Interkulturelle Kompetenz: Das Zünglein an der Erfolgswaage bei Auslandseinsätzen

Interkulturelle Kompetenz ist mehr, als Benimmregeln in fernen Ländern zu beachten. Ernsthafte Auseinandersetzung mit fremden Kulturen kann dem Scheitern von Auslandseinsätzen vorbeugen.

Wenn du den Fremden verstehen willst, lauf einige Tage in seinen Mokassins“, besagt eine indianische Weisheit. Fremde Kulturen zu verstehen ist eine Anforderung, die im Zeitalter der Globalisierung immer mehr Manager und Unternehmen betrifft. Laut der internationalen Studie „Managing Mobility 2008“ haben im Vorjahr zwei Drittel der befragten Unternehmen die Zahl der Auslandsentsendungen ihrer Mitarbeiter ausgebaut – und sie erwarten für die nächsten Jahre einen weiteren Anstieg.

Interkulturelle Defizite
Auf die kulturellen Aspekte einer Auslandsentsendung werden allerdings nicht alle Mitarbeiter ideal vorbereitet. „Obwohl der Bedarf an interkulturellem Training täglich steigt, bleibt die Nachfrage konstant niedrig“, konstatiert Othmar Hill, Unternehmensberater und Personalexperte. Vielmehr werde das Thema oft stiefmütterlich firmenintern abgehandelt und beschränke sich meist auf oberflächliche Benimmregeln. „Wie man in Japan eine Visitenkarte richtig hält, weiß mittlerweile doch jeder“, so Hill. Er führt die offenkundigen Defizite im Umgang mit dem gesamten Themenbereich interkulturelles Management auf mangelnde Sensibilisierung für die erfolgsentscheidende Bedeutung von Soft Skills zurück.

Gefühl im Geschäft
„In der Wirtschaft geht man davon aus, dass Gefühle im Geschäft nichts verloren haben. Aber letztlich sind doch Zweifel, Hoffnung und Gier die Triebfedern für den Kapitalismus“, erklärt der Berater. Wenn Auslandseinsätze fehlschlagen, so ein weiteres Ergebnis der Studie, liegt das zu 44 Prozent am Fehlen kultureller Kompetenz oder mangelnder Anpassung von Fachkompetenzen an das neue Umfeld. Immerhin 41 Prozent der erfolglosen Entsendungen gehen auf familiäre Unpässlichkeiten zurück, was den Schluss nahelegt, dass auch die expatriierten Angehörigen mehr interkulturelles Verständnis bräuchten.

Ahnungsloser Manager als Chef?  
„Alltägliche Managementaufgaben müssen im Ausland anders in Angriff genommen werden als daheim“, weiß Peter Wilk, Prokurist und CEE-Experte der Generali Versicherung aus seiner Erfahrung. Er begleitet seit 1989 die Expansion der Gesellschaft in die zentral- und osteuropäischen Länder und hat dabei erfahren, woran Manager auf Auslandseinsatz in der Praxis konkret scheitern können. So werde etwa der in Österreich übliche partizipative Managementstil in einigen CEE-Ländern wie Polen, Rumänien und speziell der Ukraine als absolute Schwäche empfunden. Wilk: „Wenn Sie dort einen Mitarbeiter fragen, wie er ein Problem lösen würde, denkt der sich: ‚Diesen ahnungslosen Manager habe ich als Chef?‘ und verliert jeden Respekt.“

Walzer-Kommunikation
Sich als Führungskraft mit anderen Werten durchzusetzen erfordere jedenfalls viel Gefühl und Flexibilität. „Viele Unternehmen kamen mit fix und fer­tigen Projekten in CEE-Länder und scheiterten, weil Projekte dort schrittweise ausgeführt werden“, so Wilk. Um individuelle kommunikative Muster zu verstehen, müsse man allerdings auch um das eigene wissen. Für andere, schmunzelt Wilk, sei dabei die österreichische Kultur oft leichter zu verstehen als umgekehrt: „Österreichisch ist für viele geradezu so simpel zu erlernen wie ein Walzer: Ein bisschen nach links, ein bisschen nach rechts, bis man irgendwann am Ziel ist.“

Coaching zum interkulturellen Erfolg  
„Eine wesentliche Voraussetzung für länderübergreifenden Managementerfolg ist laut übereinstimmender Expertenmeinung die Fähigkeit, eigene und fremde Wertewelten zu reflektieren. „Dafür reicht ein Wochenendseminar sicher nicht“, ist Hill überzeugt. Er bietet daher neben Grund­lagenwissen auch begleitende Supervision an: „Wir vermitteln historisches, soziales und wirtschaftliches Wissen über das Zielland, üben darüber hinaus aber auch den Umgang mit Konflikten und erarbeiten in begleitender Supervision konkrete Lösungsstrategien.“

Workshops und Coach
„An erster Stelle steht der Blick auf die eigene Kultur und auf sich selbst im Zuge einer Introspektion“, erklärt Marijke van Liemt ( im Bild ), interkultureller Coach für die Bereiche Beruf und Privat. Sie betreut Expatriates ebenso wie Familienmitglieder und hilft auch beim Aufbau eines so­zialen Umfelds. Das beginnt bei der Frage nach der richtigen Schule für den Sprössling bis zum fehdefreien Umgang mit den Nachbarn. „Bei Mitarbeitern mit langfristigen Auslands­aufenthalten geht die Initiative für das Life Coaching meist von den Unternehmen aus“, erzählt van Liemt. Sie kennt die Bedürfnisse, war sie doch selbst in Brasilien und in den USA lange Zeit als „Beiwagerl“ ihres Mannes auf Auslandsmission. In den Workshops versucht sie auch begreifbar zu machen, welche Werte in verbaler und nonverbaler Kommunikation unbewusst transportiert werden. „Menschen, die neue Systeme nicht als Bedrohung, sondern Herausforderung sehen und sich ihrer eigenen Identität bewusst sind, können Aufgaben mit fremd agierenden Partnern leichter erfüllen“, so die Trainerin.

Von Dina Elmani

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