Männer, ab in die Babypause!

Väter und Karenz - noch immer eine rare Kombination. Die Angst vor einem Karriereknick ist nach wie vor größer als die Lust auf Windelwechseln und Kinderwagenschieben.

Männer, ab in die Babypause!

Roman Steinbrucker (Bild) war der Erste in seinem Unternehmen, der Generali Gruppe Österreich. 2002 ging er in Karenz. Kein anderer Jungvater hatte sich vor ihm zu diesem Schritt durchringen können. Als der damalige Projektmanager für Event & Sponsoring seinem Vorgesetzten mitteilte, er wolle nach der Geburt seiner Tochter ein Jahr lang mit ihr verbringen, staunte der nicht schlecht. Ob er sich das mit dem Windelwechseln und der Haushaltsarbeit auch wirklich überlegt habe, fragte der Chef ungläubig. Durchaus, replizierte Steinbrucker.

"Mein damaliger Chef hat vielleicht meine Entscheidung nicht nachvollziehen können, aber er hat mir schließlich bei diesem Schritt keine Steine in den Weg gelegt. Von der Personalabteilung gab es überhaupt keinen Gegenwind. Im Gegenteil, alle haben mich sehr unterstützt“, so der Karenzpionier im Rückblick. Auch seine Kollegen - männlich wie weiblich - reagierten positiv, bewunderten ihn für seinen Mut zu dieser Entscheidung. Furore gemacht hat sein Beispiel dennoch nicht.

Im Vorjahr gingen bei der Generali Versicherung 77 Frauen, aber nur vier Männer in Elternkarenz. "Insgesamt sind rund 95 Prozent der in Elternkarenz befindlichen Beschäftigten Frauen. Damit liegen wir wohl im Österreich-Schnitt“, sagt Generali-Pressesprecher Josef Hlinka. Stimmt fast genau: Laut Statistik des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend lag der Anteil der Väter unter den Beziehern von Kinderbetreuungsgeld im August 2012 bei 4,9 Prozent.

Zurückhaltende Väter

Auch bei anderen großen österreichischen Konzernen wie der Erste Bank ist die Lage ähnlich. Die Möglichkeit, in Väterkarenz zu gehen, werde extrem zurückhaltend genutzt, bestätigt Erste-Bank-Personalleiterin Sabine Mlnarsky-Bständig. Dabei könne jeder Jungvater von Unternehmensseite mit größter Unterstützung rechnen.

Das als Erklärung dafür häufig strapazierte Argument, der große Einkommensunterschied zwischen Mann und Frau sei Hauptgrund, weshalb die Mutter quasi beim Kind bleiben müsse, will Mlnarsky-Bständig nicht einfach unwidersprochen gelten lassen. Bei manchen Paaren werde das Geld schon der Grund für diese Entscheidung sein, meint sie, aber: "In vielen Fällen handelt es sich dabei um eine ganz billige Ausrede. Davon bin ich überzeugt. Viele Familien könnten sich eine mehrmonatige Babypause des Mannes ohne Weiteres leisten. Ihnen würde deshalb keineswegs der finanzielle Ruin drohen. Und dennoch tun sie es nicht.

In Wahrheit handelt es sich nämlich hier um kein finanzielles, sondern ein gesellschaftspolitisches Problem.“ So sieht das auch Sam Zibuschka, Geschäftsführer der Personalberatung ePunkt. Mit dem in Österreich vorherrschenden Rollenverständnis wurde er gerade in den letzten Monaten immer wieder konfrontiert. Der Grund dafür: Erst im Juli 2012 ging er für zwei Monate in Karenz, um bei seinem kleinen Sohn Livi zu sein. "Eine unglaublich wertvolle Zeit“, sagt Zibuschka. Er begann als Karenzvater aber auch sein soziales Umfeld mit einigermaßen neuen Augen wahrzunehmen: "In meinem Freundes- und Bekanntenkreis kümmern sich immer noch vornehmlich die Mütter um die Kinder. Jeder Vater, der bereit ist, sein Baby einmal zu wickeln, gilt schon als Star und wird besonders gelobt. Das ist doch sonderbar.“

Dass sich viele Jungfamilien eine Karenzzeit des Vaters einfach nicht leisten könnten, will auch Roman Steinbrucker nicht recht glauben. Noch mehr Unterstützung vonseiten des Staates könne man einfach nicht mehr erwarten, findet er: "Als ich mich entschieden habe, bei meiner Tochter zu bleiben, gab es diese Fülle an Leistungsmodellen gar nicht. Wir waren uns auch im Klaren, dass wir während dieser Zeit finanziell keine großen Sprünge machen würden. Aber was macht das schon? Wenn man bei seinem Kind bleiben will, nimmt man Einschränkungen für diese überschaubare Zeit doch gerne in Kauf.“

