Ken Robinson: "Kreativität muss den selben Stellenwert haben wie Lesen und Schreiben"

Bildungsexperte Ken Robinson ist ein Vorreiter innovativer Bildungsansätze und rückt dabei die Förderung von Kreativität in den Brennpunkt.

„Wenn du nicht darauf ­vorbereitet bist, Fehler zu machen, wirst du niemals Originalität hervorbringen“ ist das wohl bekannteste Bonmot von Ken Robinson, dem derzeit gefragtesten Bildungsguru weltweit. Der 59-jährige Professor an der Warwick-Universität hat sich mit seiner harschen Kritik an Bildungssys­temen erstmals mit seinem für die britische Regierung verfassten Bildungsbericht „All Our Futures: Creativity, Culture and Education“ („Robinson Report“) in die Schlagzeilen gebracht. „Mit diesem Bericht“, schrieb die „London Times“, „sollte jeder CEO und Human-Resource-Director des Landes auf den Tisch klopfen und Handlungsbedarf anmelden.“

Auserzogene Kreativität
Robinsons These: „We are educating people out of their creativity.“ Das Bildungssystem schaffe so „zwar gute Arbeiter, aber keine kreativen Denker“. Kreativität sei aber unabdingbar als Grundlage für neue Ideen und deren erfolgreiche Umsetzung, so der britische Freidenker. Egal ob in Unternehmen, Wissenschaft oder Schulen. Seine Bildungskritik präsentierte Robinson erstmals bei einer TED-Konferenz im Jahr 2006. TED ist eine exklusive Thinktank-Veranstaltung, die 1984 erstmals im Fischerdorf Monterey am Rande des Silicon Valley stattgefunden hat und seit 1990 jährlich veranstaltet wird. Als Keynote Speaker dieser Veranstaltung ist Robinson in guter Gesellschaft: Stephen Hawking, Al Gore, Isabel Allende, Philippe Starck oder Nicholas Negroponte gaben sich bei TED-Talks schon das Mikro in die Hand. Die Teilnahme an dem exklusiven Thinktank kostet zwischen 3.000 und 6.000 Dollar.

Die legendäre TED-Rede
Im Publikum saßen schon die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page, Amazon-Gründer Jeff Bezos, Ebay-Gründer Jeff Skoll oder „Simpsons“-Schöpfer Matt Groening. Auf Robinsons legendäre TED-Rede über ineffiziente Schulsysteme, die kreative Potenziale bereits im Keim ersticken, wird in unzähligen Bildungs- und Zukunftsblogs Bezug genommen, sie ist auf YouTube unter dem Titel „Do schools kill creativity?“ zu sehen. Der Bestsellerautor („Out of Our Minds: Learning to Be Creative“) steht mit seinen Expertisen unter anderem der Europäischen Kommission, der Unesco sowie den Regierungen von Großbritannien und Singapur zur Seite. Heuer wurde Robinson neben Kreativkapazundern wie Jonathan Paul Ive (Apple-Chefdesigner), Ernö Rubik (Erfinder des Rubikwürfels) oder Jean-Philippe Courtois (Microsoft-CEO) zum Botschafter des Europäischen Jahres der Kreativität ernannt.

Robinson on Tour
In der Linzer Hafenhalle gab Robinson diese Woche als Krea­tivi­täts­bot­schaf­ter im Rahmen von „Linz09 Kulturhauptstadt Europas“ seine Ideen zum ­Besten. „Kreativität muss in der Bildung einen ebenso hohen Stellenwert haben wie die Fähigkeit, zu lesen und zu schreiben“, lautet Robinsons Forderung, die in Deutschland unter Enja Riegel an der Helene-Lange-Schule erfolgreich umgesetzt wurde. Die Schüler lernen in der Gesamtschule in Wiesbaden einerseits fächerübergreifend, und andererseits spielen die Eleven acht Wochen Theater, um Selbstdarstellung und Persönlichkeit zu stärken. Laut Robinson müsse man sich in der heutigen, die Zukunft nicht vorhersehbaren Zeit von der Idee verabschieden, Jugendliche aus­zubilden, um sie ausschließlich fachlich für ihr Berufsleben zu qualifizieren. „Kreative Qualitäten, für die man die besten Voraussetzungen erbringt, werden nicht entwickelt, sondern in der Adoleszenz im Keim erstickt“, so der Experte. Dadurch würden Human Resources verschwendet, die kommenden Generatio­nen eigentlich als Gestaltungsgrundlage dienen und die Innovationskraft in Unternehmen wesentlich stärken könnten.

Jahr der schöpferischen Kräfte
Unter dem Motto „visionär – kreativ – innovativ“ haben sich viele namhafte Unternehmen und Künstler an der europäischen Kreativinitiative „Kreativität und Inno­vation 2009“ beteiligt. Neben Konferenzen, Thinktanks und Workshops gibt es eine besonders große Fülle an Krea­tivbewerben. So lädt die Generaldirektion für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung der Europäischen Kommission Design- und Kunststudenten zur Teilnahme am Wettbewerb zur Gestaltung eines neuen Logos für biologische Lebensmittel ein ( ec.europa.eu ). Und Österreichs Jugendliche wiederum haben die Möglichkeit, bei „Apple Kreativ Innovativ 09“ (Bildungsministerium, Apple und ToolsAtWork) ihre geistigen Ergüsse jeglicher Art als Audio- oder Videobeiträge zum Besten zu geben ( www.toolsatwork.at ).

Raum für neue Impulse
Die innovative Stimmung im heurigen Jahr nutzend, schlossen sich in Österreich Kulturschaffende zusammen, um mit der Plattform PASI (Pro Arts School Initia­tive) einen Bildungsbeitrag zu leisten. „Besonders Kinder und Jugendliche brauchen offene Räume, in denen sie die eigene Kreativität erleben können“, erklärt Guido Reimitz, Mitinitiator von PASI und des Linzer Schulprojekts "I like to move it move it". Dieses soll Kindern die Möglichkeit geben, ihrem Gestaltungsdrang freien Lauf zu lassen. Inspiriert von Robinsons Gedanken, entwickelte er mit Airan Berg, dem künstlerischen Leiter von Linz09, dieses erfahrungsorientierte Erlebniskonzept. Nicht Noten seien das Ziel, sondern das Schaffen von Freiräumen, in denen neue Impulse – etwa Tanz und Performance – entstehen können. „Wir wissen, dass Lernen in autodidaktischen Schüben passiert und nicht weil jemand verlangt, dass man etwas lernt. Alles, was wir tun können, ist, eine Atmosphäre zu schaffen, in der diese Schübe wahrscheinlicher werden“, so Reimitz. Für Reimitz stellt diese Intervention zeitgenössischer Künstler an Schulen einen qualitativen Vorschlag dar, wie man das Gesamtsystem Schule in Bewegung bringen könnte: „Alles, was man braucht, sind engagierte Menschen mit der Bereitschaft zur Veränderung.“

Von Dina Elmani

Zur Person:
Ken Robinson ist weltweit der gefragteste Experte in Sachen Schule, Kreativität, Innovation und Erziehung. Der 1950 in Liverpool geborene Brite fordert ein radikales Überarbeiten der Schulsysteme und die Förderung von Kreativität im Bildungsbereich. Der heute in Los Angeles lebende Bestsellerautor ist darüber hinaus auch als Berater zahlreicher Regierungen, führender Unternehmen und internationaler Kulturorganisationen tätig.

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