Erfolgsformeln eines Siegers: So profitieren Sie von den Karriererezepten Toni Innauers

FORMAT analysiert die Karriererezepte eines Mannes, der dem Erfolg nicht alles unterordnet – und ihn deshalb erreicht.

So macht man als frischgebackener Magister natürlich nicht Karriere: Da lehnt der Jungakademiker doch glatt ein Angebot von Marc Biver, Chef der Sportvermarktungsagentur IMG, ab, das ihn mitten hinein in eine Welt von Glamour, Geld und Top-Events katapultiert hätte. Stattdessen zieht er in eine kleine Wohnung in einem beschaulichen Tiroler Dorf – und arbeitet dort als Lehrer. Für Anton Innauer – „Tone“ sagen sie in seiner Bregenzerwälder Heimat zu ihm, wir halten uns im Folgenden an die markentechnisch etablierte Form „Toni“ – war diese Entscheidung genau die richtige Karrierebasis. Denn das Tiroler Dorf, das ist natürlich klar, seitdem der Name des Berufseinsteigers gefallen ist, heißt Stams, und Innauer wird Lehrer am berühmten Skigymnasium. Dort hatte er selbst schon maturiert und war als Wunderkind im Springerteam von Baldur Preiml 1976 in Innsbruck zu Olympiasilber, vier Jahre später dann in Lake Placid zu Gold geflogen.

Weltrekorde und Verletzungen
Skiflugweltrekorde standen in seiner kurzen Sportkarriere ebenso zu Buche wie schwerste Verletzungen. Die letzte davon beendete seine aktive Laufbahn. Innauer inskribierte an der Universität Innsbruck ein Lehramtsstudium für Philosophie, Psychologie und Sport. Von Stams aus – dort betreute er zuerst den Kombinierer-Nachwuchs – verlief seine Trainerkarriere mindestens ebenso steil und turbulent wie jene als Aktiver: Gerade einmal ein Jahr Cheftrainer der Nationalmannschaft, initiiert er 1990 am Holmenkollen den „Putsch“ der Mannschaften gegen eine von trägen FIS-Funktionären verwaltete, veraltete Wettkampfordnung. Seitdem gibt es im Skisprung Qualifikation statt Probedurchgang, die TV-gerechte Umkehrung der Reihenfolge im zweiten Durchgang – und Preisgeld.

Die Büchse der Pandora geöffnet
Noch ehe sich zeigen sollte, dass Innauer damit die Büchse der Pandora geöffnet hat, setzt sich der Jungtrainer gleich an die Spitze der nächsten Revolution. Jan Bok­löv, „ein netter Kerl, aber alles andere als ein überragender Sportler“ (Innauer), gewinnt in diesen Jahren im V-Stil zahlreiche Bewerbe. Österreichs Stars Felder und Vettori sind als „Klassiker“ aber absolut wettbewerbsfähig. Dann beschließt die FIS vor dem Olympiawinter 1992, V-Flieger nicht mehr mit Punkteabzügen zu bestrafen. Als einziger Trainer einer Spitzennation erkennt Innauer die Tragweite, denn die Vorzüge des V-Stils in der Luft sind dem einstigen Klassik-Sprungästheten längst bewusst. Selbst auf das Risiko hin, dass seine Paradeathleten die Umstellung nicht schaffen, zieht er das V-Ding durch – und überlässt der Konkurrenz in Albertville gerade einmal zwei von sieben zu vergebenden Medaillen. Der Mann, der nicht ins Sportmanagement wollte, hatte alle Qualitäten eines exzellenten Change-Managers gezeigt: „Ich habe aus Überzeugung umgestellt. Hätte es nicht geklappt, wäre ich den Job los ­gewesen.“ Doch der Erfolg fordert einen hohen Preis. Der Trainer war nach dem Kraftakt ausgepowert: „Heute würde man das mit Garantie als Burnout bezeichnen.“ Mit der ihm eigenen Konsequenz nimmt sich Innauer eine Auszeit, tritt als Cheftrainer zurück.

