Nachhaltigkeit als Erfolgs-Strategie

Nachhaltigkeit als Erfolgs-Strategie

Unilever-Chef Paul Polman will mit seinem Konzern zugleich den Umsatz verdoppeln und die Umweltbelastung halbieren. Bis jetzt geht sein Geschäftsmodell auf.

Wenn er mit ruhiger Stimme und in einem etwas monotonen Tonfall davon spricht, das Leben der Konsumenten in aller Welt verbessern zu wollen, kann man ihn sich auch gut als Prediger vorstellen. Paul Polman wollte tatsächlich Priester werden, studierte auch Theologie, ehe er auf Wirtschaftswissenschaften umsattelte. Als Chef des Konsumgüterkonzerns Unilever, dessen Führung er Anfang 2009 punktgenau mit dem Absturz der Weltwirtschaft in der Finanzkrise übernahm, verfolgt er mit dem " Sustainable Living Plan “ die wohl weltweit ambitionierteste Nachhaltigkeitsstrategie. Darin verpflichtet sich Unilever, die Umweltbelastungen durch Herstellung und Verwendung seiner Produkte - das Portfolio reicht von Ernährung (Knorr, Rama, Becel, Lipton, Langnese/Eskimo) über Waschmittel (Coral) bis Körperpflege (Axe, Dove, Duschdas) - zu halbieren.

Zugleich fährt Polman aber auch einen aggressiven Wachstumskurs und will den Umsatz des Konzerns bis 2020 verdoppeln. Eine Steigerung von knapp unter 40 Milliarden Euro in seinem Antrittsjahr auf 46,5 Milliarden Euro im Vorjahr ist ihm bereits gelungen; heuer liegt Unilever weiter gut im Plan.

Dass 70 Prozent der Erlöse 2020 in Emerging Markets erzielt werden sollen, das wäre deutlich mehr als der aktuelle weltweite Gesamtumsatz, zeigt den Grad seiner Ambition - und vor allem die Zielrichtung seines Geschäftsmodells. Ein ökologischer Kollaps der Schwellenländer würde auch seine Wachstumspläne zunichtemachen. Denn wenn neben der Halbierung der Umwelteffekte ein weiteres Ziel in Unilevers Sustainable Living Plan lautet, mehr als eine Milliarde Menschen dabei zu unterstützen, ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu verbessern, dann ist damit die entstehende Mittelklasse in den Schwellenländern gemeint, der das vor allem durch Aufnahme von Nahrungs- und Anwendung von Pflegemitteln aus dem Konzern-Portfolio gelingen soll.

Analystenschreck verdoppelt Kurs. "Profitables Wachstum und Nachhaltigkeit sind absolut kein Widerspruch“, betont Polman im FORMAT-Interview . Kurzfristige Gewinnmaximierung zur Befriedigung von Shareholder-Interessen stünde jedoch dem langfristigen Bestand des ganzen Unternehmens entgegen. Walk the talk: Gleich an seinem ersten Arbeitstag stoppte Polman die börsenorientierte Quartalsberichterstattung und Gewinnschätzungen bei Unilever. "Ich habe wichtigere Dinge zu tun, als Analysten zu erklären, dass Umsätze kurzfristig schwanken, weil Ostern oder der Ramadan in ein anderes Quartal fallen oder das Wetter für den Verkauf von Eiscreme zu kalt war“, meinte Polman auf dem Podium des diesjährigen Peter Drucker Forums in Wien, wo er im Rahmen des Generalthemas Capitalism 2.0 über "Business as a Force for Good“ sprach.

"Manchmal klingt Polman nicht wie der CEO eines multinationalen Unternehmens, sondern wie ein Sprecher von Occupy Wall Street“, kommentiert Adrian Wooldridge, Management Editor des "Economist“, solche Aussagen des Unilever-Chefs. Der Börsenkurs der Unilever-Aktie hat sich unter seiner Führung dennoch verdoppelt. Polman bemüht sich aktiv um eine Aktionärsbasis, die mit seiner langfristigen Strategie einverstanden ist. Hedgefonds beschied er dagegen, sie hätten nicht das Recht, sich in die Strategie einzumischen, und könnten sich gerne zurückziehen.

Nachhaltigkeit, davon ist er überzeugt, ist schon längst ein Wettbewerbsvorteil: "75 Prozent der Konsumenten sagen, wenn Qualität und Preis in Ordnung sind, wählen sie jenes Produkt, das den höchsten Beitrag zu einer besseren Gesellschaft leistet.“ So ist Polmans Nachhaltigkeitsprogramm auch eine Kampfansage an Mitbewerber, die er gut kennt: Er war schon bei Procter & Gamble Europa-Chef und Finanzchef bei Nestlé, ehe er den Unilever-Chefsessel erklomm.

Strategie: Sustainable Living Plan

In dem im November 2010 vorgestellten Sustainable Living Plan verpflichtete sich Unilever für die kommenden zehn Jahre zu einem nachhaltigen Wachstumskurs und machte Nachhaltigkeit zum integralen Bestandteil der Unternehmensstrategie. Über die eigene Produktion hinaus übernimmt der Konzern dabei Verantwortung auch für Lieferanten und das Verhalten von Konsumenten seiner Markenartikel. Das Programm umfasst 60 spezifische Zielvorgaben, deren Erreichung in einem jährlichen Progress Report transparent gemacht wird.

Informationen & Download: www.sustainable-living.unilever.com

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