Management by Emotionskompetenz: Keine Vernunft ohne Gefühl, kein Plan ohne Kopf

Ob Manager rational oder intuitiv bessere Entscheidungen treffen, ist eine falsche Fragestellung. Vernünftige Entscheidungen kommen nur im Zusammenspiel von Verstand und Emotion zustande.

Bauchgefühl steht bei manchen Firmenlenkern hoch im Kurs. Beispielsweise bei Bill Gates. Der Microsoft-Gründer erklärte schon öfter, er würde bei wichtigen Entscheidungen haupt­sächlich auf seinen Bauch hören. Das Vertrauen auf Intuition und Eingebung scheint angesichts einer zunehmend komplexen Umwelt mit immer stärker vernetzten Strukturen und steigender Unsicherheit aber auch für viele andere eine verlockende Perspektive zu sein. Gerd Gigerenzer, Psychologieprofessor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, traf mit seinem Buch „Bauchentscheidungen“, in dem er für einfache Faustregeln statt komplexe Analysen bei heiklen Entscheidungen plädiert, bereits vor einigen Jahren offenbar einen Nerv der Zeit.

Die Muster im Kopf
„Das klingt verlockend“, merkt Michael Schmitz (im Bild) , ebenfalls Psychologe sowie Unternehmensberater und Professor an der Lauder Business School Vienna, zu diesem Konzept an. Er verweist allerdings darauf, dass Menschen gerade auf unbekanntem Terrain dazu neigen, ihnen aus anderen Situationen bekannte Muster zu erkennen – die in der Realität aber gar nicht vorhanden sind. Psychologische Experimente, so Schmitz, hätten das schlüssig bewiesen. „Wir neigen dazu, in unserem Kopf Muster zu entwerfen, um damit Sicherheit zu gewinnen. Das Gefühl von Sicherheit entsteht, wenn wir uns einbilden, wir würden durchschauen, was geschieht, und wären in der Lage, Ursachen und Wirkungen zu bestimmen. So handeln wir oft mit fester Überzeugung, aber nach irrationalen Mustern“, erklärt der Experte. Und das, so Schmitz weiter, sei in Krisenzeiten besonders gefährlich.

Verstand ohne Gefühl ist irrational
Aus diesem Grund nur mehr auf Rationalität zu setzen, voll und ganz dem Verstand zu vertrauen, ist für ihn aber ebenfalls keine befriedigende Lösung. Als Kronzeugen dafür bietet er einen in der neurologischen Fachliteratur als „Eliott“ bekannt gewordenen früheren Manager auf. Bei einer Tumor­operation waren Area­le seiner präfrontalen Hirnrinde beschädigt worden, über die Verschaltungen zwischen Denk- und Emotionszentren laufen. Obwohl Eliott verstandesmäßig keinerlei Beeinträchtigung zeigte, bei IQ-Tests nach wie vor brillant abschnitt, Probleme analysieren und alternative Lösungen entwickeln konnte, war es ihm völlig unmöglich geworden, vernünftige Entscheidungen zu treffen. So verlor er auch seine Ersparnisse an skrupellose Finanzberater. „Der Verstand blieb klar, aber die Vernunft fehlt – weil der ­Verstand für die Vernunft Gefühle braucht. Beide Systeme müssen intakt und mit­einander verbunden sein. Verstand ohne Emotion ist irrational“, so Schmitz’ Erkenntnis.

Management by Emotionskompetenz
Es sind nämlich Emotionen, nicht der Verstand, die Menschen antreiben und motivieren. „Hinter jeder Emotion steht ein Bedürfnis, ein Ziel, ein Wert. Wenn etwas passiert, das diese Bedürfnisse, Ziele und Werte betrifft, reagieren wir immer emotional“, erklärt der Psychologe und nennt dafür ein klassisches Beispiel aus der Welt des Managements: Reaktionen auf Umstrukturierungen oder Change-Projekte. Häufig scheitern solche Initiativen dar­an, dass sie aus Angst vor Veränderungen, Status- oder gar Jobverlust innerhalb der Organisation nicht mitgetragen, blockiert oder sabotiert werden. „Für solche Prozesse braucht man eine ausreichende Zahl an Mitarbeitern, die engagiert mitmachen, Skeptiker mitziehen und Blockierer neutralisieren“, weiß der Psychologe und erklärt, welche Rolle Führungskräften dabei zukommt. „Aufgabe eines Managers ist es dabei, Emotionen zu managen. Das heißt, die Zufriedenheit oder Selbstzufriedenheit zu stören, damit Veränderung möglich wird, zugleich aber dafür zu sorgen, dass Angst, Ärger und Frust nicht überhandnehmen.“

Echter Stolz statt leerem Optimismus
Wenig hilfreich dafür seien optimis­tische, jedoch inhaltsleere Parolen oder Visionen. „Eine positive Emotion, die man dabei fördern sollte, ist das Gefühl von Stolz, den man weckt, indem man etwa bestandene Herausforderungen in der Vergangenheit in Erinnerung ruft“, lautet ein konkreter Tipp. Wie schwer das in der Praxis ist, beweist eine Umfrage: 75 Prozent der Manager halten sich selbst für gute Konfliktlöser – eine Einschätzung, die nur 30 Prozent der Mitarbeiter teilen.

Michael Schmid

Buchtipp: Emotions-Management – Anleitung zum Glücklichsein; Margot Schmitz / Michael Schmitz; Piper Verlag, München Zürich 2009; 304 Seiten, 20,60 Euro.

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