Jobmarkt im Umbruch: Bis 2013 werden bis zu 100.000 weitere Arbeitslose erwartet

Die aktuellen Gehaltsverhandlungen laufen vor dem Hintergrund der angespannten Arbeitsmarktlage – nicht nur in der Autobranche. Die Arbeitslosigkeit wächst, wenn auch langsamer als befürchtet.

So eine schwierige Situation“ hat Johann Moser in seinen zehn Jahren als Geschäftsführer des steirischen Transportunternehmens Frikus noch nicht erlebt: „Wir arbeiten eng mit Magna zusammen, das Auftragsvolumen der Magna-Autowerke schwindet im Dezember auf null, wir mussten bei unseren Beschäftigten reagieren.“

Kettenreaktion befürchtet
Von den insgesamt 420 Mitarbeitern bei Frikus arbeiten fünf Prozent bereits kurz, weitere fünf Prozent wurden mit Wiedereinstellungsgarantie für Jänner gekündigt, zahlreiche weitere befinden sich in Umschulungen. Mosers Unternehmen ist eines von vielen, die in einer Art Kettenreaktion von den Folgen der Krise in der Auto- und Autozuliefererindustrie erfasst wurden. Die Angst vor dem Domino-Effekt und der Gefährdung weiterer Arbeitsplätze in anderen nachgeordneten Branchen greift – nicht nur in der Steiermark – um sich. Folgt auf die Finanz- und Wirtschaftskrise nun die Krise auf dem Arbeitsmarkt?

Keine Kassandra-Rufe
Bereits Ende Oktober sind in der Sachgüterproduktion um 2,7 Prozent mehr Arbeitslose als im Vorjahr vorgemerkt. Bei den Leiharbeitern, als Erste von Jobkrisen betroffen, sind sogar um 9,4 Prozent mehr ohne Job als 2007. Johannes Kopf, Geschäftsführer des AMS Österreich, will dennoch keine überdimensionierten Krisenszenarien zeichnen: „In den Bundesländern mit vielen Industriearbeitsplätzen steigt die Arbeitslosigkeit zwar, österreichweit war sie im Oktober aber um ein Prozent niedriger als im Vorjahr.“ Für 2009 prognostiziert das AMS aber einen Anstieg, allerdings keinen rasanten: Im Jahresdurchschnitt werden 229.900 Arbeitslose pro Monat erwartet. Das sind um 20.000 mehr als heuer.

Erst die Güter, dann der Bau
Als ersten Sektor trifft der Jobabbau die Sachgütererzeugung (minus 10.800 Jobs), ab kommendem Sommer könnte der Bau mit 7.800 verlorenen Jobs folgen. Von einem Arbeitskräfteabbau sind Niedrigqualifizierte, ältere Mitarbeiter und Jugendliche (durch den schwieriger werdenden Berufseinstieg) als Erste betroffen. IHS-Experte Ulrich Schuh schätzt die Situation nur etwas dramatischer ein: Er geht zwar davon aus, dass 2009 rund 60.000 Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren könnten, 30.000 in der Sachgüterindustrie, 12.000 im Bau, 10.000 im Nachrichtenwesen und 8.000 im Tourismus: „Etwa die Hälfte davon wird allerdings noch im Laufe des Jahres wieder einen Job finden.“

Strukturwandel in Sicht
Ein Teil des Anstiegs der Arbeitslosigkeit ist auch nicht auf die Konjunktur, sondern auf einen generellen Strukturwandel zurückzuführen, weiß WIFO-Arbeitsmarkt­experte Helmut Mahringer: „In unseren langfristigen Prognosen wird die Beschäftigung vor allem in der Nachrichtenübermittlung, zum Beispiel bei Post und Telekom, zurückgehen. Dienstleister für Unternehmen wie Leiharbeiter, Steuerberater oder PR sind zwar in einer Konjunkturflaute betroffen, langfristig wächst dieser Bereich aber.“ Pessimistisch gerechnet kommt das WIFO – bei einem Rückgang des BIP 2009 um 0,2 Prozent – auf 100.000 zusätzliche Arbeitslose, allerdings innerhalb der nächsten fünf Jahre. Das optimistischere WIFO-Bild – mit konjunkturbelebenden Maßnahmen – ergibt in fünf Jahren ein Plus von nur 35.000 Arbeitslosen.

Hoffen auf Entspannung
Kurzarbeit in Unternehmen, selbst in der Autobranche, ist für Kopf demnach auch ein Zeichen dafür, dass Unternehmer an eine absehbare Besserung der Auftragslage und damit auch die Sicherheit der Arbeitsplätze glauben. Auf eine mittelfristige Entspannung der Situation hofft auch Berndorf-AG-Vorstand Peter Pichler: Zwar ist ein Drittel des Geschäftsvolumens der Berndorf AG von zwanzigprozentigen Auftragsrückgängen betroffen, aber im Moment ist kein Jobabbau geplant: „Wir nutzen im Moment AMS-Mittel für die Schulung, versuchen, mit flexibleren Arbeitszeiten Stehzeiten zu vermeiden.“
ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer, derzeit auch heftig als künftiger Sozial­minister gehandelt, warnt deshalb auch vor überzogenen Unkenrufen: „Arbeits­losigkeit bekämpfen heißt, Kaufkraft zu stärken“ (siehe Interview ). Werde die Angst vor dem Jobverlust geschürt, werde weniger Geld ausgegeben, das schade der Wirtschaft und gefährde Arbeitsplätze. Und wohl auch die Lohnzuwächse.

Von Martina Madner, Mitarbeit: Robert Schwab

Siehe auch Gewinner und Verlierer: Ein Branchen-Streifzug

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