Emanzipation von der Tradition: Familien-
betriebe zwischen Erhalt oder Verkauf

Immer mehr Familienunternehmen gehen von der Nachfolge-Automatik ab und ziehen auch Partner oder Verkauf in Betracht - allerdings weiß mehr als die Hälfte nicht, wie viel ihr Betrieb eigentlich wert ist.

Wer ein Unternehmen gründet, bekundet damit, dass er an den Erfolg seiner Geschäftsidee glaubt und das geschäftliche Umfeld so positiv einschätzt, dass er dort damit reüssieren kann. Offenbar nicht ganz so optimistisch wie Firmengründer sehen laut einer aktuellen Karmasin-Umfrage im Auftrag der Credit Suisse Unternehmer aus etablierten heimischen Familienbetrieben die Rahmenbedingungen für ihre Unternehmen: 43 Prozent gehen von unveränderten Bedingungen in den nächsten zehn Jahren aus. Genau gleich viele erwarten aber, dass sich das Umfeld für Familienbetriebe eher oder ganz sicher verschlechtern wird. Demgegenüber sehen nur 14 Prozent eine Verbesserung.

Börsenotierte Konkurrenz
Ein wesentlicher Grund dafür ist für jeden zweiten Unternehmer die Konkurrenz durch börsennotierte Konzerne. Mittelständische heimische Familienunternehmen stehen allerdings in der Regel vor ganz anderen Weichenstellungen, wie Robert Ehrenhöfer, Chef der Unternehmer-Beratung der Credit Suisse in Österreich, weiß: "Nicht nur jüngere Unternehmer, die mit Mitte 40 einiges aufgebaut haben, stehen nun am Scheideweg, ob sie mit ihrem Unternehmen weiter wachsen oder verkaufen sollen."

Verkaufen oder erhalten
Diese Frage betrifft auch immer mehr alte Familienunternehmen. Sie fragen sich zunehmend, ob sie aufs Spiel setzen sollen, was die Generationen vor ihnen geschaffen haben, oder ihr Risiko diversifizieren sollen." Ehrenhöfer selbst bietet sich dabei als neutraler Berater an: "Hausbanken sind interessiert, Unternehmen weiterhin Finanzierungen zu verkaufen, Investmentbanken wiederum sind naturgemäß stark transaktionsorientiert. Wir konzentrieren uns auf die Person des Unternehmers und streben eine dauerhafte Beziehung als Vermögensverwalter über viele Jahrzehnte hinweg an."

Nachfolgefrage in neuem Licht
Probleme rund um die Unternehmensnachfolge werden laut Umfrage neben wirtschaftlichen Fehlentscheidungen als die größten Risikofaktoren für den Bestand der Familienunternehmen gesehen - von innerfamiliären Streitigkeiten bis hin zum Fehlen eines geeigneten Nachfolgers. Zwar geben aktuell noch 69 Prozent der Unternehmer an, sie hätten einen Nachfolger aus der Familie ins Auge gefasst, für Ehrenhöfer ist die Tendenz zu innerfamiliären Lösungen aber eindeutig rückläufig: "Vor zehn Jahren wären das mindestens 85 Prozent gewesen. Und in den nächsten Jahren wird dieser Prozentsatz weiter zurückgehen, weil nicht mehr alle den Kindern die Verantwortung aufbürden wollen."

Vier-Kinder-Imperium
Je länger die Historie eines Familienunternehmens ist, desto problematischer wird die Einbindung der jüngeren Generationen. Flexible Lösungen sind gefragt. So teilte etwa "Rosenkönig" Josef Starkl sein gärtnerisches Imperium Mitte der 90er-Jahre auf seine vier Kinder auf. "Wir arbeiten dort zusammen, wo es sinnvoll ist, etwa beim Einkauf oder in der Werbung. Aber alles auf freiwilliger Basis", sagt Anton Starkl, der mit seiner Gattin den Stammsitz in Frauenhofen/Tulln samt Baumschule und Gartencenter leitet.

Nicht alle Vorstände aus Familie
Beim urösterreichischen Süßwarenhersteller Manner kam zu der Gründerfamilie und den bereits 1900 als Kompagnons eingestiegenen Riedls im Lauf der Firmengeschichte auch noch die Napoli-Besitzerfamilie Andres als dritter Familienclan in die Eigentümerfunktion. Firmenpatriarch Carl Manner (siehe Bild), 79, der nach mehr als 50 Jahren an der Spitze erst kürzlich in den Aufsichtsrat wechselte: "Im Vorstand können wir nicht alle Positionen aus der Familie besetzen. Das ist auch nicht notwendig, wenn man Manager hat, die engagiert und vom Fach her geeignet sind." Miteigentümer und Marketingchef Otto W. Riedl ergänzt: "Außerdem lassen sich Manager leichter auswechseln als Familienmitglieder." (Siehe hierzu auch das Interview .)

Unternehmenswert unbekannt
Die Herausforderungen durch globalen Konkurrenzdruck fördern laut Ehrenhöfer eine pragmatische Sicht: "Übergabe, Verkauf, Börsengang oder die Hereinnahme von Partnern werden zunehmend als gleichwertige Möglichkeiten gesehen." Wobei sich bei der Realisierung dieser Optionen in der Praxis durchaus ein Problem auftun kann: Nur 41 Prozent der Unternehmer wissen genau, wie viel ihr Familienbetrieb wert ist, 37 Prozent nur ungefähr. 22 Prozent wissen das definitiv nicht.

Von Michael Schmid und Dina Elmani

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