Kommunikation: Offenheit motiviert und schafft Vertrauen - nicht zuletzt in der Krise

In schwierigen Zeiten erweist sich zielgerichtete, offene Kommunikation mit Mitarbeitern als strategische Führungsaufgabe. Eine Studie zeigt Mängel auf, FORMAT präsentiert Best Practices.

Leicht war das vergangene Jahr auch für den erfolgsverwöhnten Maschinen- und Anlagenbauer Fill mit Sitz im ober­österreichischen Gurten nicht. „Wir waren in den Jahren zuvor immer um zehn bis 15 Prozent gewachsen“, berichtet der für den kaufmännischen Bereich verantwortliche geschäftsführende Gesellschafter Andreas Fill. Dass ein Unter­nehmen, das seine Umsätze vorwiegend mit Autoherstellern und Skiproduzenten macht, diesen Wachstumspfad im Krisenjahr 2009 nicht würde halten können, war auch den 420 Mitarbeitern klar. Bei Fill wurde das offen ausgesprochen. „Wir sind in der Krise auch mit schwierigen Themen in die Offensive gegangen und haben in Betriebsversammlungen die Situation und Maßnahmen, um Arbeitsplätze zu retten, offen diskutiert“, so Andreas Fill, der daraufhin Folgendes erlebte: „Mitarbeiter sind selbst mit Vorschlägen gekommen, und der Zusammenhalt im Betrieb ist 2009 noch enger geworden.“ Das Ergebnis: Durch konstruktive Zusammenarbeit und offene Kommunikation brachte Fill sowohl den Mitarbeiterstand als auch das exzellente Betriebs­klima gut durch die Krise – 95 Prozent der Beschäftigten bezeichnen das Betriebs­klima als gut oder sehr gut.

Führungsaufgabe Kommunikation
Für Harald Mahrer, Geschäftsführer der Agentur Pleon Publico, ist Fill in Sachen Mitarbeiterkommunikation ein Vorzeigeunternehmen. Er hat sich in einer Studie mit dem Thema „Strategische Mitarbeiterkommunikation“ befasst und kommt zum Schluss: „eine vernachlässigte Führungsaufgabe“. Entscheidungsträgern ist das dieser Erhebung zufolge bewusst: Mehr als zwei Drittel gaben an, interne Kommunikation sei die am meisten vernachläs­sigte Kommunikationsaufgabe. „Gerade in einer Krise muss die Mannschaft ihren Kapitän sehen und hören. Sonst kentert das Schiff“, warnt Mahrer. Sein strategischer Ansatz geht über konventionelle interne Kommunikation hin­aus: „Strategische Mitarbeiterkommunikation ist mehr als Mitarbeiterinformation im Regelbetrieb. Sie ist auch keine neue Kommunikationsdisziplin, sondern eine zielgerichtete und bewusste Wahrnehmung der Führungsaufgabe Kommunikation.“ Das Ziel: Mitarbeiter und ihr privates Umfeld, aber auch potenzielle neue und ehemalige Mitarbeiter einbinden und damit selbst zu Informations- und Image-Multiplikatoren zu machen. „Ein Mitarbeiter, der am Stammtisch gut über seinen Arbeitgeber spricht, ist die beste Personalmarketingmaßnahme“, bringt Silvio Spiess, Geschäftsführer des Trauner Fensterherstellers Internorm, den erwünschten Effekt offener Kommunikationskultur auf den Punkt: „Das ist ein Faktor, um leistungswillige Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden.“

Zielsetzung Vertrauenskultur
„Für die Begriffe ‚Kommunikation‘ und ‚Vertrauen‘ gibt es im Japanischen dasselbe Schriftzeichen“, weiß Mahrer. Während Informationsdefizite Vertrauens- und damit auch Motivationslücken mit sich brächten, so der Experte, verändere funktionierende strategische Kommunikation die Untenehmenskultur in Richtung eines Vertrauensklimas, das wiederum positive Wirkungen nach innen und ­außen mit sich bringe. „Durch die KMU-Struktur und eigentümergeführte Unternehmen steht Österreich dabei im internationalen Vergleich recht gut da“, konstatiert Mahrer. Doch auch dort bedarf es gezielter Initiativen, um Kommunikation in Gang zu setzen und Mitarbeitern durch spezielle Aktionen und Incentives Wertschätzung zu zeigen. Anlagenbauer Fill setzt etwa auf einen ­Familientag, an dem Angehörige das Arbeitsumfeld kennen lernen, einen professionell ausgestatteten Fitnessraum im Betrieb, den auch Partner nutzen können, oder gemeinsame Ausflüge zu Konzerten. Internorm bietet diverse Gesundheits- und Sportaktivitäten an, die nicht zuletzt auch Teambuildingprozesse fördern sollen.

Online-Kommunikationskanal
Für Groß­konzerne mit vielen verschiedenen Standorten bieten sich interne Onlineplattformen als Basismedium für interne Kommunikationsoffensiven an. So entwickelt die Telekom Austria ihr bestehendes Intranet laufend in diese Richtung weiter. „Es gibt virtuelle Teamräume, aber auch Wissensräume, wo Mitarbeiter schnell Informationen und Ansprechpartner finden, ebenso wie eine Kommentarfunktion für den Meinungsaustausch“, erklärt die für interne Kommunikation zuständige Javiera Bandi. 150 Mitarbeiter als interne Redakteure und 25 Content Manager sorgen neben ­ihrem Hauptjob für die Inhalte – etwa für Hintergrund- und Detailwissen zu neuen Produkten und Kampagnen. Scheinbar banal, bei 8.500 Konzernmitarbeitern, aber ungeheuer wichtig: die top­aktuelle Mitarbeiterdatenbank, damit jeder weiß, mit wem er es bei der innerbetrieblichen Zusammenarbeit zu tun hat.

Michael Schmid

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