Karrierefaktor Networking: Gute Verbindungen für den Weg nach oben

Karrierefaktor Kontaktpflege: FORMAT zeigt, wo und wie Österreichs Business-Elite Netzwerke und Seilschaften knüpft, und präsentiert Tipps, wie Sie mit der richtigen Networking-Strategie im Job besser vorankommen.

Der Weg zum Erfolg ist doch ganz einfach: Wer offen auf andere Menschen zugehen kann, dabei eine positive Grundstimmung gegenseitigen Verständnisses zu erzeugen versteht und ehrlich daran interessiert ist, was seine­ Gesprächspartner beruflich tun und was sie privat berührt, der wird nicht nur als angenehmer, sympathischer Zeitgenosse wahrgenommen. Einer so gestrickten Persönlichkeit eröffnen sich natürlich auch mehr berufliche Möglichkeiten als jemandem, der soziale Kontakte nur als Mittel zum Zweck oder gar als notwendiges Übel betrachtet. Soziale Kompetenz ist die Grundlage des Netzwerkens – und die Fähigkeit, Netzwerke zu knüpfen und sich darin zu bewegen, gilt mittlerweile als ebenso entscheidender Faktor für beruflichen Erfolg, Aufstieg und Karriere wie fachliche Qualifikation und persönliche Integrität.

Zugleich haftet dem Begriff Networking aber immer noch der Geruch von Freunderlwirtschaft und Klüngelei an, von abgekarteten Spielen, geheimen Machtzirkeln und Mauschelei bis hin zur Korruption. Der dahinterstehende Generalverdacht: Netzwerke und Beziehungen ­hebeln nicht nur bei Auftragsvergaben, sondern auch auf dem Weg nach oben – also beim Kampf um die prestigeträchtigsten und bestbezahlten Jobs – Leistung und Engagement aus.

„Von diesen negativen Bildern sollte man sich lösen“, rät die Karriere- und Netzwerkexpertin Magda Bleckmann in ihrem Anfang Oktober erschienenen Buch „Die geheimen Regeln der Seilschaften“, für das sie die Erfolgsgeheimnisse führender heimischer Netzwerker wie Christian Konrad, Karl Stoss, Eva Dichand oder Wolfgang Rosam unter die Lupe genommen hat. „Funktionierende Seilschaften und gute Netzwerke erleichtern uns das Leben – privat und beruflich“, sagt Bleckmann und gibt auch konkrete Tipps, wie man zu guten Karten im Spiel mit den nützlichen Beziehungen kommt.

Naturtalente & Netzwerkplaner  

Glaubt man Österreichs Netzwerkelite, dann ist die Fähigkeit zu Beziehungsaufbau und -pflege offenbar eine auf Kommunikations­fähig­keit, Persönlichkeit und Authentizität be­ruhende natürliche Begabung. „Netzwerke kann man nicht erzwingen und planen. Sie ­entwickeln sich, und dafür sollte man Neigungen wie Offenheit, Kommunikations­fähigkeit und soziale Kompetenz mitbringen“, sagt etwa Karl Stoss, Generaldirektor der Casinos Austria. Der begeisterte Alpinist lädt regelmäßig im Sommer Managerkollegen und Journalisten zu Gipfelsturm und Beziehungspflege.

Für Werner Neuwirth-Riedl, Vorstand der bauMax-Gruppe, ist „Netzwerken“ sogar überhaupt ein falscher Begriff. „Ich nenne das lieber Beziehungen“, so der Manager. Und Beziehungen könne man nicht planen, sondern nur durch Kommunikation und Vertrauen aufbauen. Dass der richtige familiäre Hintergrund und damit verbunden die Wahl von Schul- und Universitätsausbildung eine wesentliche Erleichterung und ein enormer Startvorteil sein kann, ist jedoch nicht zu übersehen. „Grundlegende Weichenstellungen erfolgen schon an Mittelschule und Universität. Daher ist jede Gesellschaft gut beraten, Zugänge zu den Bildungseinrichtungen zu öffnen respektive offen zu halten, um jungen Menschen den beruflichen Aufstieg zu erleichtern“, betont in diesem Zusammenhang – und vor dem Hintergrund der aktuellen Uni-Querelen – der bestens vernetzte Investor und Financier Herbert Cordt. Wesentlich für ihn ist beim Netzwerken, „authentisch zu bleiben“.

Christian Konrad, als Raiffeisen-Generalanwalt schon kraft seiner Funktion einer der Bestvernetzten und daher Mächtigsten in der österreichischen Wirtschaft, analysiert im FORMAT-Interview seine eigene Stärke als Netzwerker so: „Offenbar gelingt es mir rasch, Kontakte zu knüpfen und Freundschaften zu schließen.“ Einladungen zu Konrads legendä­rem jährlichem Sauschädelessen oder zu der von ihm initiierten Benefizwanderung zugunsten des Stephansdoms sind für die heimische Business-Elite mittlerweile so etwas wie der Ritterschlag des Networkings: Wer dort dabei sein darf, der hat es geschafft. Kein Wunder aber auch, dass der Raiffeisen-Stratege genau aus diesem Grund von Mitläufern und Trittbrettfahrern belagert wird. „Wenn jemand mit Wünschen kommt, sage ich sehr rasch, was möglich ist und was nicht“, so Konrads klare Kommunikationsstrategie in dieser Hinsicht.

