Illusionen bei Fusionen: Kearney-Studie zeigt Misserfolg bei 57 Prozent der Firmen-Merger

Ernüchterndes Resultat einer A.T.-Kearney-Studie über Merger: Trotz Synergien verliert das Wachstum verbundener Unternehmen an Dynamik. In 57 Prozent der Zusammenschlüsse sinkt die Profitabilität. Nach drei Jahren sinkt die Rendite im Schnitt um zehn Prozent.

Noch größer als die Volumina der Deals sind bei Mega-Fusionen meist die damit verbundenen Erwartungen des Managements. Eine Studie des Managementberaters A.T. Kearney entlarvt diese nun zum überwiegenden Teil als illusorisch. Die detaillierte Untersuchung von 175 Merger weltweit zeigt, dass sich bei 57 Prozent die Profitabilität sogar verschlechterte. Nach drei Jahren, so fanden die Experten heraus, sank die Rendite verbundener Unternehmen im Schnitt um zehn Prozent. Bei 14 Prozent der Zusammenschlüsse blieben die Ergebnisse zumindest konstant, zu einer Verbesserung reichte es in weniger als einem Drittel der Fälle (29 Prozent).

Stiefkind Marktbearbeitung
Einige Megadeals kosteten die betroffenen Firmen - und ihre Aktionäre - richtig viel Geld: Nach der Fusion von Chevron und Texaco sank der Gewinn (EBIT) um 34 Prozent, nach der Übernahme von Wella durch Procter & Gamble um 28 Prozent. "Das Management konzentriert sich bei solchen Geschäften meist viel zu stark auf Kosten und Synergien. Die Marktbearbeitung wird dagegen vernachlässigt", konstatiert Robert Kremlicka, Managing Director bei A.T. Kearney.

Konkurrenz schläft nie
Selbst wenn es gelingt, die Synergiepotenziale zu heben, ist damit allein der Erfolg einer Fusion noch keineswegs gesichert. Ein weit verbreiteter Denkfehler besteht darin, die Umsätze in den Businessplänen als gegeben zu nehmen. Doch gerade bei Zusammenschlüssen sind Unternehmen stark mit sich selbst beschäftigt, und Mitarbeiter sowie Kunden sind verunsichert über die Folgen. Hier wittert die Konkurrenz ihre Chance, dem fusionierten Mitbewerber Kunden und Schlüsselkräfte abzuwerben – und tritt mit besonderem Eifer auf den Plan.

Zuviel Marktmacht nicht geheuer
Schließen sich zwei auf demselben Markt tätige Player zusammen, wird dieses Risiko besonders schlagend. Zu viel Marktmacht ist Kunden nämlich von vornherein nicht geheuer. "Gerade bei dieser Art von Fusion ist die Kundeninformation ein entscheidender Faktor", betont Kremlicka. A.T. Kearney hat in der Merger-Studie nicht nur Folgen für die Unternehmen berechnet, sondern auch sieben verschiedene Arten von Fusionen identifiziert.

Risiken bei Volumensausweitung
"Gerade für volumenorientierte Merger haben wir einen dramatischen Wachstumsrückgang festgestellt", sagt A.T.-Kearney-Principal und Studien-Coautor Jörg Schrottke. Chancen wie Skaleneffekte, erhöhte Markt- und Einkaufsmacht werden dabei durch Risiken wie Integrationsbarrieren und Kundenabwanderungen häufig überkompensiert. Angesichts der Vielfalt der Herausforderungen und Erfolgsfaktoren für die jeweiligen Merger-Arten sind typenspezifische Integrationsstrategien aus der Sicht Kremlickas unbedingt erforderlich. "Kein Merger ist wie der andere", so der Experte. "Wir müssen uns von Standardrezepten verabschieden."

Von Michael Schmid

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