Finanz-Lehrgänge: Karriereturbos für Analysten, Portfolio- und Risikomanager

Um als Analyst, Portfolio- oder Risikomanager Karriere zu machen, werden Zusatzausbildungen wie CFA, CIIA und Co immer wichtiger. FORMAT präsentiert die Lehrgänge zum Erfolg in der Finanzbranche.

Vier Buchstaben, die in der nationalen und internationalen Finanzwelt Türen zu Unternehmen öffnen: CIIA steht für Chartered International Investment Analyst, einen Lehrgang, den jährlich etwa 25 Kursteilnehmer in Österreich absolvieren. Neben dem amerikanischen Pendant CFA (Chartered Financial Analyst) ist der CIIA für eine Karriere als Portfoliomanager, Finanzanalyst und Risikomanager mittlerweile Voraussetzung. So sieht das auch Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisen Zentralbank: "Die Finanzmärkteausbildung an den Hochschulen ist zwar um Lichtjahre besser als vor 30 Jahren. Um in meinem Team als Professional zu arbeiten, ist eine Zusatzausbildung wie CFA oder CIIA aber unabdingbar."

International unverzichtbar
Für Harald Holzer, Chefinvestor der Kathrein & Co Bank und Präsident von CFA Austria, ist CFA das Gütesiegel für die Finanzbranche, "ohne das am internationalen Parkett gar nichts mehr läuft". Bis zu 40 Prüflinge schaffen hierzulande pro Jahr den CFA. "Diese Ausbildungen, die Buchhaltung, Statistik, Mathematik, Portfolio-Analysen und Bewertungstheorien umfassen, sind einfach Marktstandard", sagt auch Otto Lucius, Geschäftsführer der Österreichischen Bankwissenschaftlichen Gesellschaft (BWG).

Kostspielig oder Selbststudium
Sowohl CFA als auch der konkurrierende CIIA, der von der ÖVFA (Österreichische Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management) angeboten wird, haben spezifische Zielgruppen. ÖVFA-Präsident Paul Severin: "Von der Bankenseite werden beide Ausbildungen unterstützt. Auf der Kostenseite sieht der CFA optisch günstiger aus, man wird aber allein gelassen und muss alles im Selbststudium erarbeiten, während beim CIIA das Prüfungsmaterial in einem Kurs von netto acht Wochen intensiv erarbeitet wird. Die Dropout-Quote beim CFA ist wohl auch deshalb deutlich höher als beim CIIA."

14 Prozent bestehen CFA
Nur etwa 14 Prozent, die mit dem CFA beginnen, schaffen alle drei Levels, für die man mindestens drei Jahre braucht. Der Preis von 2.190 Dollar (1.538 Euro) beinhaltet die einmalige Einschreibegebühr von 390 Dollar plus die Gebühr von 600 Dollar, die bei jeder Prüfung zu zahlen ist. Damit ist der CFA weitaus günstiger als der CIIA, der mit einem Betrag von 13.685 Euro doch wesentlich teurer daherkommt. Die Erfolgsquote von 80 Prozent spricht jedoch wieder für den CIIA.

Fix versus flexibel
Für Georg Müller, Unternehmensberater für Finanzdienstleister, war nicht nur die finanzielle Frage ausschlaggebend, sondern auch die Zeit. "Für einen Kurs hätte ich nicht frei bekommen, für ein MBA hätte ich ein Jahr aussetzen müssen, da blieb nur noch der CFA", sagt der 27-Jährige. Alexandra Baldessarini (siehe Bild), Gruppenleiterin der Strukturierten Investments der Volksbank, entschied sich gerade wegen der fixen Kurszeiten für den CIIA, der von ihrem Unternehmen gesponsert wurde. Die 34-jährige Zertifikateexpertin wollte von der Oberfläche tiefer in die Materie eintauchen und bekam die volle Unterstützung ihres Arbeitgebers.

Günstiger Risikomanager
Eine weitere weltweit angesehene Ausbildung ist der FRM (Financial Risk Manager), der Absolventen befähigt, in leitender Position als Risikomanager zu arbeiten. Die Kosten sind mit 700 Dollar (492 Euro) relativ niedrig. FRM-Absolvent Michael Hanke, Professor für Finanzwirtschaft an der Universität Innsbruck, kann die Ausbildung nur empfehlen: "Ich wollte herausfinden, was Risikomanager in der Praxis für wissenswert erachten, um das in meiner Lehre weiterzugeben."

Made in Österreich
Neben international anerkannten Finanzausbildungen gibt es jedoch auch nationale Lehrgänge wie den zum CPM (Certified Portfolio Manager), der von der BWG zusammen mit der VÖIG (Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften) angeboten wird. Immerhin 50 bis 60 Teilnehmer pro Jahr werden von den Kursinhalten angelockt. Die Erfolgsquote liegt bei 85 bis 90 Prozent. Eine Zahl, die Professor Lucius freut: "Wir haben 60 Prozent der heimischen Fondsindustrie geschult." Der Preis ist mit 8.830 Euro hoch. BWG-Mitglieder zahlen 7.020 Euro, was sich auszahlt, denn der BWG-Jahresbeitrag beträgt nur 120 Euro.

Ansehen gestiegen
Für Dorothea Mangl, Risikoanalystin bei der Raiffeisen-Fondsgesellschaft, hat sich die Ausbildung gelohnt. "Finanziell hat es mir ebenso viel gebracht wie für mein Ansehen in der Bank, denn so eine Ausbildung haben nicht viele." Der Kurs weckte zudem ihr Interesse für Fondsmanagement, eine Karriere, die sie längerfristig anstrebt. Dafür hat sie sich nun auch den CFA vorgenommen. Ob die finanzielle Anerkennung des CFA in Österreich jemals das internationale Niveau erreicht, steht noch in den Sternen. International zahlen manche Institute nämlich gleich 35.000 Euro mehr Gehalt. Dorothea Mangl nimmt's gelassen: "Ich glaube, darauf müssen wir noch ein bisschen warten."

Von Ingrid Krawarik

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