Zur Auswahl stehen aktuell fünf Karenzmodelle im Ausmaß von einem bis zu drei Jahren. Die Bezugsdauer des Kinderbetreuungsgelds verlängert sich dabei, wenn die Karenz auf beide Elternteile verteilt wird. Das Betreuungsgeld beträgt zwischen 435 Euro in der längsten Variante und 2.000 Euro für ein Jahr als Höchstgrenze beim einkommensabhängigen Modell.

Sorge um die Karriere

Die Sorge, eine längere Abwesenheit vom Job könne beruflich unabsehbare Nachteile bringen oder zumindest dem eigenen Image schaden, ist wohl in vielen Fällen das eigentliche Motiv, weshalb sich Männer gegen die Zeit beim eigenen Kind entscheiden. "Wenn es in einem Unternehmen nicht gerne gesehen wird, dass Mann in Karenz geht, wird man von den vorhandenen Möglichkeiten nicht Gebrauch machen“, sagt Zibuschka. Ihm sei es daher besonders wichtig gewesen, als Geschäftsführer einer Firma mit gutem Beispiel voranzugehen und zu zeigen: Bei uns ist Väterkarenz möglich - ohne Wenn und Aber! Rückblickend betrachtet, hätten es ruhig ein, zwei Monate mehr sein können bei seinem Livi, die Wochen seien im Nu ins Land gezogen.

So wie Zibuschka entscheiden sich allerdings viele Väter und bleiben - wenn überhaupt - lediglich kurze Zeit bei ihrem Nachwuchs. Auf das Risiko, eine längere Babypause könne der erfolgreichen Karriereentwicklung schaden, lassen sie sich eben nicht gerne ein.

Für diese These spricht auch eine aktuelle Auswertung des Familienministeriums: Von Vätern werden vor allem die kürzeren Kinderbetreuungsgeld-Varianten und die einkommensabhängige gut angenommen. Dort liegt die Väterbeteiligung bei fast einem Drittel. Bei der längsten Variante (30 plus sechs Monate), bei der Väter ein halbes Jahr beim Kind bleiben, sind es dagegen nur zwölf Prozent.

Arbeitgeber ermutigen

Personalexpertin Mlnarsky-Bständig will seitens der Erste Bank dazu beitragen, dass sich mehr Väter in Karenz trauen. Zukünftig wird sich die Erste Bank verstärkt den werdenden Vätern im Unternehmen widmen, sie mittels Leitfaden von den vielen sich bietenden Varianten informieren und zu neuen Wegen ermutigen. Einen Teilerfolg konnte Mlnarsky-Bständig dabei schon verbuchen: "Seit sechs Monaten haben wir nun auch den Anspruch auf Papa-Sabbatical kollektivvertraglich vorgesehen. Das zu ermöglichen, bedeutet zwar einen hohen administrativen Aufwand, wir freuen uns aber über jeden einzelnen Vater, der davon Gebrauch macht. Das Interesse ist jedenfalls vorhanden!“

Wer von Anfang an die Zeit mit seinem Kind zu genießen lernt, bekommt vielleicht Lust auf mehr, selbst auf die Gefahr hin, dass sich während der eigenen Abwesenheit am Arbeitsplatz etwas zu eigenen Ungunsten verändert haben könnte. Absolute Sicherheit gibt es im Berufsleben eben nicht, weder für Frau noch für Mann.

Das wusste auch Roman Steinbrucker, als er sich für ein Jahr ins Privatleben verabschiedete: Seinen Nachfolger schulte er vor Beginn seiner Karenz sogar noch persönlich ein. "Klar war, dass ich nach meiner Karenz sicherlich wieder im Bereich Marketing oder Verkauf würde arbeiten können. Es war aber nicht gesichert, dass ich danach wieder meine alte Position übernehmen würde. Aus verschiedenen Gründen hat es sich dann doch so ergeben. Rechnen konnte ich damit aber nicht“, erinnert er sich.

Auch Kurzzeit-Karenzvater Sam Zibuschka sitzt nach seiner Babypause wieder sicher im Chefsessel. Seine Begeisterung wirkte offenbar ansteckend: 2013 geht Daniel Marwan, sein Kollege und Co-Geschäftsführer bei ePunkt, ebenfalls in Väterkarenz.

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