Zugang zu elitären Zirkeln

Nur auf persönliche Einladung kommt man auch in jene Zirkel, die sich in Wien zumeist im Umfeld von PR- und Lobbying-Agenturen entwickelt haben und ebenfalls der ge­hobenen Kontaktpflege dienen. Doch auch wer in der gesellschaftlichen Wahrnehmung noch nicht so hoch steht, dass er Einladungen von Konrad und Co erhält, braucht nicht zu verzweifeln. Denn erstens ist es in der Praxis ohnehin wirksamer, über ein der persönlichen Berufs- und Lebenssituation angemessenes Netzwerk zu verfügen, denn immer nur als Statist auf den großen Business-Events zu agieren. Und zweitens fehlt es für dessen Aufbau niemandem an Gelegenheiten – jede Branche und jede Profession, von den Technikern bis zu den Controllern, hat ihre spezifischen Organisationen und Events, in deren Rahmen sich trefflich netzwerken lässt.

Voraussetzung dafür, und hier schließt sich der Kreis, sind aber wiederum Offenheit und Kommunikationsbereitschaft. „Viele trauen sich einfach nicht, auf andere zuzugehen und Small Talk zu machen“, hat Netzwerkexpertin Bleckmann immer wieder beobachtet. Sie gibt in ihrem Buch daher auch konkrete Tipps, wie man kommunikative Hürden überspringt: wie man etwa durch offene Fragen ein Gespräch in Gang bringt, welche Themen als „Eisbrecher“ geeignet sind und wie man sich im Gedächtnis eines Gesprächspartners verankert. „Fünf bis zehn Minuten reichen völlig aus, ehe man eine baldige neuer­liche Kontaktaufnahme vereinbart und die Visitenkarten tauscht“, rät Bleckmann.

Beziehungspflege  

Mindestens ebenso wichtig wie eine versierte Kommunika­tionstechnik ist aus ihrer Sicht die regelmäßige Pflege der so erworbenen Kontakte, um daraus im Laufe der Zeit ein wirklich tragfähiges Netzwerk zu knüpfen. Neben rein technischen Anforderungen, wie die eingesammelten Visitenkarten regelmäßig in eine elektronische Kontaktdatei zu übertragen, geht es dabei vor allem um den richtigen mentalen Zugang. Kontakte aus reiner Berechnung zu knüpfen hält sie für keinen Erfolg versprechenden Zugang: „Nach Sympathie vorzugehen ist kein Fehler. Denn das ist die Voraussetzung, damit eine Beziehung langfristig erfolgreich ist.“

Auch Geduld zählt zu den Tugenden guter Netzwerker. Wer permanent den ­Saldo aus Leistung und Gegenleistung im Auge behält, hat hingegen jenes Grundprinzip nicht verstanden, das Christian Konrad so beschreibt: „Ich muss bereit sein, zu investieren, ohne vom Kalkül her zu sagen, ich erwarte mir eine Gegenleis­tung.“ Das findet auch Bleckmann und rät daher, Kontaktpflege als nachhaltiges Investment zu betrachten. Allerdings auch als ein selektives, wie Hannes Ametsreiter, Generaldirektor der Telekom Austria, anmerkt: „Ein gutes Netzwerk basiert auf Vertrauen. Das muss aber täglich erarbeitet werden und ist auch nicht auf un­endlich viele Personen übertragbar.“ Auf Quantität statt Qualität zu setzen zählt daher zu den typischen Fehlerquellen beim Networking.

Verdeckter Arbeitsmarkt  

Neben ausgewiesenen Business-Events fördern natürlich auch andere Einrichtungen Zusammengehörigkeit und Netzwerkgedanken. Sie setzen einen gewissen gesellschaft­lichen oder sozialen Hintergrund voraus wie Eliteschulen, Studentenverbindungen aller politischen Couleurs, die Freimaurer oder der dem Adel verpflichtete St. Johanns Club. Andererseits gibt es auch die Jägerschaft, besonders gut verankert im Raiffeisen-Reich, sowie Rotary Clubs und Lions Clubs, deren Zweck natürlich Charity-Projekte sind, die aber auch Netz­werker mit Karriereambitionen anziehen. Wem solche Zirkel offenstehen, der hat bessere Startbedingungen beim Kampf um karrierefördernde Kontakte.

Wie wichtig diese sind, beweisen auch Schätzungen zum sogenannten „verdeckten Arbeitsmarkt“. Dabei handelt es sich um jene Jobs, die gar nie offiziell per Inserat, auf Jobplattformen oder beim AMS ausgeschrieben werden, sondern aufgrund direkter, persönlicher Empfehlungen unter der Hand vergeben werden: Mindestens die Hälfte aller Positionen – in bestimmten Branchen und Ebenen sogar bis zu 90 Prozent – werden demnach so besetzt. Um da zum Zug zu kommen, reicht es eben nicht, nur gut zu sein, da muss man auch gut vernetzt sein.

- Michael Schmid, Gabriela Schnabel

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