Österreichs beste Privatinestoren und
ihre erfolgreichen Investments

Österreichs beste Privatinvestoren wurden am Austrian Business Angel Day ausgezeichnet. FORMAT blickt hinter die Kulissen des Geschäfts mit der Finanzierung aufstrebender junger Unternehmen.

Einen perfekten Riecher bewies die Jury des Business Angel Awards im Vorjahr: Sie zeichnete Manfred Reichl für sein Investment in das vom Top-Wissenschaftler Josef Penninger gegründete Biotechnologieunternehmen Apeiron mit dem Preis für den besten österreichischen Privatinvestor aus. Heuer schloss Apeiron einen 240-Millionen-Euro-Deal mit dem Pharmamulti GlaxoSmithKline zur Weiterentwicklung eines Enzyms als Wirkstoff gegen akutes Lungenversagen ab – über den konnten sich neben Reichl auch prominente Mitinvestoren wie Hannes Androsch und Martin Bartenstein freuen, die ebenfalls in die Finanzierung des Start-ups investiert hatten.

Reichl verkörpert ziemlich exakt das Idealbild eines Business Angels: Der langjährige Chef des Beratungsunternehmens Roland Berger in Österreich und CEE verfügt nicht nur über den finanziellen Hintergrund, um sich an interessanten aufstrebenden Unternehmen zu beteiligen, sondern bringt darüber hin aus auch seine Erfahrung, seine Netzwerke und Kontakte mit ein, um aus einer zündenden Idee letztlich einen wirtschaftlichen Erfolg zu machen. „Ich bin in insgesamt acht Unternehmen investiert“, erzählt Reichl über sein Investmentportfolio, „das Engagement bei Apeiron ist deshalb sehr umfangreich, weil ich dort immer wieder Geld nachgeschossen habe.“ Dort sorgt er auch als Aufsichtsratschef dafür, dass das Unternehmen auf Erfolgskurs bleibt. Die Perspektive von Business Angels ist klar: Entwickeln sich ihre Investments positiv, beteiligen sich in der Folge auch institutionelle Investoren wie Venture-Capital-Gesellschaften oder andere Partner. Ziel ist letztlich der gewinnbringende Verkauf der Anteile an einen strategischen Investor oder über einen Börsengang.

Erfolgsgeschichten

Genau das haben einige der kürzlich am Business Angel Day ausgezeichneten Nachfolger Reichls geschafft. Sieger Markus Wagner, Gründer der auf die Finanzierung von Web- und Mobile-Business-Models spezialisierten i5invest, landete etwa mit dem Verkauf des Personensucheportals 123people an eine französische Gruppe seinen Coup. Ebenfalls bereits erfolgreich ausgestiegen ist Business Angel Christian Lutz aus der Internetfirma FatFoogoo, die sich in den letzten Jahren zu einem der führenden Anbieter von Mikrotransaktionssystemen für die Online-Spieleindustrie entwickelt hat. FatFoogoo wurde im Mai an den US-Konzern Digital River verkauft. Dafür flossen jedenfalls bereits zehn Millionen Dollar. Erreicht FatFoogoo in den kommenden Jahren alle Geschäftsziele, gibt es einen Nachschlag, und die Investoren können ihr eingesetztes Kapital verfünffachen.

Nachholbedarf

Trotz dieser Erfolgsbeispiele führen Business Angels in Österreich bisher eher ein Schattendasein. „Der Markt in Nordamerika ist deutlich reifer als der in den deutschsprachigen Ländern“, stellt Michael Steiner, Managing Director von First Love Capital und Organisator des Business Angel Days, fest. In den USA machen Angel-Investments etwa 0,05 Prozent des BIP aus, in Österreich liegt deren Anteil mit 0,01 Prozent noch einmal um die Hälfte niedriger als in der Schweiz und in Deutschland. Steiner will diesem Umstand auch durch Erfahrungsaustausch mit internationalen Größen der Early-Stage-Finanzierung entgegenwirken. Dafür konnte er etwa den in der Venture-Finanzierungsszene als feste Größe bekannten Investor Erik Wenngren als Referenten gewinnen. Für Wenngren steht und fällt der Erfolg mit dem Engagement des Business Angels für seine Unternehmensschützlinge. „Early stage investing is a full contact sport“, bringt das der Schwede auf den Punkt.

Einblicke in seine Strategien und das professionelle Umfeld, das sich Privatinvestoren schaffen sollten, gab auch der in Berlin lebende Investor Lukasz Gadowski, Mitbegründer von Webunternehmen wie Spreadshirt, studiVZ sowie brands4friends. Quintessenz der Diskussionen um Erfolgsfaktoren: Ein gewisses professionelles Umfeld im Bereich Rechts- und Steuerberatung ist ebenso Standard wie eher informelle Kontakte zu anderen Business Angels, die je nach Erfordernis als Branchenexperten oder Ko-Investoren agieren. Wichtiger als diese „Investment Intelligence“ ist aber das Grundgespür. „Natürlich habe ich Übung darin, Geschäftsmodelle auf Plausibilität zu prüfen, und ich greife ein, wenn ich sehe, dass etwas nicht gut läuft. Aber das ist nicht vertraglich geregelt. Und letztlich schaue ich den Leuten in die Augen, in deren Business ich investiere“, erklärt Paradefinanzierer Reichl seine Vorgangsweise.

Business sucht Angel

Gelegenheit dazu bot sich ihm und den übrigen am Business Angel Day vertretenen Finanzierern bei der Präsentation von sechs konkreten Geschäftsideen, die auf der Suche nach Kapital sind. Die Palette reichte dabei vom solaren Wasserdesinfektionsgerät über eine Software, die Anwendern bei der Suche nach Dokumenten auf ihrem Rechner Zeit sparen hilft, die Entwicklung therapeutischer Impfstoffe gegen Allergien, Middleware für Datennetze und ein E-Health-Portal bis zu einem Bluetooth-basierten Zutrittssystem.

Dass es dafür Geld von Business Angels gibt, ist für den Investor und Jahressieger 2010 Markus Wagner plausibel: „Mit jedem erfolgreichen Exit fließt Geld, das in neue Projekte investiert werden kann. Das ergibt hoffentlich eine Aufwärtsspirale des Jungunternehmertums.“

– Michael Schmid, Barbara Mayerl

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