Der Weg nach oben: Was Sie schon immer über Erfolg wissen wollten

Karriere. Der Weg an die Spitze ist lang und hart. Top-Manager verraten in FORMAT, worauf es dabei ankommt: Welche Faktoren und Eigenschaften Ihren Aufstieg beschleunigen.

So ist es offenbar nun einmal – ob in der Schule, im Sport und natürlich auch im Berufsleben: Es gibt immer ein paar Versager, einen breiten Durchschnitt und jene Minderheit, die noch mehr draufhat. Und genau dort wird es erst richtig interessant: Denn neben den Guten gibt es auch die sehr Guten und manchmal, in ganz seltenen Fällen, auch noch jemanden, von dem man spürt, dass er sogar über diejenigen hinausragt. Von solchen Exemplaren unserer Spezies geht meist eine unübersehbare Faszination aus – so wie etwa von Roger Federer, Stephen Hawking oder Josef Ackermann. Sie alle sind die absolute Spitze einer ohnehin schmalen Elite in ihrem jeweiligen Bereich – und zeigen, wie unterschiedlich die Gesichter des Erfolgs aussehen können.

An der Spitze ist die Luft immer dünn – ob es um Vorstandsjobs geht, um Weltcupsiege, Professuren an renommierten Lehrstühlen, um die Einkommensstatistik oder die Verteilung von Intelligenzquotienten. Doch Erfolg, seine Wahrnehmung und Anerkennung haben durchaus verschiedene Dimensionen. „Ein Physiker, der etwas Neues erforscht, wird leider nie so viel verdienen wie ein erfolgreicher Manager, obwohl er vielleicht über wesentlich mehr Talent auf seinem Gebiet verfügt“, sagt Markus Hengstschläger, Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik an der MedUni Wien. „Erfolg definiert jeder für sich. Das kann bedeuten, viel Geld zu verdienen, Einfluss zu haben, aber auch einen Dienst an der Gemeinschaft zu leisten oder maximale Selbstverwirklichung“, spannt Karl Sevelda, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen Bank International, einen weiten Bogen. In der Wirtschaft geht es jedenfalls vorrangig um Erfolg am Markt und den Aufstieg in der Unternehmenshierarchie – die Voraussetzungen für daraus resultierende Effekte wie Geld, Macht, Ansehen, Gestaltungsspielraum.

FORMAT fragte sieben erfolgreiche heimische Top-Manager und Unternehmer, wie sie genau diese Ziele – die viele andere auch anstreben – erreicht haben und welche Faktoren aus ihrer Sicht dafür ausschlaggebend waren. Aus ihren Erfahrungen leiten sich einige grundlegende Regeln und Rezepte dafür ab, wie man auf dem Karriereweg jene Abzweigungen findet, die ganz hinauf auf den Gipfel führen.

Erfolg in die Wiege gelegt?

Unterschiedliche Erfolge in Schul- und Berufslaufbahnen durch genetische Veranlagung erklären zu wollen ist ein mehr als heikles Terrain – was zuletzt Thilo Sarrazin erfahren musste, der wegen dieser Position in der Bildungs- und Einwanderungsdebatte als Vorstand der Deutschen Bundesbank untragbar wurde und zurücktrat. „Genetik spielt im Zusammenhang mit Erfolg eine untergeordnete Rolle“, stellt Genetiker Hengstschläger klar. Selbst für seinen britischen Kollegen Robert Plomin, der mit Thesen zur Vererbbarkeit von Intelligenz Aufsehen erregte, zeigen Forschungsergebnisse, „dass es nicht um Anlage oder Umwelt geht, sondern wie diese beiden Faktoren zusammenwirken“.

Eine umso entscheidendere Rolle kommt daher frühkindlicher Prägung und Förderung zu. Psychologische Erkenntnisse zeigen, dass genau jene Fähigkeiten und Persönlichkeitseigenschaften, die entscheidend für eine selbstbestimmte, erfolgreiche Lebensgestaltung sind, in dieser Phase entwickelt werden: Lernbereitschaft, Leistungsmotivation, Offenheit und die Fähigkeit, Rückschläge zu überwinden. Das ist auch für Hannes Ametsreiter, Generaldirektor der Telekom Austria Group, evident: „Ich bin überzeugt, dass das soziale Umfeld von entscheidender Bedeutung ist. Die ersten, persönlichkeitsprägenden Jahre geben einen gewissen Entwicklungspfad vor.“

Kein Wunder also, dass wohlmeinende – und auch ehrgeizige – Eltern vieles daransetzen, in ihren Sprösslingen schlummernde Talente frühzeitig zu erwecken, um ihnen so das Rüstzeug für spätere Erfolge mitzugeben. Einen radikalen Ansatz verfolgt dabei die chinesischstämmige US-Professorin Amy Chua: Sie beschreibt in ihrem Buch (siehe Kasten S. 61), wie sie ihre beiden Töchter nicht nur zu Bestnoten in der Schule drillte, sondern sie auch nächtelang zwang, Musikstücke bis zur Perfektion am Klavier einzuüben. Für die einen verkörpert sie damit jene asiatischen Tugenden, mit denen die fernöstlichen Wirtschaftsgroßmächte dem Westen demnächst den Rang ablaufen könnten, andere sehen darin ein eindimensionales, menschenverachtendes Weltbild, das auf einem grotesk-naiven Missverständnis von Leistung als Akt der Dressur beruht.

