Die Lehren aus der Krise: Heimische Betriebe haben sich erfolgreich und clever gerüstet

FORMAT zeigt, wie sich heimische Unternehmen erfolgreich gegen den Abschwung gestemmt haben, und präsentiert die Lehren, die das Beratungsunternehmen Ernst & Young aus der nun abklingenden Krise zieht.

Es gibt kaum ein Datum, an das sich Hans Roth, Gründer des steirischen Entsorgungsdienstleisters Saubermacher, so gut erinnert wie an den 4. Dezember 2008. Die Ergebnisse der Monate zuvor waren zwar die besten der Firmen­geschichte gewesen, doch durch die ge­rade zweieinhalb Monate zurückliegende Lehman-Pleite hing das böse K-Wort auch schon drohend wie ein Damoklesschwert über der Realwirtschaft. „Wir haben uns früh auf das Schlimmste eingestellt“, so Roth. Um das auch allen zu verdeutlichen, trommelte der Unternehmer am besagten Tag alle seine Geschäftsführer und Abteilungsleiter, dazu Experten von WIFO und Bankinstituten, einen renommierten Unternehmensberater und Wirtschaftsprofessoren zu einem in der Firmengeschichte einmaligen fünfstündigen Meeting zusammen, in dem zum drohenden Einbruch Klartext geredet wurde. „Zum Wachrütteln“, wie Roth die Inszenierung heute begründet.

Rüsten für die nächste Krise
Nach dem Reden wurde gehandelt: Budgetrevision, Szenarioplanung, insgesamt mehr als 200 Einzelmaßnahmen, um Saubermacher effizienter zu machen, ohne dabei die Leistung bei den Kunden zu verschlechtern. „Wir haben in der Krise mit unseren Mitarbeitern gemeinsam gelernt“, resümiert Roth nun nach Durchquerung der rauen See. So wie Saubermacher mussten sich alle Unternehmen in den letzten Monaten mit neuen Rahmenbedingungen auseinandersetzen, ihre Strukturen, Prozesse und Strategien überdenken. Mit unterschiedlichen Ergebnissen: So zieht der heimische Computerhändler DiTech seinen Expansionskurs ungebremst durch, bauMax geht dagegen auf den Ostmärkten nun selektiver vor und setzt in einigen Ländern auf explizite Tiefpreisstrategien. Henkel wiederum stärkt innerhalb dieser Region das Headquarter Wien durch ein großvolumiges Investi­tionsprogramm. Der Bildungs- und Trainingsanbieter bit nutzte Gelegenheit und gute Eigenkapitalbasis, um in der Krise einen Mitbewerber zu schlucken und so zu wachsen.

Optimal für die Zukunft wappnen
„Niemand sollte sich darauf verlassen, dass nun wieder Business as usual einkehrt. Ziel muss daher sein, gegenüber künftigen Krisen nachhaltig besser gerüstet zu sein“, postuliert Helmut Maukner, Country Managing Partner des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Ernst & Young. Dieses hat in einer weltweiten Erhebung herausgefunden, dass erfolgreiche Unternehmen gerade in der Krise ein Bündel von acht wesentlichen Performancezielen ansteuern. Kostensenkungen alleine zählen dazu nicht – obwohl sie natürlich im Rahmen der Flexibilisierung des Gesamtunter­nehmens sehr wohl erforderlich sind. „Kostenoptimierung sollte mittlerweile Bestandteil jeder Unternehmenskultur sein.

Liquiditätsthemen an erster Stelle
Worin sich die guten Unternehmen von den Underperformern unterscheiden, ist jedoch die Balance zwischen Kostenbewusstsein und Zukunftsinvestitionen“, stellt Günter Brandner, Leiter des Advi­sory Services bei Ernst & Young, klar. Recht weit sind die Unternehmen laut Studie bei der Optimierung der Kapitalverfügbarkeit. Für Brandner keine Überraschung: „Liquiditätsthemen hatten 2009 oberste Priorität. Andere Optimierungen stehen erst seit heuer wieder stärker im Brennpunkt.“ Zwei konkrete Punkte des Zielkatalogs erfüllte etwa die bit-Gruppe bei der Übernahme der heimischen Niederlassung von Mitbewerber Global Knowledge, immerhin weltgrößter Ausbildungspartner von Cisco: schnelle Entscheidungsfindung, um die kurzfristig gebotene Chance zu nutzen, sowie die Optimierung der Marktreichweite als Ergebnis des Deals.

Investitionen in die Zukunft
Neben der Fokussierung auf die Marktposition heben sich Top-Unternehmen vom Durchschnitt am stärksten durch die Förderung von Kenntnissen und Fähigkeiten bei Management und Mitarbeitern ab. Saubermacher Roth unterstreicht diesen Punkt: „Bei uns haben Führungskräfte auf Gehaltserhöhungen verzichtet, und der eine oder andere bekommt sein Dienstauto erst nächstes Jahr. Aber es gibt zwei Bereiche, in denen definitiv nicht gekürzt wurde – bei Personalentwicklung und Forschung!“ Sein Budget für 2010 hat er ähnlich vorsichtig angesetzt wie für 2009. Denn Roth erinnert sich, was Extremkletterer Thomas Bubendorfer, der im Dezember 2008 ebenfalls zum Krisenevent eingeladen war, damals sagte: „Das einzige Mal, als ich keine Angst hatte, bin ich abgestürzt.“

Michael Schmid

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