Power durch Auszeit: Durchstarten mit Sabbatical und Weiterbildung

Armin Wolf kommt nach der Auszeit mit aufgeladenen Batterien zurück. „ZiB 2“-Moderator als Trendsetter: Immer mehr in Bildungskarenz. FORMAT präsentiert Fallbeispiele: Durchstarten nach dem Sabbatical.

Armin Wolf ist an diesem Frühsommernachmittag sichtlich entspannt. Mit Poloshirt und heller Sommerhose ist sein Outfit perfekt für die Location: „Am Himmel“, an der Wiener Höhenstraße gelegen mit weitem Blick über die Bundeshauptstadt, trifft der Starmoderator der „Zeit im Bild 2“ lässig gekleidet und auf die Minute pünktlich im Restaurant Oktogon zum FORMAT-Interview ein. Noch ein Detail verleiht dem am Bildschirm stets hochseriös wirkenden Topjournalisten fast ungewohnt lockeres Flair: Der – grob geschätzt – Fünfeinhalbtagebart rundet das an einen Uni-Professor in den Sommerferien erinnernde Gesamtbild ab.

Neun Monate Auszeit für Studium

Wolfs entspannte Erscheinung hat gute Gründe. Und auch das mit der akademischen Aura ist nicht ganz daneben: Er hat neun Monate Auszeit von seinem stressigen Job hinter sich, die er einem Studium an der Berlin School of Creative Leadership, einer Kaderschmiede für Kreative aus aller Welt, gewidmet hat. Ende April schloss er mit dem „Master of ­Business Administration“ (MBA) ab. So lange Ferien wie in den letzten Wochen, merkt er an, hätte er nicht einmal während seiner Schulzeit gehabt.
„Meine Batterien sind aufgeladen“, sagt Wolf kurz vor seinem Bildschirm-Comeback in der „ZiB 2“ am kommenden Montag.

Dabei lässt er jedoch keinerlei Zweifel daran aufkommen, dass sein insgesamt zweijähriges Studium neben einer bereichernden Erfahrung mit hochkarätigen internationalen Kommilitonen und Lehrenden auch eine beinharte und fordernde Ausbildung in Leadership und Management war. „Eine Art akademisches Bootcamp“, formuliert der ebenso geachtete wie gefürchtete TV-Interviewer gewohnt prägnant.

Unerhörtes Ansinnen am Küniglberg

Vor einem Jahr, die Arbeit an seiner Master Thesis stand unmittelbar bevor, stellte er daher ein auf dem Küniglberg von einem Moderator bis dahin unerhörtes Ansinnen: Wolf wollte in Bildungskarenz. „Ich hatte Angst, dass ich meine Familie, vor allem die Kinder, gar nicht mehr sehen würde“, begründet er den Schritt. Die Aussicht, monatelang auf das Nachrichten-Zugpferd verzichten zu müssen, löste beim ORF begreiflicherweise nicht nur Begeisterung aus. „Eigentlich wollte ich ein Jahr gehen, wir haben uns dann auf neun Monate geeinigt“, beschreibt Wolf den Ausgang der Verhandlungen.

Run auf die Bildungsauszeit

Mit seiner Bildungskarenz liegt er jedenfalls voll im Trend. Seit mit Beginn der Wirtschafts­krise die Zugangsvoraussetzungen ­deutlich gelockert wurden, hat ein regelrech-ter Run auf dieses Instrument eingesetzt. Ließen sich in den Jahren zuvor im Schnitt 1.000 bis 1.500 Personen zu Weiterbildungszwecken von ihren Arbeitgebern freistellen, waren es im Jahresschnitt 2009 schon fast 5.000. Die Spitzenwerte kletterten in den letzten Monaten des Vorjahres sogar auf fast 7.000 Personen.

