Führungskräfte auf Zeit: Seit der Krise ist die Nachfrage nach Experten gestiegen

Zeitarbeit auf der Management­ebene: Mit der Vermittlung von qualifizierten Führungs- und Fachkräften kommt eine neue Dienstleistung nun auf breiterer Front auch nach Österreich.

Georg Kollnigs Job hat ein Ablaufdatum: In sechs Wochen ist der Finanzmanager bei Xerox Austria wieder weg vom Fenster. Und das ist ihm auch sehr recht so. „Meine Aufgabe habe ich dann erfüllt, wenn die Abteilung so aufgestellt ist, dass sie die Anforderungen auch dann erfüllen kann, wenn ich nicht mehr da bin“, sagt der erfahrene Finanzexperte (siehe Foto, rechts im Bild) . Jetzt ist gerade Halbzeit bei dem auf drei Monate ausgelegten Projekt, für das er bei der heimischen Tochter des ­börsennotierten US-Konzerns die Verantwortung trägt: Kollnig muss die Buchhaltungsabteilung so aufstellen, dass das ­Berichtswesen die ebenso vielfältigen wie strengen Verpflichtungen einer weltweit tätigen Konzernmutter sowohl in fachlicher als auch in zeitlicher Hinsicht er­füllen kann.

Interimsmanager mit Weisungsbefugnissen
Der vor allem als Hersteller von Kopierern und Druckern bekannte Konzern beschäftigt als weltweit führender Spezialist für Ausrüstung und Beratung im Bereich Dokumentenverwaltung insgesamt rund 120.000 Mitarbeiter in 160 Ländern. In Österreich zählt Xerox 320 Mitarbeiter, inklusive der in die Organisation integrierten Partner, die vor allem KMUs betreuen, sind es etwa 550. „Wir haben viele Richtlinien zu beachten, von den US-­Börsenregeln der SEC über Corporate-Richtlinien bis zu den heimischen Rechtsvorschriften. Das alles unter einen Hut zu bringen ist schwierig“, erklärt Gregor Oberhauser, Personalchef von Xerox Austria (siehe Foto, links im Bild) . „Die Anforderungen an Kollnig gehen dabei weit über das Fachwissen hin­aus“, betont Oberhauser, „er muss das ­Accounting-Team auf die neue Struktur vorbereiten.“ Der Interimsmanager agiert also keineswegs ähnlich wie ein Unternehmensberater, er ist Führungskraft mit ganz eindeutigen Weisungsbefugnissen gegenüber den Mitarbeitern.

Führungsqualität und Erfahrung
"Gerade als Interimsmanager ist Führungs­qualität gefordert, um gar nicht erst den Eindruck entstehen zu lassen, man könne einen Manager aussitzen“, so Kollnig zu den Herausforderungen temporärer Führungsjobs. Sie erfordern daher neben Fachwissen auch sehr gute kommunikative und soziale Fähigkeiten. „Ein klassischer Personalsuchprozess, um jemanden zu finden, der den Finanzbereich neu aufstellt, hätte für uns zu lange gedauert“, begründet Personalexperte Oberhauser den von ihm gewählten Weg. Über den Kontakt zu Steuerberater De­loitte kam er bei der Suche nach Alter­nativen an Margareta Holz, die bei De­loitte „Contract Personnel“ aufgebaut hat.

Zwei Kandidaten zur Auswahl
Aus diesem Expertenpool für Fach- und Führungskräfte auf Zeit konnte sie Oberhauser sogleich die Lebensläufe von zwei passenden Kandidaten anbieten. Schon nach dem ersten persönlichen Treffen waren sich Oberhauser und Kollnig in der Sache einig, und nach einer kurzen Abstimmung mit dem Europa-Chef hatte Xerox Austria den neuen Finanzchef auf Zeit engagiert – so saß Kollnig gerade einmal eine Woche nach dem Erstkontakt bereits an seinem Schreibtisch bei Xerox im Millennium Tower. Ehe er ins Interimsmanagement wechselte, verantwortete der Finanzspezialist beim ­Autozulieferer Eybl International Controlling und Kalkulation und war in dieser Funktion an der Abwendung der Insolvenz beteiligt. Als ein ausländischer Investor das sanierte Unternehmen übernahm, löste der die Konzernzentrale auf – womit auch Kollnig seinen Job bei Eybl los war.

Dienstleistung mit Potenzial
„Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten schlägt das Pendel zwischen Unter- und Über­kapazität unabsehbar hin und her und erschwert eine wirtschaftlich vernünftige und nachhaltige Personalplanung“, weiß Deloitte-Expertin Holz. Mit „Contract Personnel“ hat sie sich auf die Vermittlung von kaufmännischen Experten spezialisiert. Dass Deloitte als Beratungsunternehmen in diesem Bereich über einen ­guten Namen verfügt, kommt ihr dabei ­zugute. „Mit diesem Qualitätsstempel kann ich Kunden unsere Dienstleistung gut verkaufen“, so Holz. Sie kann dabei nicht nur auf erfahrene externe Experten wie Kollnig zurück­greifen, sondern setzt – vor allem, wenn es eher um Fach- als um Führungsauf­gaben geht – auch jüngere Leute aus dem eigenen Haus ein.

Eigene Consultants für Engpässe
Steuerberater- und Wirtschaftsprüfer-Anwärter sind von ihrer Qualifikation her geradezu prädestiniert, Kunden bei Engpässen im Controlling, bei der internen Revision oder im Risiko­management auszuhelfen. „Anfangs waren es vor allem internatio­nale Konzerntöchter, die unser Angebot angenommen haben, während österreichische Unternehmen etwas reservierter waren. Mittlerweile ist Interimsmanagement vor allem bei Banken und im Pharmabereich fest etabliert“, so Holz. Eine Studie des Wirtschaftsförderers aws bestätigt ihren Optimismus: Demnach sollte der Markt für Interimsmanagement in Österreich in nächster Zeit jährlich um bis zu 15 Prozent wachsen.

Michael Schmid

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