Eine neue Rolle für den Überflieger
Peter Schröcksnadel, damals noch recht frisch im Amt des Skiverbandspräsidenten, wollte auf Innauer allerdings nicht verzichten, weder auf seine sportliche Expertise noch auf das Managementpotenzial, das der erfolgreiche Unternehmer in ihm erkannte. Im FORMAT-Gespräch (siehe Interview ) erinnert sich Innauer, wie ihm Schröcksnadel mit einer listigen Strategie die Funktion des nordischen Sportdirektors schmackhaft machte: „Ich bin tatsächlich von ihm ins Management gelockt worden. Er hat mir eine Expertise über den nordischen Bereich anvertraut und dann gesagt, ich soll sie doch gleich selbst umsetzen.“ Mit dem Wechsel an den Schreibtisch beginnt aber eine schwierige Phase. Innauer hat Probleme mit seinem neuen Rollenverständnis. „Ich kam mir wie ein Schwindler vor, obwohl draußen an der Bürotür zweifellos mein Name stand. Ich war noch nicht bereit dafür, Manager zu sein und nicht mehr auf die vertraute Trickkiste des Trainers zurückgreifen zu können“, beschreibt er das damalige Gefühl in seinem soeben erschienenen Buch „Am Puls des Erfolgs“. Darin analysiert er auch den Grund dafür: Sein Vater hatte ihm, aus seinen Erfahrungen als einfacher Soldat mit unfähi­gen Offizieren im Krieg heraus, eine Abnei­gung gegen die oberen Kader vermittelt.

Tücken des Managements
Mit Hilfe von Mentor Schröcksnadel und der Bereitschaft, aus allen verfügbaren Quellen zu lernen, kriegt er die Tücken eines Managementjobs sukzessive in den Griff. „Typisch pflichtbewusster Alemanne, wollte ich anfangs Administration, Verwaltung, Bürokratie selber machen. Heute weiß ich, dass man diese Dinge delegieren muss.“ Gerade sein Fachwissen im Skispringen verleitet ihn dazu, vorschnell selbst einzugreifen, wenn dort etwas nicht rund läuft. Gut, dass es da noch eine andere Her­ausforderung gibt: Auch die Truppe der Langläufer sollte sich bei der heimatlichen WM 1999 wettbewerbsfähig präsentieren. Bei den Langläufern kann Innauer nicht im Tagesgeschäft mitmischen, sondern muss im Hintergrund an den Rädchen drehen, Entwicklungen in Gang setzen und passende Strukturen schaffen. In einem beispielhaften Teambuilding-Prozess gelingt es etwa, den anfangs skeptisch beäugten eingebürgerten Michail Botwinow in die Staffel zu integrieren und das Selbstvertrauen des seit jeher im Schatten von Alpinen und Springern gestandenen Loipenteams aufzumöbeln. Nach dem Staffel-Gold in der Ramsau gibt Innauer die Verantwortung für Langlauf und Biathlon ab. „Dort ist es mir eher gelungen, Management zu lernen, als bei den Springern“, sagt er rückblickend über seine Zeit mit den Langläufern.

