Headhunter aufgepasst: Mehr als 80% der Manager zu Jobwechsel bereit

Österreichs Manager sind unzufrieden: Laut Studie eines Headhunters wären mehr als 80 Prozent offen für einen Jobwechsel, der ihnen neue Karriereperspektiven eröffnet.

Ob es nur ein Zufall ist oder beide Fakten doch irgendwie miteinander verknüpft sind: Mehr als 80 Prozent der österreichischen Führungskräfte gehen davon aus, dass die nächsten Monate eine gute Performance ihrer Unternehmen bringen werden. Zugleich herrscht in den Führungsetagen aber auch ein noch nie gesehener Wechselwille – ebenfalls knapp über 80 Prozent der Manager wären in der aktuellen Situation zu einem Jobwechsel bereit. Beide Prozentwerte wurden jedenfalls in ein und derselben Umfrage des Wiener Büros von Stanton Chase, einem der weltweiten Marktführer im Bereich der Executive-Search-Beratung, bei 1.500 heimischen Entscheidungsträgern erhoben.

„Die sehr hohe Bereitschaft der Führungskräfte zum Arbeitsplatzwechsel ist auf jeden Fall ein Alarmsignal für Unternehmen“, konstatiert Stanton-Chase-Partner Franz Rois. „Österreichs Unternehmen sollten gewappnet sein, denn die Zufriedenheit des Spitzenpersonals mit den Arbeitsumständen ist derzeit nicht besonders hoch“, warnt der Headhunter.

Motive für Jobwechsel

Im Detail zeigen sich 35 Prozent der befragten Führungskräfte „sehr interessiert“, weitere 47 Prozent zumindest „interessiert“ an einem Jobwechsel, mit dem sie es sich gegenüber ihrem aktuellen Arbeitsplatz verbessern könnten. Stanton Chase erhob auch, welche Faktoren diese Wechselbereitschaft konkret beeinflussen. Das Ergebnis: Nicht höhere Gehälter und Bonifikationen stehen im Vordergrund, sondern die Möglichkeit, in einem Job persönliches Wachstum durch die Bewältigung von Herausforderungen zu erreichen. Das ist für fast 85 Prozent ein sehr wichtiger Faktor. Immerhin für zwei Drittel ist das die Unabhängigkeit in ihrem Arbeitsumfeld. Danach folgen die Qualität der Unternehmenskultur und die Führungsverantwortung mit mehr als 60 Prozent.

Demgegenüber kommen Gehalt und Vergütungspaket sowie auch der Faktor Aufstiegsmöglichkeiten lediglich auf rund 30 Prozent Nennungen – noch deutlich hinter der Work-Life-Balance. Bei den 30- bis 39-jährigen Managern ist die Work-Life-Balance sogar für mehr als 46 Prozent ein sehr wichtiger Faktor.

Nach Branchen betrachtet, weisen die Manager im Konsumgüterbereich die höchste Wechselbereitschaft auf. Dort halten über 90 Prozent zumindest interessiert die Augen offen, um neue Möglichkeiten zu erkennen.

Dass es sich dabei nicht um eine stimmungsgetriebene Sprunghaftigkeit, sondern um wohlkalkulierte Überlegungen handelt, beweist ein anderer Bereich der Studie. Dort wurde unter die Lupe genommen, worin die Manager die wichtigsten Hindernisse für einen Jobwechsel wahrnehmen. Und bei aller Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation: Für 36 Prozent wäre ein Ortswechsel ein massives Hindernis, einen neuen Job anzunehmen.

Als weitere Hinderungsgründe nennen die Manager einen überbesetzten Markt für Führungskräfte und die Probleme, die ein Branchenwechsel für sie aufwerfen würde. Ein Wechsel des Führungsprofils, neue Kompetenzen und Kulturen schrecken deutlich weniger.

Die Stanton-Chase-Experten interpretieren diese Ergebnisse so, dass Manager Schwierigkeiten beim Wechsel offenbar zumeist auf der Seite der Job-Anbieter sehen. Die Begründung: „Gerade jene Punkte, die ihrer Wahrnehmung nach einem Jobwechsel entgegenstehen, würden für die persönliche Entscheidung der Manager eine geringere Rolle spielen.“

Karrieresprung ins Ausland

Belegt wird das anhand der Befragungsergebnisse zu einem Wechsel ins Ausland – ein Faktor, der für zwei Drittel der Befragten nicht von Belang wäre – sowie zum Branchenwechsel, der sogar 83 Prozent nicht tangieren würde. Bei der Frage des Ortswechsels ergibt sich noch ein weiteres überraschendes Ergebnis: Österreichs Führungskräfte würden sogar eher für einen Arbeitsplatz ins Ausland wechseln (66 Prozent), als eine Ortsveränderung innerhalb unseres Landes in Kauf zu nehmen (63 Prozent). Für jene, die zum Auslandsengagement bereit wären, darf es durchaus etwas weiter in die Ferne gehen: Immerhin mehr als die Hälfte würde auch Management-Positionen in Asien, den USA und Russland annehmen.

Bei den attraktivsten Branchen als Zielrichtungen eines Jobwechsels gibt es eine klare Hierarchie. Hier liegt der Technologiesektor im Hinblick auf die Einschätzung der Karrierechancen für Führungskräfte klar an der Spitze. Fast 70 Prozent sehen dort gute Aufstiegsoptionen. Bereits in diesem Bereich tätige Manager teilen diese Sicht jedoch nicht ganz: Innerhalb der Privatwirtschaft beurteilen Technologie-Manager die Nachhaltigkeit des derzeitigen Aufschwungs am skeptischsten.

– Michael Schmid

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