„Bildungskarenz bietet die Möglichkeit, in der Krise den Personalstand zu halten und die Mitarbeiter ­gleichzeitig fortzubilden“, erklärt AMS-Sprecherin Beate Sprenger. Bildungskarenz kann mit dem Arbeitgeber für mindestens zwei Monate und maximal ein Jahr vereinbart und beim AMS beantragt werden. Dann erhält der Arbeitnehmer während der Bildungsauszeit so viel Geld, wie ihm auch bei ­Arbeitslosigkeit zu­stünde. Vor­aussetzung: Weiterbildung im Ausmaß von mindestens 20 Wochen­stunden.

Berufliche Neuorientierung im Trend

Tatsächlich dürften aber auch viele Mitarbeiter, deren Jobs nicht unmittelbar krisenbedingt in Gefahr geraten sind, die Gelegenheit beim Schopf gepackt haben, um sich einen lange aufgeschobenen Wunsch nach Auszeit, Bildung und ­Neuorientierung zu erfüllen. Berufliche Ver­änderung in weiterer Folge nicht aus­geschlossen – wie etwa bei Andrea Lehky, bisher Marketingmanagerin des Personaldienstleisters Manpower. Sie betrieb während der Bildungskarenz ihr Studium „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Uni Krems so intensiv, dass sie den an sich viersemestrigen Lehrgang innerhalb des Bildungsjahres schaffte. Jetzt startet sie voller Power und „ohne jede Angst vor der Selbständigkeit“ ihre zweite Karriere im Journalismus.

Anlauf zum Karrieresprung

Während Armin Wolf seinen MBA primär aus Freude am Lernen und an neuen Erfahrungen absolviert hat und nun mit der daraus resul­tierenden Kraft in seinen alten Job zurückkehrt, steht im Hintergrund einer solchen Bildungsanstrengung für viele ­neben der Horizonterweiterung auch eine Karriereambition. Als etwa Martin Hagleitner, damals bereits gut verdienender Wirtschaftsanwalt, ganz bewusst ein anderes berufliches ­Umfeld suchte, das seinem Interesse an strategischen Themen mehr entsprach, fasste er nur die weltweit renommiertesten Business Schools ins Auge, um dort ein MBA-Programm zu absolvieren. Er nahm sich ein Jahr Auszeit und ging an die britische Warwick Business School. Schon während seines Programms hatte er Jobge­spräche mit Top-Unternehmen und Investmentbanken. Entschieden hat er sich letztlich für einen globalen Strategieberater, heute leitet Hagleitner als Geschäftsführer Malik
Management in Österreich.

Harvard als Sprungbrett in Konzernvorstand

Die Bildungskarenz für ein Harvard-Masterprogramm wurde für Werner ­Wutscher mit einer kleinen Zeitverzögerung zum Sprungbrett in einen Konzernvorstand. Der damalige Generalsekretär des Landwirtschaftsministeriums kehrte als „Master of Public Administration“ für zwei Jahre an seine Wirkungsstätte zurück, ehe er zum Vorstand der Rewe Group Austria berufen wurde. „Die Auszeit hat eine wichtige Rolle für meinen Karrieresprung gespielt. Sinnvoll ist ein solches Programm mit einer gewissen Berufs- und Führungserfahrung“, sagt Wutscher.

Umstieg und Aufstieg

Martina Ernst wiederum hatte es beim Sprachaus­bildungsspezialisten Berlitz bereits zur Geschäftsführerin gebracht, als ihr Wunsch nach Veränderung übermächtig wurde. „Es hat Spaß gemacht, ich war erfolgreich, wurde alle paar Jahre befördert. Aber ich dachte mir dann, das gibt’s doch nicht, dass mein ganzes Leben nur mit einer Firma verbunden ist“, erinnert sie sich. Das Unternehmen bot ihr sogar ein Sabba­tical an, doch die Managerin zog ihr Ding durch, kündigte, gönnte sich eine privat finanzierte Auszeit und die MBA-Ausbildung an der WU Executive Academy.