Der Wille zum Erfolg

Aus Sicht der Manager beruhen nachhaltige Erfolge zwar auf harter Arbeit und Fleiß – diese jedoch wiederum unumgänglich auf innerer Motivation und nicht auf Zwang von außen. „Um in einen Chefsessel zu gelangen, sind Willensstärke, eine Extraportion Energie, ein hohes Maß an Eigenmotivation und ein Quäntchen Glück nötig“, sagt etwa Schoeller Bleckmann Oilfield-Vorstand Gerald Grohmann. „Natürlich braucht es ein gewisses Talent, dann aber geht es vor allem um Einsatzbereitschaft und das nachhaltige Verfolgen seiner Ziele“, betont auch René Benko, als Gründer und Geschäftsführer seiner Signa Hol- ding der Shootingstar im Immobilien-Business. Erfolg ist für ihn eine Sache der Persönlichkeit: „Umfeld und Glück können helfen, aber es kommt darauf an, durchzuhalten und die Dinge mit Selbstvertrauen tatsächlich zum Abschluss zu bringen.“

Wer nicht nur fachlich gut sein will, sondern auch den Willen hat, bis an die Spitze zu kommen, zeichnet sich aus der Sicht von Antonella Mei-Pochtler, Senior Partnerin des globalen Consultingunternehmens Boston Consulting Group (BCG), durch seine Wettbewerbsgesinnung aus. „Erfolgreiche Menschen scheuen den Wettbewerb nicht, sie suchen ihn. Man kommt nirgends an die Spitze, wenn man sich nicht permanent schwierigeren Aufgaben stellt“, so die Beraterin.

Kluge Karrierestrategie

„Erfolgreiche Menschen suchen sich an der Uni und später im Beruf genau jenes Umfeld, das ihnen dabei hilft, sich weiterzuentwickeln“, beobachtet der deutsche Autor und Diplombiologe Werner Siefer. Nicht umsonst sind Consultingunternehmen wie BCG, McKinsey oder Roland Berger als erste Arbeitgeber für besonders ehrgeizige Studienabsolventen höchst beliebt. Dort finden sie nicht nur das von Mei-Pochtler beschriebene kompetitive Umfeld, sondern werden auch sehr schnell mit verantwortungsvollen Aufgaben in Projekten betraut und können sich fachlich weiter qualifizieren. Von hundert Bewerbern schaffen es im Schnitt gerade einmal zwei, dort aufgenommen zu werden.

„Berater wie McKinsey sind eine gute Karrierebasis. Dort werden junge Leute extrem gefordert und zugleich extrem gefördert“, sagt Post-Generaldirektor Georg Pölzl. Er muss es wissen – schließlich startete er selbst seine Karriere bei dem US-Berater. Dort wächst man auch in ein Netzwerk von Partnern, Senior Consultants, Alumni und Klienten hinein. Solche tragfähigen Netzwerke in einer möglichst frühen Karrierephase aufzubauen ist eine Kernkompetenz erfolgreicher Karrieristen. Je hochkarätiger das Umfeld, desto besser. Besonders beliebt sind daher in Österreich Positionen im Umfeld der Politik, bevorzugt in den Kabinetten von Regierungsmitgliedern. Dort begann etwa die Karriere von ÖBB-Boss Christian Kern und die des soeben gekürten neuen ÖIAG-Chefs Markus Beyrer.

„Ich habe dort fachlich viel gelernt und ein Kontaktnetzwerk gewonnen“, sagt auch Raiffeisen- Banker Sevelda über seine frühe Karrierephase im Kabinett des ehemaligen Vizekanzlers und Wirtschaftsministers Norbert Steger. Er hält zudem soziale Kompetenzen wie Kompromissfähigkeit, Flexibilität sowie eine gewisse Großzügigkeit und Humor für ebenso wichtige Eigenschaften wie die fachliche Kompetenz und Leistungsbereitschaft. Für Post-Generaldirektor Pölzl sind letztlich nur jene nachhaltig erfolgreich, „die ihren eigenen Erfolg nicht über ihre Einzelleistung, sondern über den Erfolg des gesamten Unternehmens definieren“.

Während für Berufseinsteiger ihre solide Ausbildungsbasis und das Fachwissen die wichtigsten Faktoren sind, gewinnen Netzwerkfähigkeit und soziale Kompetenz im weiteren Verlauf einer Karriere immer mehr an Bedeutung – insbesondere wenn es um die Übernahme von Führungsverantwortung geht. Doch selbst wenn all diese Voraussetzungen gegeben sind, kommt es für den Sprung an die Spitze zusätzlich oft auf noch etwas anderes an: Zufall oder Glück. Ametsreiter: „Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein kann ebenso wichtig sein wie Durchschlagskraft und Persönlichkeit.“ René Benko glaubt auch in diesem Zusammenhang an das Glück des Tüchtigen: „Es reicht nicht, auf das Glück zu warten, man muss viel und hart daran arbeiten.“

– Martina Bachler, Michael Schmid
Mitarbeit: Carolina Burger, Nina Kreuzinger

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