Michael Schlenk: "Bei KPMG werden wir hundert junge Akademiker einstellen"

Michael Schlenk, neuer Chef des Wirtschaftsprüfers und Beraters KPMG in Wien, über attraktive Karrierewege und -optionen in Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Unternehmensberatung.

FORMAT: Sie haben kürzlich die Funktion als Managing Partner bei KPMG in Wien übernommen. Haben Sie jungen Kollegen damit einen idealtypischen Karriereverlauf vorgelebt?
Schlenk: Ich habe 1990, in der Endphase meines Betriebswirtschaftsstudiums an der WU, bei KPMG begonnen, nach drei Jahren die Prüfung zum Steuerberater und nach sieben Jahren zum Wirtschaftsprüfer abgelegt. Nach zehn Jahren, also 2000, wurde ich Partner, eine Stufe, die man bei uns nach etwa zehn- bis 15-jähriger Erfahrung erreichen kann. Insofern bin ich das Beispiel für einen geradlinigen Karriereweg.

Manager nach fünf bis sieben Jahren
FORMAT: Sie landen in Österreich und international bei den Rankings der für Uni-Absolventen attraktivsten Arbeitgeber regelmäßig auf den vordersten Plätzen. Was bietet KPMG jungen Berufseinsteigern?
Schlenk: In den ersten fünf Berufsjahren sind wir eigentlich ein Ausbildungsunternehmen. Wir bieten bis zu 150 Ausbildungsstunden jährlich, dazu ein Konzept, das auch Stipendien für externe Kurse sowie in Form bezahlter Freizeit zum Lernen vorsieht. Verbunden mit der Praxiserfahrung aus vielen Projekten mit unterschiedlichen Klienten aus verschiedensten Branchen ergibt das viel Einblick und Überblick und somit eine sehr steile Lernkurve.
FORMAT: Inhaltlich decken Sie drei Bereiche ab. Muss man sich als Einsteiger schon für eine ganz bestimmte Schiene entscheiden?
Schlenk: Unsere Dienstleistungen gliedern sich in die drei Bereiche Audit, also Wirtschaftsprüfung, Tax, die Steuerberatung, und Advisory mit Unternehmensberatung, Unternehmensbewertung, Due Diligence. Wir rekrutieren für jeden Bereich separat, die Durchlässigkeit für Wechsel im Laufe der Karriere ist aber gegeben. Auch die vorgesehenen Karriereverläufe sind in den drei Bereichen sehr ähnlich. Man kann überall nach etwa fünf bis sieben Jahren zum Manager mit Führungsverantwortung und ab etwa zehn Jahren zum Partner aufsteigen.

"Wir werden 100 junge Akademiker einstellen"
FORMAT: Wie viele Neuaufnahmen wird es bei Ihnen heuer geben – und wie sieht die Verteilung nach Studienrichtungen sowie nach Unis und Fachhochschulen aus?
Schlenk: Wir werden etwa 100 junge Akademiker einstellen, die Mehrzahl davon Absolventen der Wirtschaftswissenschaften, aber auch Juristen und vereinzelt „exotischere“ Richtungen wie Technik oder Boku. Wir rekrutieren sowohl von Universitäten als auch von Fachhochschulen, häufig FH-Absolventen, die schon ihr Praktikum bei uns gemacht haben.
FORMAT: Wie viele davon bleiben so lange bei KPMG wie Sie persönlich? Und welche Karriereoptionen stehen jenen offen, die einen anderen Weg einschlagen?
Schlenk: Mindestens 50 Prozent entscheiden sich im Laufe der Zeit für einen anderen Karriereweg und wechseln typischerweise in die zweite Führungsebene des Finanzbereichs von Unternehmen, also ins Rechnungswesen oder die Steuerabteilung, wobei die Karriereperspektive auch bis in die Vorstandsebene reichen kann.

Auf unterschiedliche Gegenüber eingehen
FORMAT: Welches Timing ist für einen solchen Wechsel ideal?
Schlenk: Typischerweise erfolgen Wechsel nach drei bis zehn Jahren Firmenzugehörigkeit. In welche Positionen, hängt natürlich von der Erfahrung ab. Als Senior Manager bei KPMG kann das auch in einen Bankvorstand sein.
FORMAT: Was qualifiziert jemanden, der aus der doch eher fachlich orientierten Prüfungs- oder Beratungstätigkeit kommt, Führungsaufgaben zu übernehmen?
Schlenk: Mitarbeiterführung, Managementverantwortung und selbständige Kundenbetreuung zählen ab der Managerebene zu den Kernaufgaben. Unsere Arbeit ist immer Teamwork. Dazu kommt, dass man als Prüfer und Berater neben der fachlichen auch über hohe soziale und persönliche Kompetenz verfügen muss, denn man hat es nicht nur mit Zahlen, sondern zuallererst mit Menschen zu tun. Und man muss sich auf viele unterschiedliche Gegenüber bei den einzelnen Klienten einstellen, lernt dabei verschiedenste Führungskulturen kennen und muss damit umgehen.

"Es gilt bei uns absolute Mann-Frau-Gleichstellung"
FORMAT: Wie hoch ist der Frauenanteil in den einzelnen Ebenen Ihres Unternehmens, und wie ist der Status in Sachen Gleichbehandlung?
Schlenk: Es gilt bei uns absolute Gleichstellung zwischen Männern und Frauen auf jeder Ebene, auch beim Gehalt. Bei den Neueinstellungen ist das Geschlechterverhältnis praktisch ausgewogen, auf der Management- und Senior-Management-Ebene gibt es bei uns etwa 30 bis 40 Prozent Frauen, auf Partnerebene etwa 15 Prozent. Das ist zwar noch nicht ausgewogen, aber im Vergleich zu anderen Branchen sicher nicht schlecht. Wir bieten natürlich auch flexible Arbeitszeitmodelle für den Wiedereinstieg nach der Karenz an.
FORMAT: Wie sehen Sie Entwicklung und Image des Berufsbilds, insbesondere nachdem im Zuge einiger Affären auch die Tätigkeit von Wirtschaftsprüfern kritisch betrachtet wurde?
Schlenk: Es gibt eine steigende Verantwortung aus der Tätigkeit eines Wirtschaftsprüfers, vor allem bei Jahresabschlussprüfungen. Man sollte aber auch die Erwartungslücke darüber, was eine Abschlussprüfung bedeutet, nicht noch größer werden lassen. Dazu ist es notwendig, die Rolle, die Aufgaben und die Kompetenzen eines Abschlussprüfers noch besser zu kommunizieren. Die Wirtschaftsprüfung bleibt ein sehr attraktives und spannendes Tätigkeitsgebiet mit steigendem Bedarf und hoher gesellschaftlicher Verantwortung.

Interview: Michael Schmid

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