„Ich hatte das Glück, dass ich dieses Lernen genießen und mich wirklich in die Materie vertiefen konnte. Das habe ich als extrem beglückenden Lernluxus empfunden“, erzählt sie vom Glück des Lernens unabhängig von den Belastungen eines Berufsalltags. Nach Abschluss hatte sie ­innerhalb von drei Monaten sechs Job­angebote und entschied sich für die UniCredit Bank Austria AG, wo sie jetzt für das Personalwesen einer Division in Öster­reich und den CEE-Ländern zuständig ist.

Überzogene Erwartungen

Ein Freibrief zum Aufstieg ist Weiterbildung – ob berufs­begleitend oder im Sabbatical ­absolviert – allerdings nicht. „Niemand macht einen Karriereschritt nur wegen ­einer solchen Ausbildung. Sie kann ein wichtiges Kriterium unter vielen sein, aber einen Automatismus gibt es nicht“, sagt der Headhunter Andreas Landgrebe, CEE-Chef des globalen Executive-Search-­Spezialisten Boyden. Er konstatiert, dass speziell Neo-MBAs oft mit nicht erfüllbaren Erwartungshaltungen in Unternehmen zurückkommen und daher „veränderungsgefährdet“ seien.

Dieser Versuchung gegenüber zeigte sich Christian Bauer, Leiter des Business Marketings bei der Telekom Austria, jedenfalls resistent. Er hat es im Unternehmen vom Lehrling bis in die Management­etage geschafft, indem er mit laufender Weiterbildung auf die rasante Entwicklung von Markt und Technik in seiner Branche reagierte. Zuletzt durch einen MBA an der Linzer Limak, der durch ein Modul in Boston auch die internationale Dimension abdeckte.

Netzwerk wertvoller Kontakte

„Die Erweiterung des fachlichen, kultu­rellen und sprachlichen Horizonts durch qualitativ gute internationale Programme ist evident“, so Experte Landgrebe. Und man gewinnt dabei ein Netzwerk wertvoller Kontakte. „ZiB 2“-Anchor Wolf kommt geradezu ins Schwärmen, wenn er von internationalen Kollegen an der Berlin School erzählt: Von der Rumänin, die ihre Studienbegleiter gerade per Mail davon informiert hat, dass sie zum CEO ihrer Firma befördert wurde. Oder von dem Amerikaner, der während des Tokio-Moduls als Übung einen Businessplan für den Markteintritt in Asien entwickelte. Den zeigte er seinem Chef und erhielt prompt die Aufgabe, ihn sofort in die Praxis umzusetzen – was die Übersiedelung von Washington nach Singapur mit sich brachte.

„Der Manager von heute ist mobil, interessiert und ‚menschelt‘. Den Blick über den Tellerrand kann man mit Postgra­duate-Studien, aber auch mit Weltreisen schärfen“, sieht Gert Herold, Managing Partner des Executive-Search-Unternehmens Stanton Chase, Auszeiten jedenfalls in einem positiven Licht.

Kopf frei, Bart ab

Liegt das typische Alter für längere Bildungsauszeiten bei Mitte 30 bis Anfang 40, ist es bei internationalen Strategieberatern gang und gäbe, junge Mitarbeiter nach etwa zwei Jahren im Job bis zu zwei Jahre für Postgraduate-Studien freizustellen und finanziell zu ­unterstützen. „Für uns ist wichtig, dass sie danach wieder bei uns einsteigen“, sagt Angela Dum, Recruiting-Verantwortliche bei Booz & Company. Sie selbst nutzt ­längere Auszeiten, um den Kopf frei zu ­bekommen zum – „zielgerichteten Nichtstun“. Das Ergebnis: „Die Erfahrung hat mich bestärkt, voll in die Beratung zurück­zugehen.“

Zurück in den Job heißt es nun auch für Armin Wolf. Ein Attribut seiner ­Freiheit muss er dafür opfern: Der fesche Bart sieht am Bildschirm leider nicht so gut aus und muss noch ab.

Dina Elmani, Michael Schmid

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