Familienbetrieb & Clan: Wie Schaeffler und Piëch in Deutschland kräftig aufmischen

Ausgerechnet zwei Familienunternehmen mit österreichischem Hintergrund landeten in Deutschland die größten Übernahmecoups.

In einer von Kapitalmärkten und ihrer Logik getriebenen Wirtschaft schien es bis vor kurzem, als würden familiengeführte Unternehmen ab einer gewissen Größenordnung eher einen Anachronismus darstellen. Zu groß schien der Gegensatz zwischen dem rasanten, global vernetzten Börsenkapitalismus mit seinen von kurzfristigen Entwicklungen geprägten Zyklen und der Familienbetrieben zugeschriebenen Betonung von langfristigen Werten wie Nachhaltigkeit und Stabilität.

Klaren Entscheidungsstrukturen
Zwei Unternehmerpersönlichkeiten mit österreichischen Wurzeln beweisen aber nun in Deutschland gerade, dass sie sich in einem solchen Umfeld nicht nur zu behaupten wissen, sondern dass sie gerade die spezifischen Möglichkeiten dieser Finanzierungskultur durch ihre klaren Entscheidungsstrukturen zu ihrem Vorteil nutzen können: Maria-Elisabeth Schaeffler, die Eigentümerin des gleichnamigen fränkischen Wälzlagerherstellers, übernahm nach einem generalstabsmäßig vorbereiteten und kaltblütig ausgeführten Coup soeben die Kontrolle über den Automobilzulieferkonkurrenten Continental.

Porsche bezwingt Volkswagen
Und Ferdinand Piëch, Oberhaupt des Porsche-Piëch-Clans, der den Parade-Sportwagenhersteller kontrolliert, sicherte sich mit dem viel beachteten und kommentierten Einstieg bei Volkswagen bereits 2005 de facto die Führung des größten deutschen Automobilkonzerns Volkswagen. Gemeinsam ist Schaeffler und Piëch nicht nur die gerade für Familienunternehmen so typische, sehr stark auf ihre Person ausgerichtete Führungskultur, sondern auch, dass sie ihre Übernahmen gegen harte Widerstände erzwingen konnten.

Conti kapituliert vor Schaeffler
Nicht zuletzt deshalb, weil sie mit Flexibilität und kurzen Entscheidungswegen ihren durch Organe und Gremien handelnden Kontrahenten immer einen Schritt voraus waren. So hatte sich Schaeffler, als das Conti-Management vom Vorhaben Wind bekam und zum Widerstand rüstete, mittels Optionen bereits rund 30 Prozent des Übernahmeziels gesichert. Mittlerweile ist die in Wien aufgewachsene und mit dieser Stadt eng verbundene Unternehmerin mit 48,3 Prozent die bestimmende Aktionärin, der Übernahmekampf endete mit der Kapitulation von Conti.

Sieg gegen Niedersachsen
Piëch, Enkel des legendären Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche, musste sich nach dem Einstieg noch gegen den zweiten VW-Großaktionär, das Land Niedersachsen, durchsetzen. Nach einem EU-Urteil, das ein Vetorecht des Landes gegen andere Aktionäre als rechtswidrig erkannte, musste Ministerpräsident Christian Wulff die vom Porsche-Piëch-Clan geschaffenen Fakten anerkennen und sich arrangieren. Porsche stockte in der Zwischenzeit seinen Anteil auf 31 Prozent auf, schon im Herbst könnte die Beteiligung auf über 50 Prozent ausgebaut werden.

Clanmitglieder als Heuschrecke
Dass VW damit zur Porsche-Tochter würde, stößt den traditionell mächtigen VW-Betriebsräten derzeit mehr als sauer auf. Betriebsratschef Bernd Osterloh versucht gerade, die Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmervertreter bei VW in die neue Struktur zu retten. Immerhin weist VW mit 360.000 Mitarbeitern eine dreißigmal größere Belegschaft als Porsche (12.000 Beschäftigte) auf. Als eine Ironie des Schicksals muss es deutschen Gewerkschaftern erscheinen, dass sie ihren Kampf um Mitbestimmungsrechte nun nicht gegen eine globale "Heuschrecke" führen müssen – sondern gegen einen Familienclan.

Von Michael Schmid

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