Frischer Wind: Arthur D. Little-Recruiting-Event bei Yachtausstatter List

Wie 15 hochmotivierte High Potentials einen Strategieworkshop beim Yachtausstatter List nutzten, um sich als künftige Consultants beim Berater Arthur D. Little zu empfehlen.

Schon der Einladungsflyer zu dem Event verbreitete das Flair von Weltläufigkeit und Geld: Die Alfa Nero, eine 82 Meter lange Luxusyacht, eingerichtet mit den edelsten Materialien vom niederösterreichischen Interieur-Spezialisten List, gleitet darauf majestätisch durch türkisblaues Gewässer. Für 15 handverlesene High Potentials, Absolventen und Studenten diverser Hochschulen und Fakultäten im Alter zwischen 22 und 29 Jahren könnte dieser Flyer die Eintrittskarte in eine nicht minder schillernde Welt sein: in die der internationalen Strategieberatung.

Einer der magischen Namen
Namen wie McKinsey, Boston Consulting oder Roland Berger üben speziell auf Wirtschaftsabsolventen noch immer eine fast magische Anziehungskraft aus. Ein Verhältnis von 100 Bewerbern für einen verfügbaren Praktikumsplatz ist daher nicht ungewöhnlich. In dieser Liga spielt auch Arthur D. Little, mit seinem Gründungsjahr 1886 sogar der traditionsreichste Strategieberater der Welt. Kein anderer Berufseinstieg ermöglicht dank der vielfältigen Projekteinsätze in den ersten Berufsjahren eine so steile Lernkurve – und ist daher auch eine so gute Ausgangsbasis für jede weitere Karriere – wie die Beratung.

Authentische Fallstudie
Doch die Consultingunternehmen sind höchst wählerisch, stellen hohe Anforderungen an die Kandidaten, und sie testen diese bevorzugt im Rahmen von eigens organisierten Recruiting-Events, bei denen deren Arbeits- und Gruppenverhalten genauestens beobachtet wird.
„Bei solchen Veranstaltungen wird oft an abstrakten Fallstudien gearbeitet“, weiß Stefan Höffinger (im Bild rechts), Vorsitzender der Geschäftsführung von Arthur D. Little in Österreich, „wir wollten uns davon bewusst abheben und uns in unserem Strategieworkshop mit den Herausforderungen eines realen und noch dazu sehr attraktiven und erfolgreichen Unternehmens befassen“ (siehe Szenarien, Stress & Strategieentwicklung ).

Workshop mit 15 High Potentials
Mit dem niederösterreichischen Parade­unternehmen List fand ADL dafür den perfekten Partner: Hervorgegangen aus ­einer Tischlerei, entwickelte sich der Familienbetrieb zum weltweit gefragten Edelausstatter von Luxusyachten, Kreuzfahrtschiffen, Privatjets und Designhotels sowie zum Betreiber von Tourismusprojekten mit insgesamt mehreren Hundert Mitarbeitern. Theresa List (links im Bild), als Vertreterin der dritten Generation im Unternehmen Geschäftsführerin der Orange Wings Hotels und am Standort Bad Erlach verantwortlich für Controlling und Finanzen, führte vor Ort jene 15 jungen High Potentials, die für die Teilnahme ausgewählt wurden, sowie die nicht weniger als sechs ADL-Vertreter, die den Nachwuchs bei der Gruppenarbeit in Augenschein nahmen, zunächst durch die Muster-Schauräume und dann in die Besonderheiten des Yachtmarktes ein. „Entscheidend ist die Qualität der Möbel und des Projekt­managements.

Kosten kein Thema
Die Kosten sind im Yachtbereich nicht direkt ein Thema“, erklärte List. Besondere Preissensitivität wäre bei einer Klientel, die im Schnitt zwischen vier und zwanzig Millionen Euro allein für die Innenausstattung ihrer schwimmenden Statussymbole ausgibt, auch überraschend. Aufmerksam registrierten die Teilnehmer die Einblicke in das Beziehungs­geflecht zwischen dem Eigentümer, der Werft, dem Designer und List als Aus­statter. Schließlich konnte jedes Detail ­Ansatzpunkte für die Erschließung neuer ­Geschäftsfelder bieten – und das war ein wesentlicher Punkt der zu diesem Zeitpunkt bereits bekannten Aufgabenstellung (siehe Die Strategie der Workshop-Gewinner ).

Einblick in Strategiearbeit
Strategie­experte Volker Lemberg, eigens aus dem Düsseldorfer ADL-Office zu dem Event angereist, führte die bereits in den Start­löchern scharrenden Eleven schließlich noch in die Grundzüge und Tools der Strategiearbeit ein, ehe es endlich in die Gruppenphase ging. Deren Zusammensetzung hatten die Berater bereits im Vorfeld anhand der Ausbildung und des Erfahrungshintergrunds der Teilnehmer bestimmt. Studienrelevante Auslandsaufenthalte von Boston über Kapstadt bis Kobe (Japan) waren in den Lebensläufen Standard, erste Joberfahrung und Praktika bei klingenden Namen, bevorzugt aus dem Consulting- und Finanzbereich, durchaus üblich und Doppelstudien keineswegs selten.

Positive Kundenbeziehung gewinnt
Die derart für solche Herausforderungen vorbereiteten Köpfe rauchten dann auch ordentlich – da wurde diskutiert, gesammelt, analysiert, strukturiert, auf Flipchart gebannt, wieder verworfen, neu zusammengesetzt, die Arbeit in Untergruppen verteilt und – zumindest wo dafür noch Zeit blieb – auch an der Dramaturgie der Präsentation gefeilt. Aufmerksam registrierten die ADL-Experten, ob dominante Persönlichkeiten eine Gruppe – zu deren Vor- oder Nachteil – prägten, wie sich Gruppendynamik und Selbstorganisation auf den Ablauf auswirkten und inwieweit die Kandidaten die Balance zwischen Gruppenziel und legitimer Selbstdarstellung als brillante Einzelkönner fanden. Auch bei der Siegerkür gab es noch etwas zu lernen: Wie im richtigen Beraterleben gewinnt die Präsentation, der es am besten gelingt, eine positive Beziehung zum Kunden aufzubauen.

Von Michael Schmid

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