Papst Franziskus und der Jesuitenorden – Leadership im Namen Gottes

Papst Franziskus und der Jesuitenorden – Leadership im Namen Gottes

Kaum hatten die Kardinäle in Rom den neuen Papst Franziskus gewählt, brachte das Magazin "Forbes“ plausibel auf den Punkt, was sie wohl dazu bewogen haben mochte, erstmals in der Kirchengeschichte einen Angehörigen der Societas Jesu (SJ), also der Jesuiten, auf den Stuhl Petri zu setzen: "If you have a tough job to do, hire a Jesuit.“

Tatsächlich gelten die Angehörigen des 1534 von Ignatius von Loyola gegründeten Ordens seit Jahrhunderten als besonders tüchtige Elite innerhalb der katholischen Kirche, die sich durch hohe Bildung, intellektuelle Brillanz sowie durch Zielstrebigkeit, Beharrlichkeit und Durchsetzungsstärke auszeichnet. Die vom Ordensgründer vorgegebenen innovativen Prinzipien und Strukturen erwiesen sich als Erfolgsfaktoren in einer von Umbrüchen geprägten Zeit: Durch ein strenges Auswahlverfahren und eine Elite-Ausbildung gegangen, wissenschaftlich auf der Höhe der Zeit, global einsetzbar, weil nicht an ein bestimmtes Kloster gebunden, dabei aber einer straffen, zentralistischen Organisation verpflichtet, glich das Profil von Jesuitenmissionaren frappierend dem heutiger Management-Consultants in Diensten globaler Beratungsunternehmen. "Der Jesuitenorden war als globale Handels- und Wissensorganisation rund um die Welt tätig, in Japan und China, in Indien und Südamerika“, erinnert der Managementberater Fredmund Malik an Zeiten, als der Orden zudem auch als Berater von Päpsten und Herrscherhäusern zum weltpolitischen Machtfaktor aufstieg.

Gerade deshalb wurden die Jesuiten später angefeindet, in manchen Ländern sogar verboten. Heute tut sich der mit rund 18.000 Mitgliedern zahlenmäßig stärkste Orden innerhalb der Kirche als Betreiber von Eliteschulen und Universitäten hervor (siehe " Mission Elitenbildung "). Auch Manager wollen von Ignatius’ Prinzipien und dem Wissen seiner Nachfolger lernen. So profilierte sich Rupert Lay, Jesuitenpater, Philosophieprofessor, Psychologe und Betriebswirt, als Unternehmensberater, der Führungskräften bei gut gebuchten Seminaren ins Gewissen redet. Insider wie Theologe und Management-Trainer Helmut Geiselhart oder Ex-Jesuit Chris Lowney, später als Banker im Vorstand der Investmentbank JPMorgan, zeigen in Publikationen, wie Manager unserer Zeit von jesuitischen Prinzipien profitieren können:

• Ausbildung: höchste interdisziplinäre Ansprüche auf Basis individueller Fähigkeit

Die Ausbildung im engeren Sinn dauert bei den Jesuiten mindestens zehn Jahre. Zwei Studien sind obligatorisch: Zur theologischen und pastoralen Ausbildung kommt eine zweite Fachausbildung oder ein Doktorat. Vor Ordenseintritt erworbene Qualifikationen werden bei der internen Ausbildung berücksichtigt, jeder Novize erhält sein individuelles Programm. Persönlichkeitsbildung, Sprachen, interkulturelle und interreligiöse Kompetenz, Führungskompetenz sowie Armutserfahrung sind fixe Module im jesuitischen Bildungsprogramm.

• Selbstreflexion: Exerzitien als Instrument für Innovation und Leadership-Training

Die berühmten Jesuiten-Exerzitien sind nichts anderes als strukturierte Selbstreflexion, deren Methodik Ignatius vorgab. Die von ihm geforderte tabellarische Eintragung von Fehlern und Fortschritten erkannte der Soziologe Max Weber als modernes Instrument des Verbesserungsstrebens und damit als Grundlage des Kapitalismus, dessen Entstehung er sonst eher dem Protestantismus zuschreibt. "Die Jesuiten waren überzeugt, dass Leadership damit beginnt, sich selbst zu managen. Und sie trainierten jeden Novizen, ein Leader zu werden“, meint Ex-Jesuit und Banker Lowney.

• Entscheidungsfindung nach Ignatius: bis heute betriebswirtschaftlicher Standard

Ignatius’ Vorgangsweise nimmt betriebswirtschaftliche Entscheidungsregeln unter Unsicherheit voraus. Sie beruht auf der Grundlage der rationalen Bewertung der Vor- und Nachteile von Alternativen. "Man wundert sich, warum die betriebswirtschaftliche Theorie keine Best-Choice-Regel für rationale Entscheidungen unter Unsicherheit nach Ignatius in ihr Repertoire aufgenommen hat“, zollt ein heutiger Fachautor Respekt.

• Motivation: Wer Werte hat, braucht keine monetären Anreizsysteme

Auch wenn nicht jeder Manager dem Armutsgelübde der Jesuiten folgen wird, zeigt deren Beispiel, dass intrinsische Motivatoren weit stärker wirksam sind als jedes finanzielle Anreizsystem.

• Steuerung: zentral, systemisch, nachhaltig, selbsterneuernd - und zwar zugleich

Formal betrachtet eine zentral und von oben gesteuerte Organisation, gelingt dem Orden seit Jahrhunderten dennoch eine zeitgemäße Selbsterneuerung. Durch beständiges internes Reflektieren und Infragestellen sind die Jesuiten eine lernende Organisation, ein System, das sich unter geänderten Umweltbedingungen wandelt, aber seine Identität behält.

• Networking: Mächtige Multiplikatoren mehren den Einfluss

Alumni-Organisationen sorgen dafür, dass ehemalige Schüler und Studenten jesuitischer Elite-Bildungseinrichtungen nicht aus dem Blickfeld des Ordens geraten. Das kann bei einem so illustren Kreis von Absolventen, der von Bill Clinton über Mario Draghi bis Stefan Raab reicht, ja nie schaden.

Franziskus, der erste Pontifex aus dem Orden, der die Päpste bisher nur beriet, kann diese Erfolgsprinzipien nun jedenfalls sicher gut gebrauchen. Einen Berater bestellen Organisationen nämlich meist nur dann zum Chef, wenn sie in einer schweren Krise sind.

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