Michael Schmitz: "Leitmotive wie Macht und Reichtum machen Manager süchtig"

Der Buchautor, Psychologe und Coach Michael Schmitz über die emotionalen Mechanismen und ihre Einflüsse auf Job und Management.

Format: Der Untertitel Ihres neuen Buchs „Emotions-Management“ lautet „Anleitung zum Glücklichsein“. Muss man seine Gefühle tatsächlich managen können, um glücklich zu sein?
Schmitz: Gefühle sind mächtig. Starke Gefühle können uns helfen, ungeahnte Chancen zu ergreifen. Und sie können uns in den Abgrund treiben, wenn wir nicht lernen, diese Emotionen zu managen.
Format: Gute Gefühle machen glücklich, schlechte unglücklich?
Schmitz: Ob Gefühle gut oder schlecht sind, können wir nur aus dem Kontext beurteilen. Angst kann intelligent sein, wenn sie uns angemessen vor Gefahr warnt. Gefühle wie Angst, Schuld, Scham oder Neid blockieren aber oft genug Chancen. Selbst gute Gefühle können uns schaden, wenn sie uns die Klarsicht vernebeln, so wie Optimismus, der reale Schwierigkeiten nicht zur Kenntnis nimmt.

Diagnose "Gier" greift zu kurz
Format: Ist das vielleicht ein Erklärungsmuster für Spekulationsblasen und Finanzkrisen?
Schmitz: Die gängigen Erklärungsmuster – beispielsweise die Diagnose „Gier“ – greifen zu kurz. Dazu müssen wir zuerst verstehen, dass aus Gefühlen heraus Bedürfnisse entstehen, die uns veranlassen, bestimmte Ziele anzusteuern. Solche Leitmotive, die wir häufig bei Menschen im Management finden, sind etwa Macht und Reichtum. Wer vom Leitmotiv Reichtum getrieben wird, will immer mehr, vergleicht sich ständig mit Bessergestellten und ist nie zufrieden. Damit gleicht er auf fatale Weise einem Suchtkranken.
Format: Bonusgierige Manager ticken wie Rauschgift- oder Spielsüchtige?
Schmitz: Das bestätigt der Blick in die Gehirnstrukturen. Bei einem Deal oder Börsencoup werden euphorisierende Substanzen ausgeschüttet, die Glücksempfindungen auslösen – Serotonin, Endorphine, Oxytocin, körpereigene Opiate. Die Wiederholung dieses Prozesses programmiert einen Glücksmechanismus: Schon die Erwartung, dass so etwas erneut gelingt, setzt die Ausschüttung von Dopamin in Gang und trübt dann die Fähigkeit, Risiken richtig zu bewerten. Wozu das führt, haben wir - soeben gesehen.

"Machtmenschen sind häufig Narzissten"
Format: Und wie läuft das beim Leitmotiv Macht ab?
Schmitz: Machtmenschen halten sich für etwas Besonderes, sind häufig Narzissten, und aus diesem Gefühl der Überlegenheit können sie sich über andere hinwegsetzen und tatsächlich Bemerkenswertes schaffen. Das Problem ist die Selbstüberschätzung, die sich fast zwangsläufig daraus entwickelt. Dann entwickeln Manager aufgrund von Erfolgen ein so aufgeblasenes Selbstbewusstsein, dass sie glauben,
sie könnten sich gar nicht mehr irren. Diese Leitgefühle vereinnahmen Personen derart, dass ihnen ihr eigenes Verhalten als völlig rational erscheint.
Format: Wie kann sich die Gesellschaft, wie können sich Aktionäre vor den Konsequenzen daraus schützen?
Schmitz: Wir werden keine besseren Menschen schaffen können, sehr wohl aber bessere Kontrollmechanismen. Dazu müssen wir wissen, wie Menschen von Emotionen regiert werden. Konkrete Ansätze wären etwa die Entschleunigung von Entscheidungen oder auf einen Mix unterschiedlicher Persönlichkeiten von Führungskräften in Entscheidungsgremien zu achten. Auf mittlere Sicht hoffe ich, dass externe Kontrolle und Selbsterkenntnis zu-sammenwirken. Dazu muss das Wissen um Emotionen aber auch in die Wirtschaftswissenschaften und in die Managementausbildung einfließen. Dann könnten wir ein viel besseres Verständnis von Wirtschaftsprozessen entwickeln. Leider ist das in der Lehre aber bisher kaum angekommen.

Von Michael Schmid

Emotions-Management: Margot & Michael Schmitz; Piper Verlag, München 2009; 288 Seiten, 20,60 Euro.

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