Hochschulranking 2010: Die besten Unis und Lehrgänge für Wirtschaft und Technik

Rund 40.000 Maturanten und Maturantinnen, die soeben ihre Reifeprüfung ab­gelegt haben, stehen in diesen Wochen vor entscheidenden Weichenstellungen: Sofortiger Berufseinstieg oder Studium? Studienwahl nach Interessen oder unter Job- und ­Karrieregesichtspunkten? Universität oder Fach­hochschule? So schnell wie möglich studieren oder dabei viele Praktika sammeln und Auslandssemester absolvieren?

All jenen, die sich dafür entscheiden, karriereorien­tiert zu studieren – und dafür in die von den Unternehmen am stärksten nachgefragten Richtungen Wirtschaft und Technik tendieren –, bietet FORMAT eine Entscheidungshilfe, die auf den Aussagen erfahrener Praktiker beruht: Mehr als hundert Personalchefs öster­reichischer Unternehmen und professionelle Personal­berater haben in den letzten Wochen im Rahmen einer Online-Umfrage die an Universitäten und Fachhochschulen angebotenen Studienrichtungen im Hinblick auf die Chancen ihrer Absolventen beim Job­einstieg bewertet. Das Ergebnis ist ein Ranking der aussichtsreichsten Uni- und FH-Studien in Wirtschaft und Technik.

Ergänzend dazu befragte FORMAT Personalverantwortliche führender österreichischer Unternehmen, welche Absolventen sie bevorzugt einstellen und wie ihre konkreten Erwartungen an diese Berufseinsteiger aussehen.

Auch Wissenschafts- und Forschungsministerin Beatrix Karl weist darauf hin, dass die Chancen auf einen guten Start ins Arbeitsleben bei der Auswahl der Studienrichtungen immer noch zu wenig beachtet werden. „Derzeit studieren 60 Prozent der Hochschulanfänger in nur zehn Prozent der Fächer“, sagt die ­Ministerin. „Dabei“, so Karl weiter, „gibt es ein sehr umfassendes Angebot. Und gerade in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und ­Technik haben wir Kapazitäten und Absolventen gute Berufschancen.“

Das Urteil der Personalchefs

Dabei sind die Stu­dienangebote in den letzten Jahren immer vielfältiger geworden. Das liegt auch daran, dass sich die Hochschulen – zumindest auf dem Papier der Studienpläne – besser auf Anforderungen der Wirtschaft eingestellt haben: Fachhochschulen mit ihren durch schulähnliche Organisation berechenbaren Studienzeiten und Praxisbezug durch Pflichtpraktika sind neben den Universitäten fest etabliert. Das Bologna-System mit seiner Bachelor-Master-Struktur hat die alten Diplomstudien in den meisten Fächern abgelöst. Es soll schnellere Erstabschlüsse und eine stärkere Verzahnung von Berufs- und Ausbildungsphasen bringen.

Gesamtqualität abgefragt

In der von euroSEARCH dialog im Auftrag von FORMAT durchgeführten Online-Umfrage wurden die Personalisten nicht nur nach ihrer Einschätzung einzelner Studienrichtungen, sondern auch zur Gesamtqualität der heimischen Hochschulstandorte ­befragt. Dabei geben die Praktiker der Montanuni ­Leoben, der TU Graz und der WU Wien mit großem Abstand die besten Noten. Mit dem Management Center Innsbruck, dem Technikum Wien und der IMC FH Krems konnten sich hier aber auch Fachhochschulstandorte in der Spitzengruppe der Aus­bildungsanbieter platzieren.

Favoritensiege im Ranking

Ein Blick auf die Detailergebnisse zeigt: Die besten Karten bei den Per­sonalchefs haben Techniker mit Universitätsstudium. Im Hinblick auf die Chancen beim Jobeinstieg ist das Masterstudium „Biomedical Engineering“ an der TU Graz der absolute Favorit der Experten, knapp gefolgt von weiteren technischen Richtungen an der TU Graz und der Montanuni Leoben. Ähnlich gute Aussichten wie diesen Technikfächern gestehen die Personalisten auch noch dem Sieger im Bereich der Wirtschafts­studien, dem Diplomstudium „Internationale Betriebs­wirtschaft“ an der WU, zu.

Wie die Tabellen der jeweiligen Top-25-Studienrichtungen zeigen, werden die Aussichten der Techniker gegenüber den Wirtschaftsabsolventen etwas besser eingeschätzt, ebenso jene von Uni-Absolventen gegenüber ihren Kollegen von den Fachhochschulen. Dazu passt, dass 23 Prozent der Befragten grund­sätzlich Uni-Absolventen und nur 13 Prozent FH-Abgänger bevorzugen. Fast zwei Drittel der Experten sehen Uni und FH aber als gleichwertig an.

Keine Unterschiede

„Wir machen eigentlich keinen Unterschied. Allen­falls kann man sagen, dass FH-Absolventen mehr ­Praxisnähe haben und Uni-Absolventen eine gesamtheitlichere Sichtweise“, sagt etwa Christian Stieglitz, Leiter Human Resources bei der Telekom Austria. „Typischerweise sind FH-Absolventen etwas jünger und schneller einsetzbar, Universitätsabsolventen ­tendenziell selbständiger und strategischer orientiert“, bestätigt Georg Horacek, OMV Vice President Corpo­rate Human Resources.

