holen, steht meist eines von zwei Grundmotiven dahinter: Expansion oder Sanierung. In beiden Fällen hilft die „Macht auf Zeit“, die der Finanzmanager übernimmt, auch unpopuläre und unangenehme Entscheidungen durchzusetzen. „Als Rent-CFO ist man weniger angreifbar und stärker auf die Sache fokussiert, gerade wenn es um harte Schnitte geht“, weiß Wüest aus seiner Erfahrung. Firmeneigentümer, die nicht nur Beraterkonzepte erarbeiten lassen, sondern darüber hinaus auch einen operativen Interimsmanager einsetzen, dokumentieren nach innen und außen vor allem eines: Ihnen ist es mit der Umsetzung ernst, sehr ernst!

Pilotprojekt für Prozessfinanzierer
Erstmals umgesetzt hat Management Factory das „Rent a CFO“-Konzept für den Prozessfinanzierer Advofin. Der hatte gerade Private-Equity-Kapital bekommen, um damit kräftig zu expandieren. Diese Kapitalgeber waren natürlich daran interessiert, dass dort ein perfekt funktionierendes Finanzmanagement aufgebaut wird.
Auch bei Kapsch CarrierCom wurde ein Finanzmanager auf Zeit engagiert, um das Unternehmen fit für einen großen Wachstumsschritt zu machen. „Management Factory hat eine Restrukturierung für die anstehende Südosteuropa-Expansion umgesetzt. So konnten wir beispielsweise 60 Prozent der Controllingkosten einsparen, bei gleichzeitig höherer Qualität und in deutlich kürzeren Reportingzeiträumen“, berichtet Kapsch-CarrierCom-Vorstand Ingolf Planer. Auch die stark im Osten expandierende Baumarktkette bauMax setzte auf die Fach- und Projektkompetenz der externen Finanzexperten.

Beratung und Management auf Zeit
Management Factory beschäftigt mittlerweile insgesamt 16 Mitarbeiter und hat sich neben „Rent a CFO“ auch auf Beratung in den Bereichen Mergers & Acquisitions, Restrukturierung, Prozess- und Projektmanagement sowie Corporate Performance Management (CPM; ein Überbegriff, der alle Prozesse, Methoden und Systeme beschreibt, die benötigt werden, um die Leistung in einem Unternehmen zu messen und zu steuern) spezialisiert. Diese Palette wird sowohl in Form klassischer Beratungsprojekte als auch in Verbindung mit der befristeten Übernahme von Managementmandaten angeboten. „Große internationale Berater dürfen nicht in die Geschäftsführung von Klienten eintreten, andere Berater, die das temporär tun, sind meist Einzelkämpfer. Insofern haben wir mit unserem Modell eine Alleinstellung am Beratungsmarkt“, sagt Wüest.

Wechselfreudige Berater
Dauerhaft ins Managementfach zu wechseln ist dagegen vor allem für Berater, die ein paar Jahre Erfahrung bei renommierten Consultingunternehmen vorzuweisen haben, ein gängiges Modell. So knüpfte Alessandro Profumo wichtige Kontakte, als er in Mailand für McKinsey werkte, ehe er zum UniCredit-Boss aufstieg. Temporäre Managementhilfe kommt – nolens volens – am ehesten noch bei Sanierungsfonds vor, die Firmen in Schieflage aufkaufen, sanieren und dann wieder abstoßen. So ging etwa Paul Niederkofler, Partner im VMS-Restrukturierungsfonds, ins operative Management der Elektrokette Niedermeyer – ein Einsatz, der angesichts der sich eher zäh dahinziehenden Restrukturierung länger dauern könnte als geplant.

Restrukturierungsfall Fischer
Dieser Gefahr möchte sich Gerhard Wüest bei seinem aktuellen Engagement nicht aussetzen, auch wenn es sich dabei um eine äußerst vielschichtige Restrukturierung handelt. Zunächst nur mit den Finanzagenden in der Holding der Fischer-Gruppe betraut, übernahm er heuer auch noch interimistisch die Geschäftsführung der operativen Tochter Fischer Sports, die Alpin- und Langlaufski sowie Tennisschläger herstellt (siehe Manager auf Zeit für Fischer Holding ). „Bei Fischer sind insgesamt vier Leute aus der Management Factory im Einsatz, wir stellen unter anderem auch den Rechnungswesen- und Controllingchef“, erklärt er den außergewöhnlichen Umfang des Projekts. Neben üblichen sanierungstechnischen „Hausaufgaben“ wie Kostenreduktion und Sortimentsstraffung ist für die dort anstehenden Herausforderungen unter anderem profunde M&A-Expertise erforderlich.

Auf Partnersuche
Nach dem Verkauf der FACC-Anteile an die bisherigen Mitbesitzer sucht Wüest nun auch für den Fahrzeugzulieferer FCT einen passenden Partner, der dort durchaus die Mehrheit übernehmen soll. Und auch für das Kerngeschäft bei Fischer Sports wäre ein passender Partner, der die starke Winterlastigkeit des Geschäfts abfedert, durchaus willkommen.
Um für die Partnersuche fit zu werden, ließ Wüest Fischer gehörig abspecken. So mussten am Stammsitz Ried Mitarbeiter gehen, weil die Skiproduktion verstärkt in die Ukraine verlagert wurde – eine Entscheidung, die ein externer Manager auf Zeit sicher leichter durchsetzen konnte als eine regional verankerte Führungskraft.

Von Michael Schmid

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