Prahalad: 'Schwellenländer als Märkte und gleichgestellte Geschäftspartner erschließen'

Teil 1 der FORMAT-Gespräche mit Wirtschaftsvordenkern: C. K. Prahalad über die Bedeutung der Schwellenländer. Der Strategie-Experte wurde von der Londoner „Times“ zum wichtigsten Management-Vordenker des Jahres gewählt. FORMAT sprach mit ihm im Rahmen des ersten globalen Peter-Drucker-Forums in Wien.

FORMAT: Der Managementtheoretiker Peter Drucker hat gesagt, dass jedes aktuelle soziale Problem eine zukünftige Geschäftsmöglichkeit darstellt. Ist das eine Ansicht, die Sie teilen können?
Prahalad: Die zurzeit größten sozialen Probleme sind Armut und Nachhaltigkeit im Sinne einer nachhaltigen Bewirtschaftung des Planeten. Es ist klar, dass wir das eine Problem nicht ohne das andere lösen können, aber beide lösen müssen. Befreien wir auch nur einen Bruchteil der Menschen aus ihrer Armut, kann sich das ohne weitere sinnvolle Maßnahmen negativ auf unser Ökosystem auswirken. Könnten sich auch nur wenige Prozent der vier Milliarden von Armut betroffenen Menschen plötzlich ein Auto leisten, wird es schwierig. Die Herausforderung ist also, Mikrokonsumenten und daran anschließend Mikroproduzenten zu ermöglichen, die nachhaltig wirtschaften können – sowohl für sich selbst als auch für die Umwelt.

"Verantwortlichkeit über Kernzahlen hinaus"
FORMAT: Ist die momentane Krise und die damit einhergehende Zunahme an weltweiter Armut der richtige Zeitpunkt, diese Märkte zu erschließen?
Prahalad: Der Zeitpunkt ist perfekt. Unternehmen müssen sich fragen, ob sie die richtigen Produkte und die richtigen Businessmodelle haben, um Menschen in den neuen Märkten anzusprechen. Mehr Flexibilität und Kreativität sind unbedingt nötig. Nur auf einen bestimmten Deckungsbeitrag abzuzielen ist zu kurz gedacht. In unseren Studien haben wir gezeigt, dass es profitabel und gleichzeitig nachhaltig für Unternehmen sein kann, diese Bevölkerungsschichten zu Konsumenten zu machen.
FORMAT: Welche anderen Lehren haben Sie aus der Krise gezogen?
Prahalad: Die Krise hat mich darin bestärkt, dass es noch wichtiger für westliche Unternehmen sein wird, die Schwellenländer als Märkte, aber auch als gleichgestellte Geschäftspartner zu erschließen. Sie werden sonst den nächsten Wachstumsschub nicht mitmachen. Der andere große Punkt ist, dass die Verantwortlichkeit von Managern über die rein finanziellen Kernzahlen hinausgehen muss. Verantwortlichkeit muss bei jedem selbst beginnen, jeder muss sich wieder fragen, kann ich das für mich – nicht für den Shareholder – verantworten.

"Brauchen breiteres Wirtschaftsverständnis"
FORMAT: Muss sich die Managementausbildung dahingehend ändern?
Prahalad: Ja, Wirtschaftsstudien haben sich zu einer sehr spezialisierten, anwendungsorientierten Ausbildung entwickelt. Wir brauchen jedoch ein breiteres Verständnis von Wirtschaft. Wir müssen verstehen, was schieflaufen kann und dass es „dominante Ideen“ wie Bewertungssysteme zu hinterfragen gilt, um zum Beispiel die ärmsten Bevölkerungsschichten zu erreichen. Bewertungssysteme spielen auch dann eine Rolle, wenn man arbeitende Menschen nur als einen Kostenblock versteht, den man einfach streichen kann. Wir müssen verstehen, dass jedes Unternehmen auch eine soziale und somit politische Rolle spielt, die es erfüllen muss.
FORMAT: Wo liegt die Grenze zwischen unternehmerischer und gesellschaftlicher Verantwortung?
Prahalad: Die harten Entscheidungen müssen weiterhin getroffen werden. Wenn ein Unternehmen seine Produktionsstätte von Österreich nach Indien verlegt und damit seine Stückkosten von 100 Euro auf zehn Euro senkt, muss es sich aber fragen: Habe ich nicht die Verpflichtung, die Menschen, die in Österreich nun ihre Arbeit verlieren, an den ersparten 90 Euro teilhaben zu lassen?

Interview: Martina Bachler

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