Mehr Power fürs Büro: Mit Ausgewogenheit den Mühen des Arbeitsalltags trotzen

Gesundheit am Arbeitsplatz hat mehr Facetten als den Streit um Rauchverbote. Eine aktuelle Studie zeigt, dass Manager gesundheitsbewusster geworden sind und Firmen immer öfter Fitnessprogramme anbieten.

Endlich mal wieder ein Ranking, in dem der Finanzbranche nicht die Rolle des Buhmanns, sondern des Spitzenreiters zukommt: 97 Prozent aller Finanzunternehmen bieten firmen­interne Sport- oder Gesundheitsprogram­me an. Quer durch alle Branchen tun das nur 61 Prozent der Firmen. Das ist ein Ergebnis der von der Beratergruppe Neu­wald­egg zusammen mit OGM in Öster­reich, Deutschland und der Schweiz durchgeführten Topmanagement-Survey zum Thema Gesundheit am Arbeitsplatz bei großen und mittelgroßen Unternehmen.

Mehr arbeiten, trotzdem ausgewogen
Zumindest körperlich fit genug, um der Krise entgegenzutreten, sollten laut Neuwaldegg-Berater Michael Patak aber nicht nur die Banker sein, sondern auch die Führungskräfte in den übrigen Branchen. So sagten 52 Prozent der Topmanager, sie seien mit ihrer Work-Life-Balance sehr zufrieden – in Österreich sogar 55 Prozent. „Gegenüber der letzten Umfrage vor drei Jahren ist dieser Wert konstant hoch geblieben, was angesichts der Beschleuni­gung des Arbeitsalltags eine Verbesserung ist. Das zeigt, dass zumindest die Manager der ersten Führungsebene dieses Thema mittlerweile im Griff haben“, interpretiert Patak das Resultat. Dort sei das Gesundheitsbewusstsein gestiegen – nicht zuletzt, weil Analysten mittlerweile vor Fragen nach der Gesundheit von Vorständen nicht mehr zurückschrecken. Statt in Wellnesstempeln verbringen Spitzenmanager ihre Wochenenden immer öfter bei Gesundheits-Checks in Privatkliniken.

80 Stunden kein Statussymbol mehr
„Ein größeres Problem ist mangelndes Gesundheitsbewusstsein im mittleren Management und in der Führungsebene von KMUs“, konstatiert der Experte. Patak bezweifelt ganz offen die Angaben der Manager, die ihre Arbeitszeit im Schnitt auf eher moderate 48 Wochenstunden beziffern. „Meine Erfahrungen mit der zeitlichen Erreichbarkeit von Managern sehen anders aus. Die unrealistische Selbsteinschätzung führe ich darauf zurück, dass 80-Stunden-Wochen kein Statussymbol mehr sind, sondern eher ein Zeichen schlechter Selbstorganisation.“ Das hält jedoch vor allem hochmotivierte und karriereorientierte Nachwuchsführungs- und Fachkräfte selten davon ab, sich aus eigenem Antrieb in die aufreiben­den Strukturen einer Karrieremaschinerie zu verstricken, die oft zu viel abverlangt: immer höhere Leistungsanforderungen und zeitliche Belastungen, die Durchdringung von Privatleben und Freizeit durch ständige Erreichbarkeit mittels moderner Kommunikationsmittel sowie fast unbegrenzte kurzfristige Flexibilität und Mobi­lität.

Schutz gegen den "worst case"
Am Ende dieses Weges steht statt des Aufstiegs oft genug ein Burn-out. Berater Patak rät daher, Selbstschutzmechanismen einzuziehen: Zeitinseln in Form von Ritua­len im Berufsalltag schaffen, privaten Vorhaben die gleiche Wertigkeit wie Business­terminen einräumen, Wellnesstermine wie Massage oder Fitnessstudio nicht nur vorab einplanen, sondern auch vorausbezahlen, um den Anreiz zu steigern, sie tatsächlich wahrzunehmen. Und als wichtigsten Punkt: das Leben außerhalb der Berufssphäre nicht vernachlässigen. Fremdbestimmung und körperliche Beanspruchung sind unterhalb der Managementebene die größten Belastungsfaktoren. „Depressio­nen, Angststörungen und Burn-out sind keine Privatprobleme, Belastungen am Arbeitsplatz sind mitverantwortlich“, meinte etwa Franz Riepl von der Gewerkschaft Metall-Textil-Nahrung zum Auftakt der aktuellen Gesundheitskampagne seiner Organisation (Informationen dazu: www.gmtn.at/gesundheit ).

Initiativen der Unternehmen
Gesundheitsinitiativen setzen aber auch verantwortungsbewusste Unternehmen. „Große Unternehmen wie voestalpine, Bank Austria oder OMV machen sehr viel. Mich beeindruckt aber etwa auch eine ­Initiative der Zürich Versicherung, die in der Zentrale ein Fitnessstudio eingerichtet hat. Dort geht der Vorstand selbst mit gutem Beispiel voran“, berichtet Berater Patak von seinen Praxiserfahrungen. „Gesundheitsförderung im Rahmen unseres Well-being Management Sys­tem ist bei uns integraler Bestandteil der Human-Resources-Arbeit“, betont Clementine Althann, HR-Managerin bei IBM. Im ersten Stock des IBM-Gebäudes am Wiener Donaukanal wurden Fitnessräume, Duschen und Umkleidekabinen eingerichtet. Frühmorgens und abends gibt es Kurse, von Pilates über Bauch-Bein-Po bis Yoga, teilweise von IBM-Mitarbeitern selbst geleitet.

Gütesiegel für Gesundheitsförderung
„Die Auslastung von 80 bis 100 Prozent zeigt, wie gut das angenommen wird“, sagt HR-Managerin Clementine Althann. Es gibt aber auch einen Ruheraum als Rückzugsgebiet vom täg­lichen Stress und Massageangebote. Vom Netzwerk Betriebliche Gesundheitsförderung wurde IBM dafür mit dem Gütesiegel aus­gezeichnet. Als Best-Practice-Beispiele listet die Homepage des Netzwerks ( www.netzwerk-bgf.at ) die Initiativen weiterer beispielhafter Unternehmen, auch aus dem produzierenden Sektor und den Bundesländern, detailliert auf: vom Wälzlagerspezialisten SKF Steyr über Schneekettenproduzent Pewag bis zum Papierhersteller Sappi Austria.

Reizthema Rauchen
Am Arbeitsplatz – im Gegensatz zur Gastronomie – dürfte laut Studie das jahrelange Reizthema Nichtraucherschutz nun entschärft sein. Mehr als 80 Prozent der Unternehmen ­gaben an, sie hätten dafür eine gute Lösung gefunden, lediglich bei einem Zehntel glimmt die Frage noch. Sehr länder­spezifisch sind die Lösungsansätze: Während mehr als die Hälfte aller Schweizer Unternehmen den Nichtraucherschutz durch ein striktes und generelles Rauchverbot exekutiert, ist weniger als ein ­Viertel der heimischen Firmen so streng (siehe Grafik ). Häufiger als in der Schweiz und in Deutschland ist Rauchen in Gemeinschaftsräumen hierzulande erlaubt – was zwar nicht unbedingt die Gesundheit, dafür aber die Kommunikation am Arbeitsplatz fördert.

Von Michael Schmid

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