FORMAT-Uniranking: Welche Absolventen die besten Chancen beim Berufseinstieg haben

Das FORMAT-Uni-Ranking: 200 Personalchefs bewerten die Qua­lität von Hochschulen, Studienrichtungen und Absolventen – FORMAT bringt das Gesamtergebnis. Plus: Welche Anforderungen die Personalprofis der Top-Unternehmen an die Berufseinsteiger stellen.

Aus seiner Vergangenheit als Manager weiß Johannes Hahn, ressortzuständiger Minister für das Hochschulwesen, selbst nur zu gut, wo aus der Sicht von Unternehmen die Schwachstelle junger heimischer Akademiker beim Start ins Arbeitsleben liegt. „Viel von dem theoretischen Wissen der Absolventen ist beim Berufseinstieg nicht unmittelbar anwendbar“, erklärt der frühere Vorstand des Glücksspielkonzerns Novomatic und Geschäftsführer des Wirtschaftsforums der Führungs­kräfte. Praxisferne und überlange Studienzeiten bekämpft die Hochschulpolitik – nicht zuletzt auf Druck der Wirtschaft – schon länger: Fachhochschulen wurden als Konkurrenz zu den Universitäten etabliert, europaweit soll der flächendeckende Übergang zum Bachelor-Master-System junge Absolventen rascher auf den Arbeitsmarkt bringen.

Personalchefs bewerten Startchancen
Die Anforderungen der Wirtschaft decken sich durchaus mit denen vieler Studenten: Ein Studium soll nicht nur Wissenserwerb und Erkenntnisgewinn bringen, sondern vor allem auch eine gute Startposition beim Einstieg ins Berufsleben. Das gilt natürlich insbesondere für die wirtschaftlichen und technischen Studien. FORMAT hat – in Zusammenarbeit mit dem Beratungs- und Markforschungsunternehmen euroSEARCH und mit Unterstützung des internationalen Head­hunters Edward W. Kelley International (EWK) sowie der Akademie für Recht und Steuern (ARS) – erhoben, welche Studien aus diesen Bereichen die besten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Jobstart bringen. Das Ergebnis ist ein Ranking, das die Einschätzung derjenigen widerspiegelt, denen die Absolventen bei ihren Bewerbungsgesprächen gegenüber sitzen.

Top-Noten für WU und Technik-Unis
Vier Bildungsstätten ragen bei der Bewertung der einzelnen Hochschulen als Gesamtpaket hervor: Gesamtsieger mit einem Notenschnitt von 1,6 nach dem Schulnotensystem ist die Wirtschaftsuniversität Wien. Knapp dahinter folgen mit einem Schnitt von 1,7 gleichauf drei Technik-Standorte: die Montanuniversität Leoben sowie die Technischen Universitäten Wien und Graz. Zum erweiterten Spitzenfeld zählen auch noch die besten Fachhochschulen Österreichs (FH Technikum Wien, FH Joanneum, IMC FH Krems) sowie die klassischen Universitäten Graz und Innsbruck (siehe Tabelle ) . Betrachtet man die Ergebnisse auf der Ebene der einzelnen Studienrichtungen, überrascht der Gesamtsieg der WU nicht: Sieben der acht bestbewerteten Wirtschaftsstudien werden von der WU angeboten. „Die WU ist die größte, bekannteste und beste Wirtschaftsausbildungsstätte. Sie hat die meisten als Manager bekannten Absolventen und versteht es, das erfolgreich zu vermarkten“, kommentiert EWK-Chef Georg Unger das Resultat. „Der enorme Zulauf, den die WU aus diesen Gründen hat, ist aber zugleich auch ihr Problem“, bringt er den dort berüchtigten Massenbetrieb auf den Punkt. Wer sich allerdings durchsetzt und sein Studium beendet, wird am Arbeitsmarkt herzlich willkommen geheißen.

Die beste Eintrittskarte in die Arbeitswelt
„Die WU ist für mich die Top-Universität für Wirtschaftsakademiker“, bestätigt Thomas Schlechta, Human-Resources-Direktor beim Gewürzspezialisten Kotányi: „Ein junger WU-Absolvent muss nach wenigen Monaten selbst die ersten Produkte launchen.“ Ein Wirtschaftsstudium stellt nach wie vor generell die beste Eintrittskarte in die Arbeitswelt dar: 96 Prozent der Teilnehmer an der Online-Um­frage gaben an, zuletzt Betriebswirte eingestellt zu haben. Wirtschaftsrechtler und Wirtschaftsinformatiker sind die nächstbeliebtesten Ab­­solventen. So gut wie alle der von FORMAT individuell befragten Personalchefs (siehe Artikel ) haben Positionen für Wirtschaftsabsolventen zu vergeben. Das WU-Studium Internationale Betriebswirtschaft liegt übrigens nicht nur in der Personalisten-Wertung voran, es zählt auch laut „Financial Times“-Ranking zu den Top-20-Wirtschaftsausbildungen in ganz Europa. WU-Rektor Christoph Badelt: „Dort sind wir als eine von nur vier Hochschulen aus dem deutschsprachigen Raum vertreten.“ Obwohl zahlenmäßig mehr Wirtschaftler als Techniker eingestellt werden, be­urteilen die Personalchefs die Einstiegschancen der Technikabsolventen im Schnitt sogar noch etwas besser. Studien an der Montanuni Leoben, der TU Graz und der TU Wien werden auf breiter Front hoch geschätzt. Differenzierter fällt im technischen Bereich die Bewertung der FHs aus, der Unterschied zwischen den besten und den guten Studien ist etwas größer als bei den Unis (Tabellen rechts). Ein Vorzug für Techniker: Wirtschaftskompetenz lässt sich nach einem Technikstudium wesentlich leichter nachholen als umgekehrt.

Schwachpunkte aufgedeckt
So gut das Gesamtbild auch ausfällt, Personalexperten machen auch auf Mankos aufmerksam. Joachim Burger, Personaldirektor bei T-Mobile Austria, moniert neben fehlendem Praxisbezug vor allem die Einstellung vieler Absolventen: „Sie kommen mit teilweise überzogenen und unrealistischen Erwartungshaltungen.“ Elisabeth Vogl-Pillhofer, Geschäftsführerin der Akademie für Recht und Steuern, warnt vor dieser Falle: „Ein Studium kann fachlich nie alles abdecken. Die Spezialisierung erfolgt nach Bedarf in den Unternehmen.“ Für David Pistrui, Professor am Illinois Institute of Technology mit häufiger Lehrtätigkeit in Europa, ließe sich der Praxisbezug in Österreich durch noch engere Kooperation zwischen Unis und Unternehmen steigern. Obwohl der Übergang zum Bachelor-Master-System nun voll auf Schiene ist, zeigen Personalisten immer noch Präferenzen für den klassischen Magistertitel. „Aus den Unis kommen heuer nur jene Bachelors, die in Mindestzeit studiert haben“, begründet Rektor Badelt die Zurückhaltung der Unternehmen. Unisono verweisen Siemens-Personalchef Gerhard Hirczi, EWK-Headhunter Georg Unger und Umfrage-Projektleiterin Christina Beke auf einen weiteren Punkt: Die zunehmende Zersplitterung des FH-Angebotes macht die Auswahl des richtigen Studiums für Studienanfänger immer schwieriger. Mit dem FORMAT-Ranking wird die Orientierung im FH-Dschungel für alle Interessenten aber nun wieder leichter.

Die vollständige Auswertung des Uni-Rankings finden Sie unter Gesamtergebnis .

Von Michael Schmid, Mitarbeit: Dina Elmani, Birgitt Kohl

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