Heiße Zeiten für Finanzchefs: Auch der Aufschwung ist voller Herausforderungen

Keine Entspannung für Finanzvorstände: Hatten sie zuletzt alle Hände voll mit Krisenmanagement zu tun, birgt nun der Aufschwung Herausforderungen.

Blickt voestalpine-Finanzvorstand Robert Ottel auf die letzten Monate zurück, steht für ihn eines außer Frage: „Für das Unternehmen war das die schwierigste Zeit in den letzten Jahrzehnten.“ Zur Erinnerung: Als die Finanzkrise mit voller Wucht ausbrach, war es für die Linzer Stahlkocher so gut wie beschlossene Sache, in Osteuropa ein Stahlwerk zu errichten – die Frage war nur mehr, an welchem Standort. Der Einbruch der Konjunktur fegte diese Überlegungen vom Tisch. In gewisser Weise rettete das Timing des Wirtschaftscrashs die voest­alpine sogar noch vor Schlimmerem – wäre die Investition bereits angelaufen, hätte der Konzern mit einer deutlich höheren Verschuldung wesentlich schlechtere Voraussetzungen gehabt, die Finanzstürme der letzen Monate relativ glimpflich zu überstehen.

Verschuldung abgebaut
Mittlerweile sieht sich der Stahlkonzern wieder im Aufwind. „Wir haben in diesem Geschäftsjahr auf breiter Basis den Turnaround geschafft – von einem leichten Verlust im ersten Quartal über die Rückkehr zu schwarzen Zahlen im zweiten Quartal zu einem bereits wieder sehr deutlichen Gewinn im dritten Quartal“, berichtete Vorstandsvorsitzender Wolfgang Eder zuletzt über die Entwicklung der Ergebnisse in dem Ende März endenden Geschäftsjahr 2009/10. Seinem Finanzchef Ottel kam in dieser Zeit vor allem die Aufgabe zu, den Verschuldungsgrad, das sogenannte „Gearing“, deutlich zurück­zufahren. Durch konsequentes Liquiditätsmanagement gelang es ihm, die Netto­finanzverschuldung in Prozent des Eigenkapitals von 90 auf zuletzt 81 Prozent zu reduzieren – trotz schwieriger Rahmen­bedingungen und Dividendenausschüttungen.

Krise als doppelte Herausforderung
„Die Krise war für Unternehmen eine doppelte Herausforderung, einerseits wegen der Verknappung der Finanzmittel auf den Kapitalmärkten, andererseits durch den Einbruch der Absatzmärkte“, analysiert der Finanzmanager. Kapazitätsanpassung und Liquiditätssicherung waren ­daher gleichermaßen und parallel not­wendig. Letzteres wurde auch bei der ­voestalpine unter anderem durch Zurückfahren der Investitionen erreicht, die in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahrs um rund 50 Prozent unter dem ­Niveau des Vorjahres – und auch niedriger als die Abschreibungen – lagen. Ottel warnt allerdings Finanzmanager, die – so wie er – das Krisenmanagement erfolgreich bewältigt haben, davor, die nun neu anstehenden Aufgaben zu unterschätzen. Er wird daher als einer von mehreren praxisgestählten Referenten auf dem CFO-Forum im April in Stegersbach Berufskollegen seine Sicht der wichtigsten Themen und Herausforderungen für den CFO im Jahr 2010 darlegen (siehe auch Veranstaltungsinformation unten) .

Aufschwung finanzieren
„Für die Unternehmensfinanzierung wird der Anleihenmarkt größere Bedeutung gewinnen, weil die Banken bei der Finanzierung gezwungen sind, restriktiv zu sein. Das trifft Unternehmen, die keinen so guten Zugang zum Kapitalmarkt haben“, warnt Ottel. Gerade weil heuer durchaus ein gewisser Aufschwung zu erwarten ist, kann diese Problematik schlagend werden. „In der Krise wurden Lager abgebaut, um Mittel freizumachen. Kommt es mit dem Aufschwung zu einem Wiederaufbau der Lager, muss dieser finanziert werden. Und das bedeutet mehr Kapitalbindung“, sagt der Experte. Eine weitere Belastung dürften aus seiner Sicht die wieder anziehenden Preise für Rohstoffe darstellen. „Egal ob durch Spekulation oder höheren Verbrauch, wenn Rohstoffe teurer werden, braucht man mehr Kapital“, hält der ­Finanzmann trocken fest.

Risikomanagement oder Spekulation?
„Wo Risiken erst in der Krise erkannt wurden, war das Risikomanagement schlecht“, meint er im Hinblick auf dieses immer wichtigere Thema. Risiken seien nämlich grundsätzlich im Auf- und im Abschwung gleichermaßen relevant. „Wer vor zwei, drei Jahren angesichts steigender Energiepreise seinen gesamten Bedarf langfristig fixiert hat, betrieb nicht Risikomanagement, sondern Spekulation“, so Ottel. Eine, die wegen sinkender Preise im Abschwung danebenging. Richtig verstanden bestehe Risiko­management darin, für Dämpfung und ­Berechenbarkeit angesichts unsicherer Entwicklungen zu sorgen. „Das Ergebnis ist dabei immer suboptimal, aber alles andere ist Spekulation“, verdeutlicht Ottel.

"Im Aufschwung ein einsamer Job"
Als weiteres Thema bringt er anstehende Regulierungen im Zuge der Krisenaufarbeitung aufs Tapet. „Effiziente Überwachung der Marktteilnehmer und mehr Transparenz sind nötig“, ist er überzeugt, „allerdings sollte man unerwünschte Nebeneffekte bedenken, weil Verbote immer Umgehungsversuche mit sich bringen.“ Auch würde etwa ein Verbot von Derivaten ausgerechnet jene Unternehmen in Schwierigkeiten bringen, die diese als ­Absicherungsinstrumente gegen Währungs- oder Zinsrisiken einsetzen. Ottels Resümee seiner Krisenerfahrungen eines CFO: „Sparen und Kostenmanagement sind nun überall im Unternehmen ein Thema. In der Krise werden fast alle Manager zu Finanzmanagern. Im Aufschwung ist CFO dagegen ein einsamerer Job.“ So muss man Robert Ottel für die nächste Zeit doch wohl oder übel etwas mehr Einsamkeit wünschen, als er in den letzten Monaten zu ertragen hatte.

Michael Schmid

CFO-Forum 2010. Finanzielle Unternehmensführung 2010. Erfahrungen – Per­spektiven – Inspirationen. 22./23. April 2010, Balance Resort Stegersbach. Neben den Finanzchefs von Wienerberger, voestalpine und Brau Union als Top-Referenten bringt das Forum auch Vorträge von Mathematiker Rudolf Taschner und Gregor Henckel-Donnersmarck, Abt des Stiftes Heiligenkreuz.

RECON 2010. 7. Jahresforum für Finanz-, Rechnungswesen & Controlling. 6./7. Mai 2010,Loipersdorf, Spa & Conference Hotel. Entscheidungsträgern aus dem Finanzmanagement sollen bei diesem Event konzentriert in zwei Tagen alle relevanten, aktuellen Entwicklungen in ihrem Bereich vermittelt werden. Die RECON ist jährlich Treffpunkt für mehr als 160 Praktiker.
Info zu beiden Events: www.businesscircle.at

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