Titelkampf

Im Hinblick auf den akademischen Grad bevorzugen die Praktiker – unabhängig von anderen Auswahlkriterien – bei Bewerbern nach wie vor den Magistertitel (29 %) vor dem Master (25 %) und dem Doktor (19 %). Gerade einmal drei Prozent haben eine Vorliebe für den noch relativ neuen Bachelor. Wolfgang Kowatsch, Chef der Online-Jobplattform Careesma, differenziert: „Bei Jobangeboten auf unserer Plattform ist der Magister nach wie vor am gefragtesten. Allerdings viel ausgeprägter für Positionen, bei denen drei bis fünf Jahre Berufserfahrung erwünscht sind, als beim Berufseinstieg direkt nach der Universität.“

Axel Jungwirth von der Ferdinand Porsche Fern-FH, die von der Humboldt Bildungs­gesellschaft und der FH Wiener Neustadt eingerichtet wurde, um berufsbegleitende Fernstudien anzubieten, meint zum Thema Bachelor: „Die Firmen wissen mit diesem Titel noch wenig anzufangen. Es liegt an den Anbietern, die Qualität der Absolventen zu gewährleisten. Und es liegt an den Absolventen, zu beweisen, dass der Bachelor ein vollwertiger ­Hochschulabschluss ist.“

Mit Engagement punkten

Im weiteren Verlauf der Karriere zählen dann ­ohnehin andere Kriterien als Titel: Eigeninitiative und ausgeprägtes analytisches Denken stehen bei den Personalchefs laut Umfrage am höchsten im Kurs. „Bei Talent und Engagement sind die Möglichkeiten bei uns unbegrenzt. Wir sind stolz darauf, dass in ­unserem Management sowohl ehemalige Lehrlinge als auch Mitarbeiter mit akademischem Abschluss – vom Bachelor, Magister und Master bis zum Doktor – beschäftigt sind“, betont Johannes Zimmerl, Konzern-Personaldirektor bei Rewe International.

Fachkompetenz plus Persönlichkeit

Bei Jobsuche und Bewerbung sollten sich Jungakademiker jedenfalls darauf einstellen, dass Persönlichkeitsfaktoren mindestens ebenso wichtig sind wie fachliche Qualifikationen. „Wir suchen in erster Linie Problemlöser“, sagt voestalpine-Personalist Georg Reiser, „die fachliche Qualifikation prüft bei uns die Fachabteilung, die Personalabteilung schaut sich die Persönlichkeit der Kandidaten an.“ Bei der OMV kommen in vielen technischen Bereichen ohnehin nur einschlägig quali­fizierte Absolventen der Montanuni Leoben infrage, mit der das Unternehmen auch eine langjährige Kooperation verbindet. „Im wirtschaftlichen Bereich ­suchen wir häufig Betriebswirte, Juristen und Absolventen der Internationalen Betriebswirtschaftslehre. Dabei achten wir auf teamfähige, kulturell und international offene, unternehmerisch orientierte ­Bewerber, die das durch entsprechende Praktika und Auslands­erfahrungen im Rahmen des Studiums belegen“, erklärt Personalchef Horacek.

Joachim Burger, Personaldirektor bei T-Mobile Austria, rät sogar vor allzu großer karriereorientierter Hektik beim Studienabschluss ab: „Ich finde es gar nicht so gut, wenn man sich gleich ins Berufsleben stürzt. Für uns liegt der Unterschied in der Persönlich­keit des Menschen und nicht darin, ob jemand zwei, drei oder vier Jahre studiert hat. Wir wollen ­Mitarbeiter,
die Dinge hinterfragen, die bereit sind, nachzudenken, und eine eigene Meinung haben.“

Nicht auf fixen Pfaden wandeln

Als eine Möglichkeit für angehende Akademiker, Joberfahrung zu sammeln, ohne sich dabei bereits fix auf einen bestimmten Karrierepfad festzulegen, bringt Peter Lisowski, Geschäftsführer des Personaldienstleisters Powerserv, seine Branche ins Spiel: „Praktikumsstellen während des Studiums oder als Einstieg werden gerne über uns vergeben. Das Angebot zieht sich quer durch alle Branchen und Tätigkeitsfelder. Zeitarbeit ist dabei wie ein Job-Buffet – man findet heraus, was einen am besten anspricht.“ Er empfiehlt, sich bei der Wahl der Ausbildung grundsätzlich an seinen Stärken zu orientieren.

In einem Punkt sind sich Personalexperten und ­Bildungsforscher jedenfalls einig: Ganz unabhängig von der Wahl des Studiums und dem Unternehmen, in dem man startet – ohne laufende Weiterbildung ist eine erfolgreiche Karriere für die Generation der heutigen Studienanfänger undenkbar. Alle Anforderungen sich rasant verändernder Märkte und Technologien auf Jahrzehnte abzudecken, das schafft selbst das ­allerbeste Studium nicht.

Dina Elmani, Michael Schmid

Detailergebnisse:

Uni Studien Technik
Uni-Studien Wirtschaft
FH-Studien Technik
FH-Studien Wirtschaft

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