Konflikte, Krise, Kulturwandel
Voll gefordert wird Toni Innauer als Krisenmanager, als der Konflikt um die Aufteilung von Sponsorengeldern zwischen dem Skiverband und seinem damals besten Springer Andi Goldberger sowie dessen Manager Edi Federer Mitte der 90er-Jahre eskaliert. Das Goldi-Lager mit ORF, „Krone“ und Red Bull an seiner Seite lässt den Verband in der Öffentlichkeit zunächst schlecht aussehen. Erst die Koks-Affäre und eine skurrile Episode um die serbische Staatsbürgerschaft für den blonden Sprungengel kippen die Stimmung. Auch inhaltlich setzt sich der Verband durch und wehrt die Begehrlichkeiten einer ungehemmten Vermarktungsmaschinerie ab – ein allerletztes Mal? Heute ist die Professionalisierung und Kommerzialisierung des Skispringens, die Jungtrainer Innauer vor 20 Jahren am Holmenkollen einleitete, ganz offensichtlich mitten im Herzen des Skiverbands angekommen. Die jungen „Superadler“ sind mit ihren Sponsoren und Medienpartnern zu TV- und Werbestars geworden und stellen an Popularität die Alpinen mittler­weile in den Schatten. „Es geht mir ein bisschen wie dem Zauberlehrling“, gibt Innauer angesichts dessen zu, dass nun auch im Skispringen neben den sportlichen Regeln jene des Marketings gelten.
Mit exzessiven Auswüchsen einer solchen Kultur – in seinem Metier etwa verkörpert durch „Eddie, the Eagle“, den tollpatschig-tollkühnen Briten – tut sich Innauer schwer: „Gewisse Entwicklungen haben mich teilweise abgestoßen – wenn es etwa nicht mehr um die sportliche Leis­tung geht, sondern darum, wer sich besser vermarktet und mehr Medienpräsenz bekommt. Da wird das Leistungsprinzip untergraben, und die Vorbildwirkung des Sports steht infrage.“

Abgang des Sportphilosophen
Mit einem grandiosen Schlussakkord „seiner“ Nordischen – Mannschaftsgold für die Springer und die Kombinierer in Vancouver – endete vor wenigen Tagen die Ära des Sportdirektors Toni Innauer im ÖSV. „Letztlich habe ich mir und meinem Präsidenten nun 17 Jahre lang bewiesen, dass ich ein passabler Manager bin und mit harter Arbeit auch in schwierigen Zeiten bestehen kann“, schreibt er in seinem neuen Buch über diese Zeit. Eine gehörige Untertreibung: Innauer genießt für seine Managementleistung innerhalb und außerhalb der Sportszene höchsten Respekt. „Er hat als nordischer Direktor mit der herausragenden Erfolgsserie unserer Springer, Langläufer, Biathleten und Kombinierer höchst eindrucksvoll bewiesen, dass er ein Topmanager ist“, sagt etwa ÖOC-Präsident und Casinos-General­direktor Karl Stoss. Headhunter Andreas Landgrebe imponiert „die Bereitschaft, sich auch in extrem erfolgreichen Situa­tionen neu zu erfinden und das Risiko einzugehen, die Komfortzone zu verlassen“.

Lernen vom Besten
Rosen streuen ihm auch jene Unternehmen, die Innauer als Referenten für Führungs- und Motivationsthemen bei ihren Veranstaltungen einladen. „Ein charismatischer Storyteller, der 200 Gästen Geschichten aus seinem Leben so gebracht hat, dass sie sich Lektionen für ihre eigene Managementtätigkeit mitnehmen konnten“, erinnert sich Andrea Lehky, Marketingchefin des Personaldienstleisters Manpower, an einen von ihr organisierten Event. Für solche Aktivitäten wird Innauer nun zumindest ein Jahr lang mehr Zeit haben. Dieses Zeitfenster rang ihm nämlich Präsident Schröcksnadel ab, ehe er für einen anderen Verband tätig werden dürfte – eine besondere Form der Anerkennung. Wohin Innauer sein Weg danach führen mag – ein Jobangebot als ÖOC-Generalsekretär hat er ausgeschlagen, Hüttenwirt, wie am Ende des Buchs nur halb scherzhaft angedeutet, wird er wohl letztlich auch nicht –, eines darf man voraussetzen: Der bald 52-Jährige wird, wie schon als junger Magister am Anfang seiner Karrie­re, wohl nicht glamourösen Verlockungen folgen, sondern seinen Prinzipien.

Michael Schmid

Buchtipp: Toni Innauer: „Am Puls des Erfolgs“; ­gebundene Ausgabe, 368 Seiten, davon 32 Seiten Abbildungen; Verlag: CSV ( www.csv.at ); Preis: 24,95 Euro.

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